Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kalifornien launcht Parkinson-Datenbank

08.11.2004


Wissenschaftler bezweifeln Gene als alleinige Ursache



In Kalifornien wird eine riesige Parkinson-Datenbank gelauncht. Sie soll dabei helfen, die Ursachen für die Krankheit ausfindig zu machen. Das Register wird das größte seinesgleichen auf der ganzen Welt sein. Ende September erhielt es die offizielle Bewilligung von Gouverneur Arnold Schwarzenegger. Dieser hatte ein Gesetz unterschrieben, das Ärzte verpflichtet, jeden neuen Parkinson-Fall in einer zentralen Datenbank zu registrieren. Das berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature.

... mehr zu:
»Gen »Pestizid


Laut Wissenschaftlern wird das neue Register entscheidend sein, festzulegen, welche Umweltfaktoren, wie Pestizide oder Ernährungsgewohnheiten, am Ausbruch der Krankheit beteiligt sind. Diese wurden als Priorität klassifiziert, seitdem sich bei Wissenschaftlern die Erkenntnis durchsetzt, dass Gene alleine das Risiko nicht erklären können. Parkinson tritt auf, wenn Dopamin-produzierende Zellen im Gehirn sterben oder beschädigt werden. Dadurch werden Symptome wie Tremor, schwerfällige oder langsame Bewegungen oder Probleme mit dem Gleichgewicht ausgelöst. Obwohl die Krankheit fast zwei Prozent der Menschen betrifft, ist es Forschern bislang nicht gelungen, ein genaues Bild der Personentypen zu entwerfen, die gefährdet sind.

Gene alleine können offenbar nur einen kleinen Bruchteil der Fälle erklären. Außerdem sind zahlreiche Studien zu dem Schluss gekommen, dass es eine Reihe von Umweltfaktoren gibt, von verschmutzenden Metallen und Lösungsmitteln bis zu Ernährungsgewohnheiten, aber es wurde keine eindeutige Ursache gefunden. Nun glauben die Forscher, dass Menschen mit bestimmten Genen in Kombination mit Umweltfaktoren die Krankheit entwickeln. Beispielsweise haben Pestizide einen größeren Einfluss auf die Gehirnzellen von Menschen, die genetisch anfällig für ihre Auswirkungen sind. Wenn Risikogruppen identifiziert werden können, ermöglicht das Individuen ihren Lebenswandel zu ändern, um die Krankheit abzuwehren.

Ausgerüstet mit der neuen Datenbank, können die Forscher Patienten identifizieren und nähere Informationen zu ihrer Krankengeschichte und eventuellen Umweltfaktoren erheben. Einige Wissenschaftler spezialisieren sich darauf, einen Zusammenhang der Krankheit mit Pestiziden oder anderen giftigen Chemikalien zu erforschen. In Kalifornien werden über die Verwendung dieser Chemikalien seit 25 Jahren Aufzeichnungen geführt.

Derzeit studieren die Wissenschaftler Gruppen von Parkinson-Patienten in einer bestimmten Region oder Klinik. Aber diese Gruppen sind meist klein und repräsentieren nicht den Anteil an der Gesamtbevölkerung. Die Bemühungen gehen aber eindeutig in Richtung größer angelegter Studien. So gibt es derartige Datenbanken schon in Nebraska und Dänemark. Für Kalifornien mit seinen 35 Mio. Einwohnern bedeutet die neue Datenbank, dass pro Jahr bis zu 5.000 Patienten registriert werden können. Die Einträge werden sich über verschiedene sozio-ökonomische sowie ethnische Gruppen erstrecken und können auch Land- und Stadtbevölkerung unterscheiden. "Das könnte der letzte Schritt sein, um die Umweltfaktoren, die für die Krankheit ausschlaggebend sind, zu finden", sagt William Langston, Direktor des Parkinson Instituts in Sunnyvale, Kalifornien.

Marietta Gross | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.nature.com

Weitere Berichte zu: Gen Pestizid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Studie für Patienten mit Prostatakrebs: Einteilung in genomische Gruppen soll Therapie präzisieren

21.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Forscher entwickeln zweidimensionalen Kristall mit hoher Leitfähigkeit

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index

21.08.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz