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Neigung zum Haarausfall über die Mutter weitervererbt

19.05.2005


Die männlichen Geschlechtshormone scheinen tatsächlich eine entscheidende Rolle beim Haarausfall von Männern zu spielen. Das haben Wissenschaftler der Universitäten Bonn und Düsseldorf festgestellt. Demnach können bestimmte Veränderungen in der genetischen Bauanleitung des Androgen-Rezeptors eine frühe Glatzenbildung zur Folge haben. Androgene sind Hormone, die für die Entwicklung des männlichen Geschlechts eine wichtige Rolle spielen. Das betroffene Gen liegt auf dem X-Chromosom; Männer erben den Defekt daher von ihrer Mutter - ein Beleg für die verbreitete Annahme, dass Männer in Puncto Haarausfall eher nach ihrem Großvater mütterlicherseits als nach ihrem Vater schlagen. Die Ergebnisse erscheinen in der Juli-Ausgabe des "American Journal of Human Genetics", sind aber bereits online abrufbar (www.journals.uchicago.edu/AJHG).


Es beginnt mit Geheimratsecken, die Stirn wird höher, das Haar am Hinterkopf immer dünner. Jeder zweite Mann leidet unter mehr oder weniger starkem Haarausfall. Erfolgversprechende Therapien gibt es kaum - trotz eines unübersehbaren Angebots an obskuren Wässerchen und Tinkturen.

Schon lange vermutet man, dass die Erbanlagen bei der Entstehung des Haarausfalls eine Rolle spielen. Bisher war aber unklar, welche Gene beteiligt sind. Die Forscher um Professor Dr. Markus Nöthen vom Life & Brain Zentrum des Universitätsklinikums Bonn sowie Privatdozent Dr. Roland Kruse von der Hautklinik des Universitätsklinikums Düsseldorf scheinen nun erstmals eine der verantwortlichen Erbanlagen identifiziert zu haben.


Über mehrere Jahre hatten die Forscher bundesweit nach Familien gefahndet, bei denen mehrere Männer vom Haarausfall betroffen. In Blutproben der Freiwilligen suchten sie dann nach Kandidatengenen - und wurden schließlich fündig: In einem ersten Schritt gelang es dem Team, die Suche auf eine Reihe von Regionen auf verschiedenen Chromosomen einzugrenzen. In einer Region, die den stärksten Beitrag vermuten ließ, lag die Erbanlage für den Androgen-Rezeptor. "Eine Variante dieses Gens fand sich unter Männern, die schon früh unter Glatzenbildung litten, sehr viel häufiger als bei Männern, die im Alter von über 60 Jahren noch volles Haar hatten", sagt Professor Nöthen.

Mehr Androgen-Rezeptoren in der Kopfhaut

Wahrscheinlich führt die Genvariante zu mehr Androgen-Rezeptoren in der Kopfhaut. "Unsere Ergebnisse lassen zwei Erklärungen zu", erklärt Axel Hillmer aus Nöthens Arbeitsgruppe. "Entweder wird bei den Betroffenen mehr Androgenrezeptor gebildet, oder die Rezeptorvariante, die aufgrund der Genveränderung entsteht, ist stabiler und wird nicht so schnell abgebaut. Durch beide Mechanismen kann es zu einer stärkeren Wirkung der Androgene kommen, was dann wiederum zum Haarausfall führt."

Interessant sind die Befunde auch für die Vererbung der Glatzenbildung. Das Gen für den Androgen-Rezeptor liegt auf dem X-Chromosom. Männer erben das X-Chromosom immer von ihrer Mutter. In vielen Fällen schlagen Männer daher in Puncto Haarausfall eher nach ihrem Großvater mütterlicherseits als nach ihrem Vater. Zu der Erkrankung trägt aber nicht nur eine Erbanlage bei: "Wir haben Hinweise auf weitere Gene, die unabhängig vom elterlichen Geschlecht vererbt werden", betont Nöthen. Mitunter vererbt sich die Veranlagung daher auch direkt vom Vater auf den Sohn.

Betroffene Männer gesucht

Um noch mehr beteiligte Erbanlagen zu identifizieren, sucht das Forscherteam weiter nach Betroffenen. "An der Studie können Männer unter 40 Jahren mit weit fortgeschrittenem Haarausfall teilnehmen", sagt Privatdozent Dr. Kruse. "Sollten zusätzlich ein Bruder betroffen und die Eltern ebenfalls zur Entnahme einer Blutprobe bereit sein, umso besser. Natürlich wird den Teilnehmern der Studie eine Aufwandsentschädigung gezahlt."

Das Projekt wird durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft sowie die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung unterstützt. Nöthen ist Inhaber des Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Lehrstuhls für Genetische Medizin. Das Life & Brain Zentrum ist ein neues Forschungszentrum des Universitätsklinikums Bonn, das sich mit modernsten Technologien der anwendungsnahen Ursachenforschung von Krankheiten widmet.

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de/

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