Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Größere krankheitsfreie Phasen im Alter angestrebt

18.07.2005


Weltweit führende Altersforscher kommen zu einer Tagung nach Halle

... mehr zu:
»Altersforscher

Zwei der weltweit führenden Altersforscher, George M. Martin (Seattle) und Ed Lakatta (Baltimore), nehmen vom 23. bis zum 25. September 2005 an einer wissenschaftlichen Tagung in Halle (Saale) teil. Die Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Klinik für Innere Medizin III und dem Sonderforschungsbereich "Herzversagen im Alter" (der einzige dieser Art in Deutschland) der Medizinischen Fakultät, die Tagung "Cardiovascular ageing: from molecular biology to clinical perspectives". Erwartet werden mehr als 100 Wissenschaftler, unter anderem aus den USA, Großbritannien, Österreich und Deutschland. "Das Programm ist hochkarätig und wohl in Deutschland derzeit unerreicht", sagt Professor Dr. Klaus Hager, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Alternsforschung.

"Wir wissen über das Altern zu wenig", beschreibt Dr. Andreas Simm, Organisator der Tagung und Sekretär des Sonderforschungsbereiches, ein Anliegen der Veranstaltung. Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung der Gerontologie (Alternsforschung) sollen mit den Erfordernissen aus der klinischen Praxis verbunden werden. Dabei berichten zwei "ganz große Altersforscher" - George Martin und Ed Lakatta - über ihre Arbeit. Martin beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit neurologischen Erkrankungen im Alter - zum Beispiel Parkinson und Alzheimer. Er arbeitete bis zu seiner Emeritierung als Pathologie-Professor an der University of Washington (Seattle). Der nun 78-jährige Martin wird für seine Verdienste im September in Halle mit dem Karl-Ludwig-Schober-Preis ausgezeichnet.


Für diese Tagung wurden mehrere Schwerpunkte gesetzt: von den molekularbiologischen Konzepten und Grundlagen des Alterns über die Gewebeprotektion im Alter, der Alterung von unterschiedlichen Organen bis hin zur klinischen Bedeutung des Faktors Alter und potentielle präventive Interventionsmöglichkeiten gegen degenerative Alterserkrankungen.

Derzeit werden verschiedene Interventionsmöglichkeiten gegen das Altern erforscht. Dabei gehe es allerdings nicht um die Verlängerung der maximalen Lebensdauer der Menschen, sondern um größere, krankheitsfreie Phasen im Alter, berichtet Dr. Simm, der auch Forschungsleiter der Universitätsklinik und Poliklinik für Herz- und Thoraxchirurgie ist, über Entwicklungen in der Altersforschung. Das maximal mögliche Alter bei Menschen liegt bei etwa 120 Jahren. Grund für die limitierte menschliche Lebenserwartung scheint die begrenzte Lebenszeit von Zellen zu sein. Allerdings nahm die durchschnittliche Lebenserwartung in den Industriestaaten allein im 20. Jahrhundert um etwa 30 Jahre zu - damit aber auch die demografischen und gesellschaftlichen Herausforderungen zum Beispiel durch altersbedingte degenerative Erkrankungen.

Um möglichst lange ohne große Erkrankungen älter werden zu können, sollte die Zufuhr von Kalorien stark reduziert werden (in Tierversuchen bis auf die Hälfte), so lautet ein Forschungsansatz. Allerdings nehme bei Menschen, die dies versuchen, die Lebensqualität stark ab, erklärt der Wissenschaftler. Ein weiterer wirkungsvoller Interventionsansatz wurde über die Auswirkungen körperlicher Betätigung auf das Altern gefunden. Wissenschaftler erforschen zudem, ob Gewebe, wie der Herzmuskel, durch Stammzellen regeneriert werden können.

Eine vierte Möglichkeit besteht darin, durch Proteinmodifikationen versteiftes Gewebe mittels so genannter Crosslink-Breaker wieder elastisch zu machen. Bisher wurden die Versuchsreihen nur an Tieren durchgeführt. Das Altern an sich könne aber nicht aufgehalten oder verhindert werden und sei biologisch auch nicht erstrebenswert, erklärt der Forscher aus Halle. Noch vollkommen unklar seien die Auswirkungen der modernen Lebensweisen in der Wohlstandsgesellschaft. Einige Experten spekulieren, dass in den kommenden Jahrzehnten in den Industriestaaten die durchschnittliche Lebenserwartung auch wieder abnehmen könne. So fördert das immer stärker verbreitete Übergewicht Erkrankungen wie Altersdiabetes (Typ-II Diabetes), der mittlerweile schon bei übergewichtigen Kindern zu beobachten ist.

Zu dieser Problematik arbeiten im Sonderforschungsbereich SFB 598 "Herzversagen im Alter" Universitätskliniken und theoretische Institute zusammen. Durch die Verschiebung der Altersstruktur in den Industrieländern - besonders in den neuen Bundesländern - hat das Erforschen des Alterns und der damit verbundenen Erkrankungen stark an Bedeutung gewonnen. Etwa die Hälfte der Bevölkerung in den westlichen Ländern stirbt im Alter an Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gerade diesen widmet sich der Hallesche Sonderforschungsbereich "Herzversagen im Alter". Ein weiterer vergleichbarer Sonderforschungsbereich existiert in Deutschland derzeit nicht.

Kontakt:
Klinikum der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Verwaltungsdirektion, Referat Öffentlichkeitsarbeit
06097 Halle (Saale),
Tel.: 0345 55-75748 oder 55-71032
Fax: 0345 557-5749
E-Mail: theresia.wermelskirchen@medizin.uni-halle.de
E-Mail: jens.mueller@medizin.uni-halle.de

Ingrid Godenrath | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

Weitere Berichte zu: Altersforscher

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Gefäßregeneration: Wie sich Wunden schließen
12.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Mit 3D-Zellkulturen gegen Krebsresistenzen
11.12.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Quantenmechanik zu neuen Solarzellen: Forschungspreis für Bayreuther Physikerin

12.12.2017 | Förderungen Preise

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik