Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Genetisches Risiko: Krebs durch zuviel Alkohol

08.06.2005


Entwicklung von bösartigen Tumoren wird durch Gene gefördert /Veröffentlichung unter Federführung von Heidelberger Wissenschaftlern



Alkoholiker haben ein erhöhtes Risiko, an Krebs zu erkranken. Mit starkem Alkoholkonsum werden bösartige Tumoren, vor allem der Leber, Speiseröhre, Gaumen und Kehlkopf, seltener im Dickdarm sowie der Brust bei Frauen, in Zusammenhang gebracht. Mehr als 6.000 Menschen in Deutschland erkranken jährlich an Krebsarten des oberen Verdauungstraktes. Schon ein Liter Bier oder einige Gläser Wein täglich können das Risiko vervielfachen. Allerdings sind nicht alle der starken Konsumenten betroffen.

... mehr zu:
»Dickdarm »Gen »Speiseröhre


Denn ob sich Krebs entwickelt oder nicht wird entscheidend von genetischen Anlagen bestimmt. Eine Gruppe von Wissenschaftlern unter Federführung von Professor Dr. Helmut Seitz, Ärztlicher Direktor des Heidelberger Krankenhauses Salem, hat jetzt erstmals die Existenz eines genetischen Risikomarkers bestätigt, der die Entstehung von mit hohem Alkoholkonsum verbundenen Tumoren beeinflusst. Dabei handelt es sich um ein Gen, das für die Produktion von Azetaldehyd, einem krebserzeugenden Stoffwechselprodukt von Alkohol, verantwortlich ist, das so genannte Alkoholdehydrogenase 1C-Gen. Diese Forschungsergebnisse wurden bereits letztes Jahr in der Zeitschrift "GUT" veröffentlicht. Neuere Daten sind beim Alkoholweltkongress in Mannheim vorgetragen worden und jetzt in der Zeitschrift ’International Journal of Cancer’ eingereicht.

Erhöhte Konzentration von krebsauslösendem Azetaldehyd

"Alkohol selbst löst keinen Krebs aus", erklärt Professor Seitz. "Vielmehr ist es sein Stoffwechselprodukt Azetaldehyd, welches meist gemeinsam mit anderen krebsauslösenden Faktoren wie Rauchen die Krebsentstehung vorantreibt." Die Alkoholdehydrogenase (ADH) wandelt Alkohol in diesen toxischen und krebserregenden Stoff um, dessen Konzentration bei starkem Alkoholkonsum auch im Speichel ansteigt.

Deswegen sind homozygote Träger des Gens ADH-1C1 einem besonders hohen Krebsrisiko ausgesetzt. Dies konnten Professor Seitz und seine Kollegen von den Universitäten Erlangen, Lübeck und Regensburg in einer großen Studie mit mehr als 800 Patienten feststellen. Verglichen wurden zwei Gruppen von alkoholkranken Patienten: Eine Gruppe litt an einem bösartigen Tumor der Leber, der Speiseröhre, der Bauchspeicheldrüse oder des Dickdarms, die andere Gruppe hatte keine Krebserkrankung. Die erkrankten Patienten waren sehr viel häufiger homozygote Träger des Gens ADH-1C1. "Damit haben wir nachgewiesen, dass bei alkohol-bedingten Tumorerkrankungen die genetische Veranlagung eine wichtige Rolle spielt," sagt Professor Seitz.

Auf jeden Fall raten die Ärzte zu einem moderaten Alkoholkonsum, denn schon ab 20 (Frauen) bzw. 40 Gramm (Männer) Alkohol pro Tag - dies entspricht ca. 1/4 Liter Wein oder zwei Gläsern Bier - versechsfacht sich für einen gesunden Menschen das Risiko, eine schwere Lebererkrankung (Zirrhose) zu entwickeln.

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-heidelberg.de

Weitere Berichte zu: Dickdarm Gen Speiseröhre

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Lymphdrüsenkrebs programmiert Immunzellen zur Förderung des eigenen Wachstums um
22.02.2018 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Forscher entdecken neuen Signalweg zur Herzmuskelverdickung
22.02.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics