Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Forschungsgruppe befasst sich mit Dickdarmkrebs

04.04.2001


... mehr zu:
»Dickdarmkrebs »Selenoprotein
Um den Dickdarmkrebs noch besser erforschen und behandeln zu können, haben sich an der Universität Würzburg Chirurgen, Internisten, Humangenetiker und Pathologen zu einer interdisziplinären Forschungsgruppe
zusammengetan. Ihr Sprecher ist Wolfgang Scheppach von der Medizinischen Klinik.

Dickdarmkrebs gehört zu den häufigsten bösartigen Geschwulsten in der westlichen Welt. Mit 30 Erkrankungen pro 100.000 Einwohner nimmt er in der Todesursachenstatistik bei den Krebskrankheiten den zweiten Platz ein.

Beim Dickdarmkrebs häufen sich genetische Veränderungen an, und dadurch wandeln sich gesunde in bösartige Zellen um. Dieser 10 bis 20 Jahre dauernde Prozess ist relativ gut molekulargenetisch charakterisiert: Durch die Inaktivierung von tumorunterdrückenden und die Aktivierung von krebsfördernden Genen werden die normalen Lebensvorgänge in den Zellen negativ beeinflusst.

An der Medizinischen Fakultät der Universität Würzburg beschäftigen sich seit langem verschiedene Arbeitsgruppen wissenschaftlich und klinisch mit der Entstehung und Therapie von Dickdarmkrebs. Diese Aktivitäten werden nun unter das Gesamtkonzept der neuen Forschungsgruppe gestellt, um optimale Abläufe und Synergie-Effekte zu gewährleisten. Dies geschieht im Rahmen des Interdisziplinären Zentrums für Klinische Forschung der Uni Würzburg.

Das Tumormaterial, das bei der Operation von Krebspatienten oder bei Endoskopien anfällt, stellt für die Wissenschaftler eine wichtige Erkenntnisquelle dar. Dieses Material wird im Pathologischen Institut als Gewebepräparat konserviert und für weitere Charakterisierungen vorbereitet: Es soll künftig, neben der üblichen pathologisch-anatomischen Begutachtung, auch umfassend molekular- und zellgenetisch charakterisiert werden. Damit könne man das Ansprechen der Patienten auf die Therapie besser vorhersagen, so Prof. Scheppach. Auch die Strategien der Nachsorge ließen sich weiter verbessern.

Für diese ersten Schritte ist neben der Pathologie die Chirurgische Klinik zuständig. Dort soll unter anderem durch das Anlegen von Zellkulturen die Voraussetzung für die weitere Untersuchung des Tumorgewebes geschaffen werden. Außerdem soll durch den Nachweis von Tumorzellen im Blut- und Knochenmark festgestellt werden, in welchem Stadium der Krankheit sich die Patienten befinden
Des weiteren wird an der Chirurgischen Klinik ein EDV-gestütztes Register etabliert, in dem die Daten der zell- und molekulargenetischen Untersuchungen gespeichert und mit den klinischen Daten des Tumorzentrums Würzburg in Beziehung gesetzt werden. Hierbei werden laut Prof. Scheppach alle Bestimmungen des Datenschutzes eingehalten; auch ein Votum der Ethikkommission der Medizinischen Fakultät habe man eingeholt.

Am Institut für Humangenetik wird eine so genannte spektrale Karyotypisierung des Gewebes vorgenommen. Diese Technik stellt einen innovativen Ansatz dar, denn sie ermöglicht es, alle Chromosomen gleichzeitig in unterschiedlichen Farben darzustellen. Diese Methode ermöglicht es mit hoher Wahrscheinlichkeit, neue, bei Dickdarmkrebs bisher nicht beschriebene Chromosomenveränderungen festzustellen. Mit ihr können auch verloren gegangene Chromosomenteile typisiert und weitere Erkenntnisse gewonnen werden.

Eine Arbeitsgruppe an der Medizinischen Poliklinik beschäftigt sich mit der Bedeutung, die aggressive Spielarten des Sauerstoffs bei der Tumorentstehung und dem Tumorwachstum haben. Im Mittelpunkt stehen Schutzmechanismen zur Erhaltung der DNA-Stabilität. Hierbei nehmen das essenzielle Spurenelement Selen und selenhaltige Proteine (Selenoproteine) eine zentrale Rolle ein.
Insbesondere das Selenoprotein P und bestimmte Enzyme (Glutathionperoxidasen) spielen eine wichtige Rolle beim Schutz der Zellen gegen Sauerstoff. Die Arbeitsgruppe hat bereits gezeigt, dass in bestimmten Dickdarmgeschwulsten (Adenomen) im Vergleich zu normalen Zellen desselben Patienten fast überhaupt kein Selenoprotein P mehr gebildet wird.

Nach der Etablierung an der Universität Würzburg will die Forschungsgruppe ihre Aktivität in die Region Unterfranken ausweiten, um mit höheren Fallzahlen arbeiten zu können. Andere Arbeitsgruppen, die sich für die molekularbiologischen Grundlagen von Dickdarmkrebs interessieren, sind zur Mitarbeit an diesem Projekt eingeladen.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Wolfgang Scheppach, T (0931) 201-3183, Fax (0931) 201-3534, E-Mail: 
w.scheppach@medizin.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Dickdarmkrebs Selenoprotein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften