Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Wege aus der Blutarmut von Neugeborenen

21.06.2005


Etwa fünf bis sechs Prozent aller Neugeborenen kommen vor Beendigung der 37. Schwangerschaftswoche zur Welt. Je unreifer sie bei der Geburt sind, desto wahrscheinlicher kann es zu Komplikationen kommen. Deren Vermeidung war ein Schwerpunkt auf der 31. Jahrestagung der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin vom 16. bis 18. Juni 2005 in Magdeburg.



Ein häufiges Problem von Frühgeborenen ist beispielsweise die Blutarmut (Frühgeborenenanämie). Deren Ursachen sind vielfältig. Sie reichen von Blutverlusten durch die Haut und als Folge diagnostischer Untersuchungen bis zu einem Mangel an Eisen und dem Wachstumsfaktor Erythropotetin, kurz EPO genannt. EPO ist für die Bildung der roten Blutkörperchen wichtig, deren roter Blutfarbstoff, das Hämoglobin, den Sauerstoff transportiert.



Eine Möglichkeit, einen Blutmangel bei unreif geborenen Neugeborenen zu vermeiden, sind Bluttransfusionen. Für die meisten extrem leichtgewichtigen Frühchen sind sie überlebenswichtig. Eine Möglichkeit, die Transfusionen vom Fremdblut zu reduzieren, ist die Verabreichung von gentechnisch hergestellten Erythropotetin. Es stimuliert die Bildung von roten Blutkörperchen und hat darüber hinaus möglicherweise sogar neuroprotektive Eigenschaften. Letzteres ist bei Neugeborenen allerdings noch nicht nachgewiesen, so der Neonatologe Professor Rolf Maier vom Zentrum für Kinder und Jugendmedizin der Philipps Universität Marburg. Auch kann EPO keine größeren Blutverluste ausgleichen.

Wegen der zunehmenden Knappheit vom Fremdblut wurde als eine mögliche Alternative zur Fremdblutspende für unreife Neugeborene die Therapie mit Plazentablut diskutiert. Dabei handelt es sich hauptsächlich um das Blut des Feten, das über die Nabelschnur transportiert wird. Unmittelbar nach der Geburt wird die Nabelschnur abgeklemmt und durchtrennt. Ein Teil des kindlichen Blutes geht dadurch verloren. Je nach Körpergewicht des Neugeborenen sind das etwa 20 Milliliter, die dem Frühstarter in das Leben fehlen. Die Plazentablut-Übertragung könnte eine mögliche Alternative zur Fremdblutspende von Erwachsenen sein, meint denn auch Privatdozent Dr. Thomas Brune von der Universitätskinderklinik Magdeburg. In Deutschland wurden die ersten Kinder mit Plazentablut an der Universität Münster bereits behandelt. Die medizinisch-rechtlichen Probleme, die mit einer Plazenta-Eigenblutspende für Neugeborene zusammenhängen, hat Dr. Brune gerade in einer Arbeit untersucht.

Ein anderer Ansatz, die Blutmenge des Frühgeborenen zu erhöhen, ist eine verzögerte Abnabelung des Frühgeborenen. Neue Studienergebnisse zu diesem Thema präsentierte Dr. Heike Rabe vom Royal Susses Hospital in Brighton (Großbritannien). Für eine Spätabnabelung nach etwa 30 bis 45 Sekunden spreche ihrer Meinung nach eine Stabilisierung des Herzkreislauf-Systems und überraschenderweise auch der Blutzuckerwerte.

Anlässlich der 31. Jahrestagung der Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin trafen sich rund 1500 Mediziner und Pflegekräfte aus den deutschsprachigen Ländern in Magdeburg. Außerdem nahmen Fachvertreter aus den baltischen Staaten, Polen und Russland teil. Wissenschaftliche Schwerpunkte waren die fetomaternale Immunität, die Rolle des fetalen und neonatalen Blutes sowie Besonderheiten des unreifen Gehirns sowie der Lunge.

Autor: Uwe Seidenfaden

Tagungsprogramm im Internet unter www.gnpi2005.de

Ansprechpartner für Redaktionen
Tagungspräsident Prof. Dr. med. Gerhard Jorch,
Direktor der Klinik für Allgemeine Pädiatrie und Neonatologie
der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg,
Tel. 0391/67 17000, e-mail: gerhard.jorch@medizin.uni-magdeburg.de

Kornelia Suske | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-magdeburg.de/

Weitere Berichte zu: Blutarmut EPO Frühgeborenes Neonatologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Starkes Übergewicht: Magenbypass und Schlauchmagen vergleichbar
17.01.2018 | Universität Basel

nachricht Therapieansatz: Kombination von Neuroroboter und Hirnstimulation aktiviert ungenutzte Nervenbahnen
16.01.2018 | Universitätsklinikum Tübingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Im Focus: Scientists decipher key principle behind reaction of metalloenzymes

So-called pre-distorted states accelerate photochemical reactions too

What enables electrons to be transferred swiftly, for example during photosynthesis? An interdisciplinary team of researchers has worked out the details of how...

Im Focus: Erstmalige präzise Messung der effektiven Ladung eines einzelnen Moleküls

Zum ersten Mal ist es Forschenden gelungen, die effektive elektrische Ladung eines einzelnen Moleküls in Lösung präzise zu messen. Dieser fundamentale Fortschritt einer vom SNF unterstützten Professorin könnte den Weg für die Entwicklung neuartiger medizinischer Diagnosegeräte ebnen.

Die elektrische Ladung ist eine der Kerneigenschaften, mit denen Moleküle miteinander in Wechselwirkung treten. Das Leben selber wäre ohne diese Eigenschaft...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungen

6. Technologie- und Anwendungsdialog am 18. Januar 2018 an der TH Wildau: „Intelligente Logistik“

18.01.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - März 2018

17.01.2018 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

18.01.2018 | Informationstechnologie

Optimierter Einsatz magnetischer Bauteile - Seminar „Magnettechnik Magnetwerkstoffe“

18.01.2018 | Seminare Workshops

LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

18.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten