Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Starke Pulse statt niedriger Dauerbestrahlung

19.07.2005


Heidelberger Strahlenexperte für die Weiterentwicklung der "Brachytherapie" ausgezeichnet / Hohe Effektivität bei Brustkrebs nachgewiesen



Für seine wegweisende Weiterentwicklung eines strahlentherapeutischen Verfahrens zur Tumorbehandlung hat Privatdozent Dr. Wolfgang Harms, Oberarzt der Abteilung Radioonkologie und Strahlentherapie des Universitätsklinikums Heidelberg, den mit 5.000 Euro dotierten Hanns-Langendorff-Preis erhalten. Der Preis ist nach dem renommierten früheren Freiburger Radiologen Langendorff benannt. Die Auszeichnung wurde im Juni 2005 bei der Deutsch-Österreichischen Tagung der Gesellschaften für Medizinischen Strahlenschutz in Salzburg verliehen.



Der Heidelberger Wissenschaftler konnte zeigen: Gepulste Kurzzeitbestrahlungen mit höheren Dosen sind ebenso effektiv und sicher wie kontinuierliche, niedrig dosierte Bestrahlungen aus naher Distanz. "Wir haben im Tierexperiment und in klinischen Langzeitstudien erstmalig nachgewiesen, dass die beiden Bestrahlungsformen ebenbürtig sind und späte Nebenwirkungen nicht häufiger auftreten", erklärt Dr. Harms.

Brachytherapie hat die Therapie gynäkologischer Tumoren revolutioniert

Bei der Brachytherapie handelt es sich um eine Kurzdistanz-Bestrahlung: Radioaktive Mini-Strahler (ca. 1 mm Länge) werden mit Hilfe von Hohlnadeln direkt in Tumoren implantiert oder sehr nahe an sie herangebracht. Da die Strahlendosis mit wachsendem Abstand zur Strahlenquelle stark abnimmt, wird das gesunde Gewebe geschont und der Tumor intensiv bestrahlt. Die Brachytherapie wird vor allem bei lokal begrenzten Tumoren erfolgreich angewendet, z. B. bei Prostata-, Brust-, Mundhöhlen-, Speiseröhren- und Lungenkrebs.

Bestrahlungen mit geringen Dosen über mehrere Tage (Continuous Low Dose Rate - CLDR Brachytherapie) haben die Therapie fortgeschrittener gynäkologischer Tumoren revolutioniert und lange Zeit dominiert. Aufgrund jahrzehntelanger Erfahrung und geringem Risiko von Nebenwirkungen bei effektiver Dosis gelten sie noch heute als Goldstandard.

PDR Brachytherapie ist effektiv und für Patient und Pflegepersonal angenehm

Anfang der neunziger Jahre wurde die so genannte Pulsed Dose Rate (PDR) Brachytherapie entwickelt, deren Ebenbürtigkeit jetzt von den Heidelberger Forschern erwiesen worden ist. Wie die CLDR Brachytherapie hat sie eine große therapeutische Breite - eine günstige Relation von Wirkung zu Nebenwirkung. Darüber hinaus bietet sie erhebliche Vorteile für Patient und Pflegepersonal wie verbesserten Strahlenschutz und längere Bestrahlungspausen, in denen der Patient vom Pflegepersonal besser versorgt werden und sich frei bewegen kann. Zudem ermöglicht das neue Verfahren eine wesentlich genauere Bestrahlung von Tumoren, da deren Planung auf der Basis von Computertomogrammen erfolgen kann.

Kein erneuter Tumor bei 96 Prozent der Brustkrebspatientinnen

Wie effektiv die PDR-Brachytherapie ist, konnten die Heidelberger Wissenschaftler jetzt in einer klinischen Studie, an der 113 Hochrisiko-Patientinnen mit Brustkrebs nach brusterhaltender Operation teilnahmen, zeigen: Der Tumor war nach 61 Monaten bei nur etwa 4 Prozent der Frauen lokal wieder aufgetreten. Hautentzündungen und Gefäßerweiterungen durch die Bestrahlung waren selten; 90 Prozent der Patientinnen beurteilten das kosmetische Ergebnis als gut oder sehr gut.

Auch eine zweite Studie hat die hohe Effektivität bei gleichzeitig niedriger Nebenwirkungsrate bestätigt: 58 Patientinnen mit erneut aufgetretenem Brustkrebs an der Brustwand nach bereits durchgeführter Operation, Chemo-/Hormontherapie und Bestrahlung konnten mit Hilfe der PDR Brachytherapie erneut bestrahlt werden. Die Ergebnisse waren sehr ermutigend, da bei ca. 70 Prozent der Patientinnen erneut eine komplette Tumorrückbildung erzielt wurde.

Rückfragen an:
Privatdozent Dr. med. Wolfgang Harms
Universität Heidelberg
Klinik für Radioonkologie
Im Neuenheimer Feld 400
69120 Heidelberg
Tel: 06221 - 56 82 01
E-Mail: wolfgang.harms@med.uni-heidelberg.de

Literatur:
1. Harms W, Krempien R, Hensley FW, Berns C, Wannenmacher M, Fritz P.
Results of chest wall reirradiation using pulsed-dose-rate (PDR) brachytherapy molds for breast cancer local recurrences. Int J Radiat Oncol Biol Phys 2001;49:205-10.
2. Harms W, Krempien R, Hensley FW, Berns C, Fritz P, Wannenmacher M.
5-year results of pulsed dose rate brachytherapy applied as a boost after breast-conserving therapy in patients at high risk for local recurrence from breast cancer.
Strahlenther Onkol 2002;178:607-14.
(Die Originalartikel könnnen bei der Pressestelle des Universitätsklinikums Heidelberg unter contact@med.uni-heidelberg.de angefordert werden)

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de/presse

Weitere Berichte zu: Bestrahlung Brachytherapie Brustkrebs PDR

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise