Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues arthroskopisches Verfahren zur Behandlung von Fersenbeinbrüchen

02.07.2001


Fersenbeinbrüche kommen durch massive Gewalteinwirkung zustande, etwa durch einen Sprung aus großen Höhen, durch Verkehrs- oder auch durch Sportunfälle. Dabei bricht das über dem Fersenbein (Calcaneus) liegende Sprungbein (Talus) in das Fersenbein ein. Neben der knöchernen Verletzung mit Zerstörung der Rückfußform, werden auch fast immer die Gelenkflächen zu den angrenzenden Fußknochen deformiert. Die Heilung gestaltet sich außerordentlich langwierig und bleibt oft funktionell unbefriedigend.
Je nach Ausmaß der Verletzung kann entweder konservativ, d.h. mit Gipsverband behandelt werden oder aber die Bruchstücke des Knochens werden offen, das heißt nach einem großen Hautschnitt, mit Hilfe von Schrauben oder Platten wieder so gut wie möglich in die anatomisch korrekte Position gebracht. Bei dieser konventionellen Operationstechnik können aber zahlreiche Komplikationen auftreten. Dazu gehören etwa Wundheilungsstörungen, Infektionen, Nerven- und Sehnenschädigungen oder der Untergang von Knochenmasse (Knochennekrose).
Jetzt hat der Spezialist für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie, Dr. Dan-Henrik Boack mit seiner Arbeitsgruppe an der "Klinik für Unfall und Wiederherstellungschirurgie" der Charité ein neues minimal-invasives Operationsverfahren für bestimmte Calcaneus-Brüche entwickelt. Er richtet dabei die Knochenbruchstücke von außen durch die Haut unter Sichtkontrolle eines Arthroskops ein und verschraubt sie über kleine, nur einen Zentimeter große Schnitte. Behandelt wurden (einstweilen) nur Calcaneus-Brüche, bei denen jeweils nicht mehr als drei Trümmer entstanden waren und nur ein einziges Gelenk, nämlich das zwischen Sprung- und Fersenbein, mitbetroffen war.
Nach großer Erfahrung bei der Versorgung von über 150 Calcaneusfrakturen mit der konventionellen Methode hat Boack inzwischen 13 Patienten nach dem neuen Verfahren operiert. Alle Patienten wurden nachkontrolliert und bisher konnte bei den ersten sieben Patienten auch in einem Abstand von im Mittel 14 Monaten nach der Operation das funktionelle und röntgenologische Ergebnis erneut begutachtet werden.
Das Verfahren erwies sich als ebenso effektiv wie das konventionelle, offene Vorgehen, jedoch ohne dessen Komplikationen. Dabei gelang die Reposition der zersplitterten Teile unter Verwendung von drei bis fünf Schrauben anatomisch genau. Außerdem konnte die Gelenkoberfläche, von deren Beschaffenheit die Funktion im Fußgelenk entscheidend abhängt, exakt wiederhergestellt werden. Als Kontrollen vor und nach der Operation dienten computertomographische Aufnahmen. Mit Bewegungsübungen konnten alle Patienten unmittelbar nach der Operation beginnen. Auch konnte der betroffene Fuß direkt nach dem Eingriff während der folgenden sechs Wochen teilweise und danach voll belastet werden, nachdem zu diesem Zeitpunkt die Knochentrümmer wieder miteinander verwachsen waren. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Orthopaedics Today International" (März/April, 2001) veröffentlicht.
Die Entwicklung des neuen Operationsverfahrens ist bisher mit zwei Preisen ("Technological Advancement Award 2000" und "Erster Preis der Deutschsprachigen Gesellschaft für Arthroskopie" (Basel 2000) ausgezeichnet worden.
____________________________________________________________

Charité
Medizinische Fakultät der
Humboldt Universität zu Berlin

Dekanat
Pressereferat-Forschung
Dr. med. Silvia Schattenfroh
Augustenburger Platz 1
13353 Berlin

FON: (030) 450-570 400
FAX: (030) 450-570 940

E-Mail: silvia.schattenfroh@charite.de

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw

Weitere Berichte zu: Calcaneus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie