Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kopfschmerz bei Jugendlichen: zu selten zum Arzt, zu häufig unkontrollierter Medikamentenkonsum

28.11.2005


Jedes zweite Mädchen und ein Viertel der Jungen zwischen 12 und 15 Jahren gaben bei einer repräsentativen Studie in Vorpommern an, unter wiederholten Kopfschmerzen zu leiden. Die Lebensqualität der Betroffenen ist beeinträchtigt. Sorgen bereitet den Experten, dass nur jeder vierte Jugendliche mit wiederkehrenden Kopfschmerzen einen Arzt konsultiert, aber 60 Prozent ihre Schmerzen mit Medikamenten selbst behandeln oder von den Eltern Medikamente bekommen. Das sind wichtige Ergebnisse der ersten großen epidemiologischen Kopfschmerz-Studie der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG), präsentiert auf einer Pressekonferenz der DMKG am 25. November in München.



Klagen Teenager regelmäßig über Kopfschmerzen, sollten bei den Eltern die Alarmglocken läuten. Betroffen sind vor allem Mädchen. Fast jedes zweite zwischen 12 und 15 Jahren leidet unter wiederkehrenden Kopfschmerzen. Damit sind Mädchen doppelt so häufig von Kopfschmerzen geplagt wie ihre männlichen Altersgenossen. "Woran das liegt, können wir im Moment noch nicht genau sagen", sagt Konstanze Fendrich von der Universität Greifswald. "Vielleicht nehmen Mädchen Schmerzen eher wahr, oder sie leiden stärker unter kopfschmerzauslösenden Faktoren wie Stress. Auch die mit dem Eintritt der Pubertät verbundenen hormonellen Veränderungen könnten eine Rolle spielen".

... mehr zu:
»Kopfschmerz


Umfrage an 20 Schulen.

Die Forscher der Universität Greifswald befragten an 20 Schulen in Vorpommern im Zeitraum von 2003 bis 2004 insgesamt 3.324 Schülerinnen und Schüler der siebten bis neunten Jahrgangsstufe nach Kopfschmerzen und den damit verbundenen Einschränkungen. Das Ergebnis: rund 70 Prozent der Jugendlichen erinnerten sich, in den letzten drei Monaten Kopfschmerzen gehabt zu haben. 50 Prozent der Mädchen und 25 Prozent der Jungen gaben an, in diesem Zeitraum unter wiederholten Kopfschmerzen gelitten zu haben.

Da die Experten davon ausgehen, dass die Situation der Schüler in Vorpommern sich nicht wesentlich von der in anderen Bundesländern unterscheidet, bedeutet dies für die Bundesrepublik: 1,75 Millionen Jugendliche haben Kopfschmerzerfahrung und bei 950.000 treten die Schmerzen immer wieder auf.

Während bei den Mädchen der Anteil mit wiederkehrenden Kopfschmerzen in den einzelnen Jahrgangsstufen unterschiedlich ist - bei den 12-Jährigen sind 43 Prozent, bei den 15-Jährigen 54 Prozent betroffen -, fehlen derartige Unterschiede bei den Jungen.

Legen die Forscher die strengen Kriterien der internationalen Kopfschmerzklassifikation der Internationalen Kopfschmerzgesellschaft an leiden 2,6 Prozent der Schülerinnen und Schüler unter Migräne, 4,5 Prozent haben Spannungskopfschmerz. Werden die Kriterien weniger streng gefasst, etwa bezüglich Zahl und Dauer der Attacken, verändert sich das Bild: Dann leiden wahrscheinlich 12,6 Prozent der Jugendlichen an einer Migräne und 15,7 Prozent an Spannungskopfschmerz.

Die Lebensqualität ist beeinträchtigt.

Kopfschmerzen machen den Jugendlichen, insbesondere, wenn sie unter wiederholten Kopfschmerzen leiden, in allen Bereichen deutlich zu schaffen. Körper, Psyche und Selbstwertgefühl sind bei jenen Jugendlichen signifikant beeinträchtigt, die unter Kopfweh leiden. Auch in der Familie und in der Schule machen die Schmerzen Probleme.
Schmerzen ernst nehmen. "Was uns vor allem zu denken gibt", so Fendrich, "ist der unkontrollierte Gebrauch von Medikamenten." Nur etwa jeder vierte Jugendliche konsultiert wegen wiederholter Kopfschmerzen einen Arzt, nur 3 Prozent suchen einen Neurologen oder Kopfschmerzexperten auf. Über die Hälfte der Jungen und mehr als 60 Prozent der Mädchen nehmen aber Medikamente. Auf die Frage, welche Medikamente sie nehmen, nannten die Jugendlichen die frei verkäuflichen Substanzen Paracetamol, Acetylsalicylsäure und Ibuprofen. Aber auch das verschreibungspflichtige Metamizol wird eingesetzt.

Fendrich: "Wichtig wäre hingegen, rechtzeitig Strategien zu entwickeln, um eine Chronifizierung der Schmerzen zu verhindern." Denn Befragungen von Schmerzpatienten zeigen, dass 60 bis 70 Prozent der chronischen Kopfschmerzpatienten bereits im Kindes- oder Jugendalter unter Kopfschmerzen litten, diese jedoch nicht ernst nahmen.

Lifestyle steigt zu Kopfe: Musik, Gameboy, Alkohol.

Um rechtzeitig Strategien gegen den Kopfschmerz entwickeln zu können, fragten die Forscher die Jugendlichen nach weiteren Lebensumständen, die mit der Entstehung von Kopfschmerzen in Zusammenhang stehen könnten. Das Fazit: Am deutlichsten erhöht sind Kopfschmerzen bei Jugendlichen, die wiederholt an Rückenschmerzen leiden. Aber auch der angestrebte Schulabschluss spielt eine Rolle: So haben Realschüler etwas häufiger Kopfschmerzen als Hauptschüler und bei Gymnasiasten ist das Risiko für Kopfschmerz am höchsten. Aber auch der Medienkonsum spielt eine Rolle. Als Risikofaktoren erwiesen sich die Favoriten des jugendlichen Lebensstils:

- Mehr als eine Stunde Musikkonsum pro Tag
- Mehr als eine Stunde Gameboy- und Computerspiel pro Tag
- mehr als zwei Gläser hochprozentiger Alkoholkonsum pro Woche

"Wir können diese Risiken jetzt erstmals genau angeben, Jugendliche, für die diese Tätigkeiten zutrafen, litten signifikant häufiger an Kopfschmerzen", erklärt Fendrich.

Keinen Einfluss auf das Kopfschmerzrisiko scheinen hingegen die verbrachte Zeit vor Fernsehapparat und Computer sowie sportliche Aktivitäten in der Freizeit zu haben.

Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://awmf.org
http://www.dmkg.de

Weitere Berichte zu: Kopfschmerz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Titandioxid-Nanopartikel können Darmentzündungen verstärken
19.07.2017 | Universität Zürich

nachricht Künftige Therapie gegen Frühgeburten?
19.07.2017 | Universitätsspital Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Im Focus: Das Proton präzise gewogen

Wie schwer ist ein Proton? Auf dem Weg zur möglichst exakten Kenntnis dieser fundamentalen Konstanten ist jetzt Wissenschaftlern aus Deutschland und Japan ein wichtiger Schritt gelungen. Mit Präzisionsmessungen an einem einzelnen Proton konnten sie nicht nur die Genauigkeit um einen Faktor drei verbessern, sondern auch den bisherigen Wert korrigieren.

Die Masse eines einzelnen Protons noch genauer zu bestimmen – das machen die Physiker um Klaus Blaum und Sven Sturm vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

Technologietag der Fraunhofer-Allianz Big Data: Know-how für die Industrie 4.0

18.07.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - September 2017

17.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext

20.07.2017 | Förderungen Preise

Von photonischen Nanoantennen zu besseren Spielekonsolen

20.07.2017 | Physik Astronomie

Bildgebung von entstehendem Narbengewebe

20.07.2017 | Biowissenschaften Chemie