Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Deutscher Schmerzkongress: Hospize und Palliativ-Angebote: Qualität lässt zu wünschen übrig

08.10.2004


Deutschland muss in Forschung und Lehre aufholen



"Das palliativmedizinische Angebot hat sich in Deutschland zwar sehr verbessert, ist aber noch weit davon entfernt, ausreichend zu sein", so Dr. Friedemann Nauck (Zentrum für Palliativmedizin, Malteser Krankenhaus, Universität Bonn) beim Deutschen Schmerzkongress 2004 in Leipzig. Die Qualität der Versorgung erfülle die Minimalkriterien oft nicht, außerdem gebe es im internationalen Vergleich noch erhebliche Defizite in der Aus-, Fort-, und Weiterbildung. Ziel der Palliativmedizin ist es, die verbleibende Lebenszeit Todkranker so lebenswert wie möglich zu gestalten: Schmerzen und andere quälende Symptome wie Luftnot und Übelkeit zu lindern gehört ebenso dazu wie die psychologische Betreuung des Patienten und seiner Angehörigen.

... mehr zu:
»Hospiz »Palliativmedizin


Minimalkriterien oft nicht erfüllt

Genau wie in den meisten anderen europäischen Ländern dauerte es in Deutschland bis zum Beginn der 1990er Jahre, bis sich aus Einzelinitiativen eine zunehmende Dynamik entwickelte und ambulante und stationäre palliativmedizinische und hospizliche Einrichtungen aufgebaut wurden. Heute gibt es in Deutschland 97 Palliativstationen und 114 Hospize, dazu über 780 ambulante palliativmedizinische Dienste - der Bedarf scheint gedeckt. Aber zum einen sind die palliativmedizinischen Einrichtungen in den einzelnen Bundesländern inhomogen verteilt: In Nordrhein-Westfalen gibt es 66 stationäre Palliativ- und Hospizeinrichtungen, in Thüringen nur zwei. Zum anderen erfüllt nur ein kleiner Anteil dieser Dienste die von der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) und Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz (BAG) geforderten Minimalkriterien.

Beispiel am europäischen Ausland nehmen

Einer der Gründe: In Deutschland bestehen noch erhebliche Defizite in der Aus-, Fort-, und Weiterbildung von Ärzten. Nur an zwei Universitäten (Aachen, Bonn) gibt es Lehrstühle für Palliativmedizin. In die neue Approbationsordnung für Ärzte wurde das Fachgebiet nicht als obligatorisches Pflicht-, Lehr-, und Prüfungsfach aufgenommen, wie dies z.B. in Großbritannien oder Norwegen der Fall ist. Großbritannien ist auch in anderer Hinsicht vorbildlich: Hier sind Konsiliardienste verbreitet, die eine palliativmedizinische Behandlung und Beratung auf Allgemeinstationen von Krankenhäusern anbieten, in Deutschland sind sie eine Rarität.

Palliativmedizinische Forschung intensivieren

Palliativmedizinische Forschung gibt es bisher in Deutschland nur in wenigen Zentren und ist im internationalen Vergleich unterrepräsentiert. "Die Intensivierung ethisch vertretbarer Forschung in internationalen Netzwerken im Bereich der Palliativmedizin ist eine große Herausforderung, um mit evidenz-basierten Kenntnissen die Behandlung unserer Patienten in Zukunft zu verbessern", fordert Dr. Nauck. Zu den positiven Entwicklungen zählt er jedoch den Beschluss der Bundesärztekammer aus dem Jahr 2003, Palliativmedizin als Zusatzbezeichnung einzuführen. Ein Curriculum für diese Weiterbildung liegt inzwischen allen Landesärztekammern vor.

Kontakt

Dr. Friedemann Nauck, Zentrum für Palliativmedizin, Malteser Krankenhaus, Universität Bonn, von Hompeschstr. 1, 53123 Bonn, Tel.: 0228/6481-0 (Zentrale), Fax: 0228/6481-851

Meike Drießen | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgss.org

Weitere Berichte zu: Hospiz Palliativmedizin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Proteomik hilft den Einfluss genetischer Variationen zu verstehen
27.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE