Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Mini-Kunstherzsystem erfolgreich implantiert

17.02.2005


Einsatz eines neuen miniaturisierten Herzunterstützungssystems „CorAide“ im Herz- und Diabeteszentrum NRW. Vorteil: das Kunstherzsystem paßt seine Pumparbeit der körperlichen Belastung des Patienten an





Am Dienstag, den 8. Februar 2005, setzte das Team um Prof. Dr. Dr. Reiner Körfer (Ärztlicher Direktor des Herz- und Diabeteszentrum NRW), Oberarzt Dr. Latif Arusoglu, Oberarzt Dr. Aly El Banayosy und Oberarzt PD Dr. Gero Tenderich (Foto) das elektromagnetisch gelagerte Linksherzunterstützungssystem „CorAide“ ein. In einer vierstündigen Operationen wurde dem 64-jährigen Patienten Werner Exner die kleine Pumpe an die linke Herzkammer und an die Hauptschlagader angeschlossen, um die Pumpleistung seines eigenen, geschwächten Herzens zu unterstützen.



„Der Patient hat die Operation gut überstanden, und wir sind mit dem Verlauf seit dem Eingriff sehr zufrieden. Herr Exner hat, verglichen mit seinem gesundheitlichen Zustand vor der Operation, eine deutliche Verbesserung erfahren. Es fällt ihm leichter, Luft zu holen und sein Gesamtzustand verbessert sich jeden Tag,“ äußerte sich Professor Körfer zufrieden über den Gesundheitszustand des Patienten, der heute erste Schritte in seinem Zimmer machte.

Die Zahl der Wartenden auf eine Herztransplantation ist groß - Spenderherzen sind knapp

CorAide kann Patienten helfen, die unter terminaler Herzinsuffizienz (nicht heilbarer Herzmuskelschwäche) leiden und auf eine Herztransplantation warten. Doch konnten im letzten Jahr nur 385 Herzen bundesweit verpflanzt werden (davon 81 Herztransplantationen im Herz- und Diabeteszentrum NRW), während der Bedarf an Spenderorganen doppelt so hoch ist. Alternativen rücken daher in den Blickpunkt: Miniaturisierte, leistungsstarke Pumpen, die zur Überbrückung bis zur Transplantation und zukünftig auch als Dauerlösung implantiert werden können. Mit diesem System können die Patienten nach Hause entlassen werden und Dinge des alltäglichen Lebens wieder alleine bewältigen.

Neuer Meilenstein in der Entwicklung der Herzunterstützungssysteme

Das Linksherzunterstützungssystem gehört zu der neuen Generation von magnetisch gelagerten Pumpen. Diese Systeme sind nahezu verschleißfrei und verbrauchen wenig Energie. Die Implantation ist vergleichsweise einfacher und weniger invasiv. Im Gegensatz zu den üblichen Kunstherzunterstützungssystemen hat das CorAide die Eigenschaft, sich an den Blutbedarf des Patienten anzupassen, d.h. die Funktionsweise entspricht der eines normalen Herzens. Bei steigender Aktivität, beispielsweise beim Gehen oder körperlicher Betätigung des Patienten, erhöht sich die Umdrehungszahl des Rotors. Das System wirft dann mehr Blut in den Körperkreislauf aus. Im Ruhezustand nimmt der Blutfluß entsprechend ab. Ein solches System bedeutet für den Patienten eine Verbesserung der Lebensqualität.

Das System CorAide der amerikanischen Firma Arrow International Inc. besteht aus einer kleinen implantierbaren Pumpe (Material: Titan), die durch Rotation den natürlichen Blutstrom unterstützt. Im Inneren der Pumpe beschleunigt der magnetisch gelagerte Rotor mit ca. 2300 - 3000 Umdrehungen pro Minute das Blut. Eine externe Steuereinheit kontrolliert die Systemleistung und regelt die Energieversorgung von wiederaufladbaren Batterien oder einem Batterieladegerät.

Bessere Überlebenschancen durch den Einsatz von Kunstherzsystemen

Studien des Herz- und Diabeteszentrums NRW zeigen, dass die Überbrückung zur Herztransplantation mittels Kunstherzsystemen die Ausgangssituation und Überlebenschance des Patienten vor und nach der Transplantation erhöhen, da die Durchblutung der Organe deutlich verbessert wird.

Bereits 1999 wurde von Prof. Dr. Reiner Körfer, Oberarzt Dr. Latif Arusoglu und Oberarzt Dr. Aly El-Banayosy weltweit das erste komplett implantierbare Kreislaufunterstützungssystem, das sogenannte LionHeart, der Firma Arrow International Inc. eingesetzt. 2004 folgte eine weitere Premiere mit der Implantation des zentrifugalen Linksherzunterstützungssystems DuraHeart der Firma Terumo. Seit 1987 werden im Herz- und Diabeteszentrum NRW Patienten mit Herzinsuffizienz im Endstadium mit den unterschiedlichsten VAD-Systemen (Ventrikular Assist Device) und Kunstherzen therapiert. Insgesamt rund 800 Systeme haben die Spezialisten bereits verpflanzt und verfügen damit weltweit über die größte Kompetenz und Routine.

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.hdz-nrw.de
http://www.arrowintl.com

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Neptun regnet es Diamanten: Forscherteam enthüllt Innenleben kosmischer Eisgiganten

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein Holodeck für Fliegen, Fische und Mäuse

21.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Institut für Lufttransportsysteme der TUHH nimmt neuen Cockpitsimulator in Betrieb

21.08.2017 | Verkehr Logistik