Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue nicht-invasive Methode zur Lungendiagnostik

23.06.2004


Die Magnetresonanztomographie als nicht-invasives Verfahren erweist sich zunehmend als attraktive Alternative zu diagnostischen Methoden, die mit Strahlenbelastung verbunden sind. Eine solche Entwicklung zeichnet sich jetzt auch bei der Darstellung der Lungendurchblutung ab, wie Dr. Christian Fink aus der Abteilung Radiologie im Deutschen Krebsforschungszentrum und Kollegen jüngst in der Zeitschrift Radiology* berichteten.



Für die Diagnose zahlreicher Lungenerkrankungen benötigt man eine möglichst genaue Darstellung der Lungendurchblutung. Standardmethode ist die so genannte Perfusionsszintigraphie, bei der die Ärzte eine radioaktive Substanz in die Blutbahn des Patienten spritzen und anschließend deren Verteilung in der Lunge über einen Scanner erfassen. Mindestens so präzise und absolut strahlungsfrei lässt sich die Lungendurchblutung jetzt auch mit Hilfe der Magnetresonanztomographie (MRT, auch: Kernspin-Untersuchung) erfassen.



In einer Vergleichsstudie an 7 gesunden Probanden und 20 Patienten mit vermutetem Lungenkrebs verglichen sie die Magnetresonanztomographie mit dem Standardverfahren Perfusionsszintigraphie. Dabei zeigte die MRT eine höhere zeitliche und räumliche Auflösung in der Darstellung der Lungendurchblutung und bietet zudem den Vorteil dreidimensionaler Bilddaten, was die Erkennbarkeit von Durchblutungsänderungen erhöht. Durch Tumoren verursachte Durchblutungsausfälle wurden mit hoher Treffsicherheit erkannt. Im direkten Vergleich zum Standardverfahren erwies sich die MRT als mindestens ebenbürtig.

Noch hat die MRT keinen Einzug in die klinische Routine zur Darstellung der Lungendurchblutung gehalten. Der Stellenwert der neuen Methode muss zunächst in größeren Studien evaluiert werden. Die Wissenschaftler sind jedoch optimistisch, dass die strahlungsfreie Methode zum Verfahren der Wahl werden könnte: "Die Auflösung der Bilder ist bei der MRT etwa doppelt so hoch wie bei der Perfusionsszintigraphie, so dass wir eine höhere Detailgenauigkeit als beim Standardverfahren erwarten", erklärt Fink. Neben der Beurteilung der Durchblutung liefert die MRT auch noch zusätzliche Informationen, z. B. zur Anatomie der Blutgefäße in der Lunge und zum zeitlichen Verlauf der Lungendurchblutung. Damit lässt sich bis in die kleinsten Verästelungen der Lunge hinein sowohl eine Aussage zum Gefäßverlauf als auch eine funktionelle Aussage zur Durchblutung machen.

Die Methode kann nicht nur in der Diagnostik und Operationsplanung von Patienten mit Lungentumoren eingesetzt werden. Auch bei anderen Lungenerkrankungen wie z. B. der Lungenembolie, dem Emphysem und der chronischen Bronchitis dürfte die nicht-invasive Diagnostik künftig Vorteile bieten. Derzeit ist die MRT allerdings noch wesentlich teurer als das Standardverfahren (ca. 300 Euro versus 75 Euro pro Untersuchung), weil das Vergütungssystem innovative Verfahren dieser Art noch nicht adäquat berücksichtigt.

*Christian Fink et.al.: Regional Lung Perfusion: Assessment with Partially Parallel Three-dimensional MR Imaging; Radiology 2004; 231: 175-184.

Das Deutsche Krebsforschungszentrum hat die Aufgabe, die Mechanismen der Krebsentstehung systematisch zu untersuchen und Krebsrisikofaktoren zu erfassen. Die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung sollen zu neuen Ansätzen in Vorbeugung, Diagnose und Therapie von Krebserkrankungen führen. Das Zentrum wird zu 90 Prozent vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und zu 10 Prozent vom Land Baden-Württemberg finanziert und ist Mitglied in der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) e.V.

Dr. Julia Rautenstrauch | idw
Weitere Informationen:
http://www.dkfz.de

Weitere Berichte zu: MRT Magnetresonanztomographie Perfusionsszintigraphie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Preiswerte Katalysatoren finden und verstehen: Auf das Eisen kommt es an

24.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Hoffnung für Leberkrebspatienten

24.03.2017 | Medizintechnik

Innovationslabor für neue Wege in die digitale Zukunft

24.03.2017 | Förderungen Preise