Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Weltweit erstmaliger Einsatz eines neuen chirurgischen Sicherheitssystems

08.11.2005


Eine 22jährige Frau wurde jetzt an der Hals-, Nasen-, Ohren-Universitätsklinik Leipzig als weltweit erste Patientin unter Einsatz eines neuen chirurgischen Sicherheitssystems, das im ICCAS entwickelt wurde, operiert. Damit konnte das System im Rahmen einer Studie erfolgreich in die klinische Anwendung überführt werden.

Restrisiko und Informationsüberflutung

Versuche, Operationen im sensiblen Kopf-Hals-Bereich sicherer zu machen, haben zu einer Vielzahl von computergesteuerten Navigationssystemen geführt, mit denen das Komplikationsrisiko nach und nach auf nur fünf Prozent gesenkt werden konnte. Aber fünf Prozent Restrisiko können für den Einzelnen beispielsweise bedeuten, dass wichtige Nerven verletzt werden, die vielleicht für das Augenlicht, die mimische Muskulatur oder den Geschmackssinn zuständig sind.

Hinzu kommt, dass inzwischen eine Unmenge von Daten erhoben werden, die dem Chirurgen vor und während der Operation zugänglich gemacht werden müssen. D.h. der Chirurg wird mit einer Fülle von Daten überflutet, die aber alle seine volle Aufmerksamkeit und Berücksichtigung während der Operation verlangen. Mitunter geht das an die Grenzen seiner Aufnahmefähigkeit und verlängert zudem die Operationszeit.

Zusammenführung der Daten reduziert Risiko für Patienten und kognitive Belastung des Chirurgen

Das große Verdienst von Prof. Dr. Tim Lüth, Lehrstuhl für Mikro- und Medizingerätetechnik der TU München, und der Leipziger Chirurgen der Hals-, Nasen-, Ohren- Universitätsklinik Leipzig besteht nun darin, die vielen verschiedenen Daten zusammengeführt und in ein System integriert zu haben, das das Arbeitsfeld des Chirurgen genau und direkt definiert und reguliert. Geht der Chirurg über den für jeden Patienten individuell festgelegten Rahmen hinaus, so fällt sein Operationsinstrument automatisch aus.

Konkret handelt es sich um ein motorgetriebenes Saug- und Schneidinstrument (Shaver), wie es für Nasennebenhöhlenoperationen eingesetzt wird. Überschreitet der Chirurg bei der Operation beispielsweise unbemerkt die Grenze zum Auge oder zum Hirn, so reduziert das Assistenzsystem die Drehzahl des Instruments und vermeidet weitere Schäden. Für diesen Bereich ist der Shaver nicht programmiert. "Ein weitere Vorteil ist: Der Chirurg muss seine Augen quasi nicht mehr überall haben, sondern er kann sich auf eine Informationsquelle konzentrieren.", erklärt Oberarzt Dr. Gero Strauß von der HNO-Klinik, der an der klinischen Anwendbarkeit des Systems maßgeblich beteiligt war. 1½ Jahre wurde das System von ihm kritisch durchleuchtet und zahlreichen Prüfungen zu Genauigkeit und Präzision unterzogen, bevor es jetzt erfolgreich am Patienten eingesetzt werden konnte.

Erweiterung des Operationsspektrums

"Die Bedeutung des navigationskontrollierten Systems ist im Zeitalter von digitalen Patientendaten und intraoperativen Sensoren gar nicht hoch genug einzuschätzen.", meint auch Klinikchef Prof. Dr. Andreas Dietz. "Vielleicht erlaubt es auch, unser Operationsspektrum zu erweitern, das bisher durch direkte Einsehbarkeit des Operationsfeldes begrenzt war. Die entsprechenden Informationen und ihre Verarbeitung durch das neue System jedenfalls wären gewährleistet."

Das meint auch Prof. Lüth: "Das Prinzip Navigated Control bietet eine Vielzahl von weiteren Anwendungen bei nahezu allen kraftgetriebenen Instrumenten auch über die HNO hinaus." Lüth zeigt sich beeindruckt von den Möglichkeiten der Kooperation mit dem Universitätsklinikum Leipzig und dem Innovation Center Computer Assisted Surgery (ICCAS).

Evaluation und Zertifizierung des Systems

Die Wissenschaftler des ICCAS werden gemeinsam mit der TU München und der Firma Karl Storz, Tuttlingen, die Evaluation des navigiert-kontrollierten Shavers und dessen Zertifizierung vorantreiben. "Nach der klinischen Zulassung wird das System dann an allen interessierten Kliniken eingesetzt werden können.", so Strauß. Parallel dazu arbeiten wir an der Ausstattung weiterer Instrumentensysteme mit dem neuen Sicherheitskonzept.

Der Sprecher von ICCAS, Prof. Dr. Jürgen Meixensberger, Direktor der Klinik für Neurochirurgie der Universität Leipzig, weist auf die zahlreichen internationalen Workshops hin, auf denen diese und weitere Problemstellungen diskutiert werden: "Der nächste Workshop findet statt am 17.11.2005. Hier wird es vor allem um die wissenschaftliche Weiterentwicklung des Shavers gehen. Mit dabei sind auch Neurochirurgen der Universität Pittsburgh, USA."

Weitere Informationen:


Dr. Gero Strauß
Telefon: 0341 97-21720

... mehr zu:
»Chirurg »ICCAS »Sicherheitssystem

E-Mail: gero.strauss@medizin.uni-leipzig.de

Dr. Gero Strauß | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-leipzig.de

Weitere Berichte zu: Chirurg ICCAS Sicherheitssystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Berner Forschende entdecken Schlaf-Wach-Schaltzentrale im Hirn
11.06.2018 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Überdosis Calcium

Nanokristalle beeinflussen die Differenzierung von Stammzellen während der Knochenbildung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Freiburg und Basel haben einen Hauptschalter für die Regeneration von Knochengewebe identifiziert....

Im Focus: Overdosing on Calcium

Nano crystals impact stem cell fate during bone formation

Scientists from the University of Freiburg and the University of Basel identified a master regulator for bone regeneration. Prasad Shastri, Professor of...

Im Focus: AchemAsia 2019 in Shanghai

Die AchemAsia geht in ihr viertes Jahrzehnt und bricht auf zu neuen Ufern: Das International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production findet vom 21. bis 23. Mai 2019 in Shanghai, China statt. Gleichzeitig erhält die Veranstaltung ein aktuelles Profil: Die elfte Ausgabe fokussiert auf Themen, die für Chinas Prozessindustrie besonders relevant sind, und legt den Schwerpunkt auf Nachhaltigkeit und Innovation.

1989 wurde die AchemAsia als Spin-Off der ACHEMA ins Leben gerufen, um die Bedürfnisse der sich damals noch entwickelnden Iindustrie in China zu erfüllen. Seit...

Im Focus: AchemAsia 2019 will take place in Shanghai

Moving into its fourth decade, AchemAsia is setting out for new horizons: The International Expo and Innovation Forum for Sustainable Chemical Production will take place from 21-23 May 2019 in Shanghai, China. With an updated event profile, the eleventh edition focusses on topics that are especially relevant for the Chinese process industry, putting a strong emphasis on sustainability and innovation.

Founded in 1989 as a spin-off of ACHEMA to cater to the needs of China’s then developing industry, AchemAsia has since grown into a platform where the latest...

Im Focus: Li-Fi erstmals für das industrielle Internet der Dinge getestet

Mit einer Abschlusspräsentation im BMW Werk München wurde das BMBF-geförderte Projekt OWICELLS erfolgreich abgeschlossen. Dabei wurde eine Li-Fi Kommunikation zu einem mobilen Roboter in einer 5x5m² Fertigungszelle demonstriert, der produktionsübliche Vorgänge durchführt (Teile schweißen, umlegen und prüfen). Die robuste, optische Drahtlosübertragung beruht auf räumlicher Diversität, d.h. Daten werden von mehreren LEDs und mehreren Photodioden gleichzeitig gesendet und empfangen. Das System kann Daten mit mehr als 100 Mbit/s und fünf Millisekunden Latenz übertragen.

Moderne Produktionstechniken in der Automobilindustrie müssen flexibler werden, um sich an individuelle Kundenwünsche anpassen zu können. Forscher untersuchen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hengstberger-Symposium zur Sternentstehung

19.06.2018 | Veranstaltungen

LymphomKompetenz KOMPAKT: Neues vom EHA2018

19.06.2018 | Veranstaltungen

Simulierter Eingriff am virtuellen Herzen

18.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Rätselhaftes IceCube-Ereignis könnte von Tau-Neutrino stammen

19.06.2018 | Physik Astronomie

Automatisierung und Produktionstechnik – Wandlungsfähig – Präzise – Digital

19.06.2018 | Messenachrichten

Überdosis Calcium

19.06.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics