Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Stammzellen als Helfer bei der Therapie der Zuckerkrankheit

02.10.2001


Stammzellen aus der Bauchspeicheldrüse des Menschen sollen sich im Reagenzglas vermehren und sich zu Insulin produzierenden Zellen weiterentwickeln. Dann könnte man sie Zuckerkranken transplantieren. Die Grafik zeigt die nötigen Vorarbeiten.


Die Stammzellen aus der Bauchspeicheldrüse könnten sich entweder direkt im Organismus (in vivo) oder schon vorher im Reagenzglas (in vitro) zu Insulin bildenden Zellen weiterentwickeln. Grafiken (2): Seufert


Bei der Zuckerkrankheit sind alle Behandlungsmöglichkeiten darauf ausgerichtet, symptomatisch den Blutzuckerspiegel zu senken. Die eigentliche Ursache - die gestörte Abgabe von Insulin aus der Bauchspeicheldrüse - können sie nur wenig verbessern. Darum arbeiten Wissenschaftler von den Universitäten Würzburg und Gießen daran, den Erkrankten künftig vermehrt Insulin produzierende Zellen transplantieren zu können.

Die Häufigkeit der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) nimmt in den westlichen Industrienationen kontinuierlich zu. Für das Jahr 2004 wird alleine für Deutschland eine Zahl von 4,5 bis 5 Millionen Diabetikern vorhergesagt.

Diabetes bedingt eine erhöhte Sterblichkeit und ist mit vielen ernsten Folgeerkrankungen verknüpft. So nimmt die Gefäßverkalkung zu, und das bedingt ein hohes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Zusätzlich kann eine Einschränkung der Nierenfunktion bis zum Nierenversagen und die Notwendigkeit der Dialyse hinzutreten. Eine Schädigung der Augen kann bis zur Erblindung führen, und schließlich stellen auch Nervenschäden eine ernste Komplikation dar.

Eine der Ursachen der Zuckerkrankheit ist entweder eine Zerstörung oder eine Fehlfunktion der Insulin produzierenden Zellen (Betazellen) in der Bauchspeicheldrüse. Um diese Zellen zu ersetzen, kann man entweder die gesamte Bauchspeicheldrüse oder aber nur die so genannten Langerhans’schen Inseln transplantieren. Bei diesen Inseln handelt es sich um Ansammlungen von spezialisierten Zellen, die den Hormon produzierenden Teil der Bauchspeicheldrüse darstellen. Dort befinden sich auch die Betazellen.

Die klinischen Ergebnisse der Inseltransplantation wurden in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Allerdings seien hierfür sehr viele isolierte Pankreasinseln notwendig, so der Würzburger Mediziner Dr. Jochen Seufert. Diese Behandlungsmöglichkeit könne bislang nicht auf breiter Front eingesetzt werden, weil zu wenig Spenderorgane zur Verfügung stehen.

Möglicherweise lässt sich dieser Mangel beheben, wenn es gelingt, die Insulin produzierenden Zellen im Reagenzglas zu vermehren. In der Bauchspeicheldrüse wurden Stammzellen identifiziert, die normalerweise die Hormon bildenden Zellen ersetzen können. Sie besitzen auch das Potenzial, sich zu Insulin produzierenden Zellen weiterzuentwickeln.

Allerdings sind Identifizierung, Isolation und Vermehrung dieser Stammzellen im Reagenzglas sowie ihre Entwicklung zu Insulin produzierenden Zellen bislang nur unzureichend untersucht. Das soll sich durch ein Forschungsprojekt ändern, das die Arbeitsgruppe von Dr. Seufert seit August 2001 an der Medizinischen Poliklinik der Universität Würzburg durchführt.

Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung für drei Jahre gefördert. Es ist Teil eines Verbundprojektes mit dem Inseltransplantationszentrum der Universität Gießen. Der Universitätsbund Würzburg hat die Vorarbeiten für das Projekt aus der IHK-Firmenspende gefördert.

In der Arbeitsgruppe von Dr. Seufert wurde ein Eiweißmolekül identifiziert, das in der Bauchspeicheldrüse wesentlich an der Vermehrung der Insulin produzierenden Zellen beteiligt sein könnte. "Wir haben gezeigt, dass eine erhöhte Aktivität dieses Proteins auch in einer Zellkultur zu einer verstärkten Vermehrung der Betazellen führt", sagt Dr. Seufert. Dieses Potenzial soll nun auf isolierte Stammzellen aus der Bauchspeicheldrüse des Menschen übertragen werden.

Isoliert werden die Langerhans’schen Inseln im Gießener Inseltransplantationszentrum, und zwar aus Spenderorganen des Menschen. In Würzburg steht dann die Identifizierung, Isolierung und Selektion der Stammzellen durch genetische und zellbiologische Methoden auf dem Forschungsprogramm. Hauptziel ist es zunächst, mit den Stammzellen eine Zellkultur zu etablieren.

Im nächsten Schritt sollen diese Zellen auf molekularer und immunologischer Ebene charakterisiert werden. Schließlich wollen die Wissenschaftler Strategien erarbeiten, mit denen sie diese Zellen dazu bringen können, sich zu Betazellen weiterzuentwickeln. Das kann entweder schon in der Zellkultur oder aber erst nach der Transplantation in den Organismus geschehen.

Weitere Informationen: Dr. Jochen Seufert, T (0931) 201-7085, Fax (0931) 201-7009, E-Mail: 
j.seufert@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Bauchspeicheldrüse Betazelle Insulin Stammzelle Zuckerkrankheit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kostformen im Vergleich: Für Menschen mit Diabetes ist die Mittelmeer-Diät besonders gut geeignet
19.01.2018 | Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke

nachricht Vielversprechender Malaria-Wirkstoff erprobt
19.01.2018 | Eberhard Karls Universität Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungen

Transferkonferenz Digitalisierung und Innovation

22.01.2018 | Veranstaltungen

Kongress Meditation und Wissenschaft

19.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

22.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Forschungsteam schafft neue Möglichkeiten für Medizin und Materialwissenschaft

22.01.2018 | Biowissenschaften Chemie

Ein Haus mit zwei Gesichtern

22.01.2018 | Architektur Bauwesen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics