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„Schützenhilfe“ für Interferon

13.10.2005


Die in Ontario ansässige Firma „Transition Therapeutics Inc.“ hat einen neuen Wirkstoff entwickelt, der in Kombination mit β-Interferon dessen therapeutisches Potenzial beträchtlich erhöht. Das BioTech-Unternehmen ist in das gerade eröffnete MaRS-Center für „Medical and Related Sciences“ in Toronto integriert und profitiert von der reibungslosen Zusammenarbeit mit benachbarten Instituten, etablierten Unternehmen, Start-Ups, Beteiligungsgesellschaften und Zulieferern.



Hinter dem unscheinbaren Kürzel „emz702“ verbirgt sich ein neuartiges Präparat mit dem Potenzial, die Wirkung von β-Interferon um den Faktor zwei bis drei zu erhöhen. Bisherige klinische Studien, insbesondere an Hand von Patienten, die an Multipler Sklerose (MS) leiden, könnten Anlass zur Hoffnung geben. Zurzeit werden 40 Patienten im Rahmen einer Phase II-Studie untersucht. Die bisherige Diagnostik mit Hilfe der Kernspintomografie (MRI) deutet auf eine Stabilisierung des Krankheitsbildes hin. Die Behandlung dieser Patienten erstreckt sich über insgesamt sechs Monate. Mit den Ergebnissen ist im 2. Quartal 2006 zu rechnen.



Signale regulieren über 200 verschiedene Gene

Die im Jahre 1957 entdeckten Interferone sind nicht nur einfache Proteine unseres Immunsystems, sondern sie erfüllen zugleich die Aufgabe von körpereigenen „Spürhunden“, die darüber hinaus mit einer speziellen Software ausgestattet sind. Interferone werden bei Bedarf in speziellen Zellen synthetisiert. Nach der Ausscheidung aus diesen Zellen machen sie sich auf die Suche durch das Labyrinth der Zellen bis sie schließlich an einem hochspezifischen Rezeptor auf ihrer Zielzelle „andocken“. Durch diesen Vorgang wird eine Signaltransduktion ausgelöst, durch die die Information in den Kern gelangt und dort mehr als 200 verschiedene Gene reguliert.

Seit Anfang der 80er Jahre lassen sich mit Hilfe der rekombinanten DNA-Technologie Proteine in großen Mengen wirtschaftlich erzeugen. In diese Ära fallen auch die ersten medizinischen Anwendungen, die insbesondere im Fall des α-Interferons anfänglich von einer gewissen Euphorie begleitet wurden. So konnten verschiedene Arten der Leukämie erstmals wirkungsvoll therapiert werden, wobei es aber auch Rückschläge hinsichtlich der Therapie anderer Tumorerkrankungen gab. Zu Beginn der 90er Jahre sorgte β-Interferon wiederum für Schlagzeilen nachdem sich herausgestellt hatte, dass das Protein in der Lage ist, die Schubrate bei Multipler Sklerose (MS) deutlich zu senken. Im Zuge dieser Entdeckung wurde es im Jahre 1993 von der amerikanischen Arzneimittelzulassungsbehörde als erstes Medikament zur Behandlung dieser progressiven neurologischen Erkrankung zugelassen.

Seitdem hat es nicht an Versuchen gemangelt, die Wirkungsweise von Interferon zu optimieren. So haben diverse Studien gezeigt, dass hohe Interferon-Dosierungen mit einer verbesserten therapeutischen Wirkung einhergehen, was medizinisch aber einer Gratwanderung entspricht. So vergrößern höhere Dosierungen auch die nicht unerheblichen Nebenwirkungen des Interferons. Diese artikulieren sich häufig in einem „grippeähnlichen Zustand“ der allgemeinen Niedergeschlagenheit und Schwäche. Mit einer gentechnisch erzeugten Variante des β-Interferons, das im Vergleich zum herkömmlichen Interferon bei gleicher Toxizität eine stark erhöhte pharmakologische Stabilität und Bioverfügbarkeit besitzt, konnte vor etwa fünf Jahren der erste Etappensieg errungen werden.

Interferon findet besseren „Ankerplatz“

Im Gegensatz zu Letzterem basiert die Wirkung von emz702 auf einer gezielten Stimulierung des „Methylierungsschritts“ innerhalb der für die Interferonwirkung wichtigen Signaltransduktion. Vereinfacht ausgedrückt wird hierdurch die „Verankerung“ des Interferons mit Interferon-Rezeptoren auf der Zellmembran erleichtert. Auf diese Weise wird die Wirkung des Interferons erhöht, ohne zusätzliche Beeinträchtigungen durch Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen.

Zurzeit blicken die Forscher in Ontario gespannt auf die klinischen Studien. Sollten sich die Erwartungen bestätigen, dann hätte Transition Therapeutics in der Interferon-Therapie einen Generationswechsel eingeläutet. Auch hierfür hat sich das innovative Unternehmen bereits gut gerüstet. Andere therapeutische Einsatzgebiete wie Hepatitis C und Tumorerkrankungen stehen bereits im Fokus der Forschungs-Pipeline. Der weltweite Markt für Interferon-Produkte beläuft sich gegenwärtig auf 5.4 Mrd. US$. Davon entfallen auf die Therapie von MS 2.8 Mrd. $ und 2.2 Mrd. $ auf die Behandlung von Hepatitis C.

Rolf Froböse | Rolf Froböse
Weitere Informationen:
http://www.transitiontherapeutics.com

Weitere Berichte zu: Hepatitis C Interferon Protein Signaltransduktion

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