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Pollen - mehr als nur Allergenträger

22.10.2004


Pollen können direkt entzündungs- und allergiefördernd wirken. Dies entdeckten Forscher des Münchner Zentrums für Allergie und Umwelt (ZAUM).

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Die allergische Entzündungsreaktion gegen Pollen entsteht nach herkömmlicher Meinung durch die Begegnung zwischen Allergen und Antigen-präsentierender Zelle in der Haut oder Schleimhaut. Früher wurden Pollenkörner selbst als "Allergene" bezeichnet. Inzwischen weiß man, dass die Allergenfreisetzung aus den Pollen ein hochdifferenzierter aktiver Prozess ist, der ohne Zellzerstörung im feuchten Milieu unter bestimmten Bedingungen abläuft.

PALMs locken Entzündungszellen an


Bei der Untersuchung dieser Vorgänge stießen Forscher des Zentrums Allergie und Umwelt (ZAUM) an der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Klinikum rechts der Isar, Technische Universität München, auf völlig neue Beobachtungen: Pollen setzen nicht nur Allergene frei, sondern stellen gleichzeitig eine Quelle von hoch bioaktiven Lipid-Botenstoffen dar, die die Arbeitsgruppe um Prof. Heidrun Behrendt als "Pollen-Associated Lipid Mediators" (PALMs) bezeichnete. Diese PALMs können direkt menschliche Entzündungszellen, z. B. sogenannte eosinophile Granulozyten anlocken und aktivieren. Die Eosinophilen binden sich dann an die Pollenkörner, werden aktiviert und führen zu einer Veränderung der Pollenoberfläche, bis hin zur Zellzerstörung. Schon lang weiß man, dass eosinophile Granulozyten eine entscheidende Rolle in der allergischen Entzündungsreaktion spielen. Die neuen Befunde, wonach Pollen über die PALMs selbst in der Lage sind - auch bei nicht-allergischen Individuen - diese Entzündungszellen zu aktivieren, eröffnet völlig neue Einblicke in die ganz frühe Phase der Entstehung einer Allergie.
Luftverschmutzung erhöht Aktivität der PALMs

Darüber hinaus konnten die Forscher zeigen, dass eine Vorbelastung der Pollenkörner mit Luftschadstoffen - wie sie z. B. aus Autoabgasen entstehen können - die Sekretion dieser bioaktiven Mediatoren ganz erheblich steigert. Diese Befunde könnten mit dazu beitragen zu erklären, warum Kinder, die unter starker Verkehrsbelastung heranwachsen, höhere Raten von Sensibilisierungen oder allergischen Erkrankungen entwickeln, als Vergleichskinder derselben Altersgruppe.

Dr. Fabienne Hübener | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.tu-muenchen.de

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