Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Low-Carb" Diät kann Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten erhöhen

16.11.2005


Vergleichende Untersuchung verschiedener Diäten am Universitätsklinikum Göttingen zeigt: Kohlenhydratarme Diät birgt möglicherweise gesundheitliches Risiko



Eine streng kohlenhydratarme Diät kann den Risikofaktor Homocystein für Herz-Kreislauf-Krankheiten schon nach wenigen Wochen erhöhen. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie am Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen. Sie vergleichen derzeit eine streng kohlenhydratarme Diät ("Low-Carb") mit zwei verschiedenen fettarmen Diäten ("Low-Fat") im Rahmen eines ansonst gleichen ambulanten Therapieprogramms. "Vier Wochen nach Beginn unseres einjährigen Programms war die Konzentration von Homocystein im Blut der "Low-Carb"-Teilnehmerinnen deutlich erhöht. Homocystein ist ein Risikofaktor für Herz-Kreislaufkrankheiten", sagt Dr. Thomas Ellrott, stellvertretender Leiter der Ernährungspsychologischen Forschungsstelle in der Abteilung Psychiatrie und Psychotherapie. 160 übergewichtige und adipöse (fettleibige) Frauen im Alter von durchschnittlich 49 Jahren nehmen für ein Jahr an einem ambulanten Therapieprogramm teil. Die abschließende medizinische Untersuchung der Teilnehmerinnen ist für das Frühjahr 2006 geplant.



"Der Homocystein-Anstieg unter Low-Carb Diät könnte durch einen sehr geringen Verzehr an Obst, Gemüse und Vollkornprodukten verursacht sein. Diese Lebensmittel sind bei einer Low-Carb Diät praktisch verboten", sagt Dr. Ellrott, "enthalten jedoch gerade die für den Abbau von Homocystein wichtigen Vitamine B6 und Folsäure." Ob der Anstieg der Homocystein-Konzentration im Blut durch künstliche Vitamin-Zugaben von B6, B12 und Folsäure zu verhindern wäre, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Allen Patientinnen mit erhöhten Werten wurde sicherheitshalber ein solches Vitaminpräparat verordnet.

Die Teilnehmerinnen wurden nach dem Zufallsprinzip einem von drei unterschiedlichen Diätkonzepten zugeteilt: (1) "Low-Carb" mit maximal 30 Gramm Kohlenhydraten pro Tag im ersten Monat; (2) "Low-Fat" mit maximal 30 Gramm Fett pro Tag im ersten Monat und (3) "Low-Fat mit reduzierter glykämischer Last" mit maximal 30 Gramm Fett und maximal 50 Gramm stark blutzuckerwirksamen Kohlenhydraten pro Tag im ersten Monat. Die Diät wird bei allen Teilnehmerinnen gleichermaßen durch weitere therapeutische Elemente wie medizinische Untersuchungen, Anleitungen zu einem Bewegungsprogramm und zu Verhaltensänderungen ergänzt. Ausführliche Laboruntersuchungen fanden zu Beginn des Programms und nach einem Monat statt. Weitere Untersuchungen sind sechs und zwölf Monate nach Studienbeginn geplant.

Bislang gibt es keine Untersuchungen zur Wirksamkeit verschiedener aktuell diskutierter diätetischer Ansätze (z.B. Low-Carb, Reduktion der glykämischen Last) zur Gewichtsreduktion unter deutschen Lebensbedingungen. "Wir wollen durch den systematischen Vergleich von drei Diätkonzepten im Rahmen eines ansonsten exakt gleichen Therapieprogramms erfahren, wie sich Körpergewicht und Herz-Kreislauf-Risikofaktoren unter den einzelnen Diätmodellen über zwölf Monate entwickeln," so Ellrott. "Es ist derzeit unklar, welche Menschen von welchen Diätformen am besten profitieren." Ein erstes Ergebnis ist nun, dass eine streng kohlenhydratarme Diät nicht nährstoffdeckend ist und wahrscheinlich durch künstliche Vitamine ergänzt werden muss, um ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten zu verhindern.

Die aktuellen Zwischenergebnisse des Vergleichs verschiedener Diätenkonzepte wurden jetzt erstmals auf Adipositas-Kongressen in Berlin und in Vancouver (Kanada) vorgestellt (Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft, 6. bis 8. Oktober 2005; NAASO-Meeting, 15. bis 18. Oktober 2005).

Weitere Informationen:

Bereich Humanmedizin - Universität Göttingen
Abt. Psychiatrie und Psychotherapie
Ernährungspsychologische Forschungsstelle
Dr. med. Thomas Ellrott
von-Siebold-Str. 5
37075 Göttingen
Tel. 0551/39 - 2742
Fax: 0551/39 - 9621
E-Mail: thomas.ellrott@gmx.com

Stefan Weller | idw
Weitere Informationen:
http://www.humanmedizin-goettingen.de

Weitere Berichte zu: Herz-Kreislauf-Krankheit Homocystein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise