Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue schnellere Implantation eines Herzschrittmachers

12.01.2006


Europaweit leiden etwa 6 Millionen Menschen an einer chronischen Herzleistungsschwäche - Tendenz steigend. Häufig gerät in einem späteren Stadium das linke Herz aus seinem Takt. Versagen alle Medikamente, können heutzutage so genannte biventrikuläre Herzschrittmacher eingesetzt werden, die beide Herzkammern gleichzeitig stimulieren, und so eine erhebliche Verbesserung der Herzleistung bewirken. Diese Therapieform kann selbst da helfen, wo früher nur noch die Transplantation eine Option war. Ärzte am Herzzentrum des Universitätsklinikums Bonn haben jetzt ein neues Verfahren entwickelt, das die komplizierte Implantation dieser Herzschrittmacher deutlich verkürzt - ein erheblicher Vorteil für die wenig belastbaren Patienten.



Eine chronische Herzmuskelschwäche ist die häufigste Erkrankung des Herzens. Allein in Deutschland sterben pro Jahr etwa 60.000 Patienten an dieser Krankheit. Die Ursachen sind sehr vielfältig wie Bluthochdruck, Verengung der Herzkranzgefäße oder eine Entzündung des Herzmuskels. "Doch oft wird die Diagnose Herzinsuffizienz erst dann gestellt, wenn bereits die Pumpleistung des Herzens deutlich vermindert ist", konstatiert Dr. Bahman Esmailzadeh, Oberarzt an der Klinik für Herzchirurgie des Universitätsklinikums Bonn. Bereits zu diesem Zeitpunkt schlägt häufig das linke Herz nicht mehr im richtigen Takt. Herkömmliche Schrittmacher stimulieren jedoch nur das rechte Herz und können so die gestörte Erregungsleitung zusätzlich verstärken. Im Endstadium war früher die Herztransplantation die einzige Option, wenn Medikamente dem Betroffenen nicht mehr halfen.



Knifflige Suche nach dem Nadelöhr

In den letzten Jahren etablierten sich biventrikuläre Schrittmacher, die mittels einer zusätzlichen Elektrode gleichzeitig den rechten und linken Herzmuskel stimulieren und so eine "synchrone" Kontraktion der Herzmuskel bewirken - eine echte Alternative zur Transplantation. "Doch gerade die kathetergestützte Platzierung der linksseitigen Elektrode ist extrem knifflig", sagt Dr. Dieter Bimmel, Oberarzt an der Herzchirurgischen Universitätsklinik. Denn der einzige Zugang zur gewünschten Herzvene, dem so genannten Sinus-Coronarius, ist schwer zu finden. Bisher wird dieses Nadelöhr mittels Röntgendurchleuchtung mit Kontrastmitteln dargestellt und die Sonde vom rechten Herzen zur linken Herzkammer geführt. "Wobei lange Durchleuchtungszeiten bis zu einer halben Stunde keine Seltenheit sind" erklärt Oberarzt Bimmel.

Jetzt haben die Bonner Ärzte, die pro Jahr rund 100 biventrikuläre Schrittmacher implantieren, ein Verfahren entwickelt, bei dem sie Röntgen und Herz-Ultraschall, die so genannte Echokardiographie, zusammen anwenden. Dabei erfolgt der schwierigste Abschnitt, die Suche nach dem Sinus Coronarius, ausschließlich echokardiographisch. Dadurch reduzieren die Bonner Ärzte die Zeit für eine exakte Platzierung der Sonde auf fünf Minuten. Auch die Belastung des Patienten durch Röntgenstrahlen sinkt deutlich. Zudem benötigt das neue Verfahren kein Kontrastmittel mehr. "Der Erfolg ist eine schnelle und sichere Implantation, die unseren Patienten erstaunliche Vorteile bringt. Den kürzeren Eingriff können sie besser verkraften, und sie können schneller wieder nach Hause", sagt Projektleiter Esmailzadeh.

Kontakt für die Medien:
Oberärzte Dr. Bahman Esmailzadeh und Dr. Dieter Bimmel
Klinik für Herzchirurgie des Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-5109; Mobil: 0175/1550280
E-Mail: Bahmann.Esmailzadeh@ukb.uni-bonn.de; Dieter.Bimmel@ukb.uni-bonn.de

Dr. Inka Väth | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

Weitere Berichte zu: Herzmuskel Herzschrittmacher Implantation

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie