Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Migräne: in Deutschland nicht effektiv behandelt

05.06.2001


Migräne-Patienten sind in Deutschland medizinisch deutlich schlechter versorgt als in anderen EU-Ländern. Dies belegen aktuelle Daten der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG). Die mangelhafte Therapie beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität der Betroffenen. Sie belastet auch die Volkswirtschaft mit jährlich acht Milliarden Mark durch Arbeitsunfähigkeit und eingeschränkte Produktivität der Patienten.

... mehr zu:
»DMKG »Migräne »Triptan

"Seit einigen Jahren leide ich unter Migräne. Es wurden mehrere Mittel ausgetestet. Den besten Erfolg habe ich mit einem Triptan. Monatlich habe ich mit einer, manchmal auch mit zwei Migräneattacken zu kämpfen, die zumeist drei Tage dauern. Die Wirkung des Medikamentes setzt innerhalb einer Stunde ein. Ich kann also problemlos arbeiten gehen. Eine Internistin, die mein Rheuma behandelt, hat mir das Medikament bislang problemlos verschrieben. Nun eröffnete sie mir, dass sie zukünftig nur noch die Mittel für Rheuma verschreibt und ich mich mit allem anderen an meinen Hausarzt zu wenden hätte. Dieser verweigerte mir die Verordnung mit der Begründung, er hätte im Quartal nur 60 Mark für mich und könnte die Tabletten daher nicht verschreiben. Gibt es für mich irgendeine Möglichkeit auch weiterhin an mein Medikament zu kommen oder bleiben für mich am Ende nur jeweils drei Tage, an denen ich arbeitsunfähig bin und mich mit Schmerzen zu Hause herumquäle?"

Solche Zuschriften erhält die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) immer wieder. Zwar raten die DMKG-Experten in ihren aktuellen Therapie-Empfehlungen, dass mittelstarke bis starke Migräne-Attacken mit modernen Migräne-Mitteln, den Triptanen, behandelt werden sollten. Doch offenkundig erhalten nicht alle Patienten, die Triptane benötigen, auch tatsächlich diese effektive Therapie.


Neue Untersuchungen belegen, dass Migräne-Patienten in Deutschland deutlich schlechter versorgt sind als ihre Leidensgenossen in anderen EU-Ländern. So verordnen etwa skandinavische Ärzte sechs mal mehr Triptane als ihre deutschen Kollegen. Insgesamt liegt der durchschnittliche Triptan-Verbrauch in der Bundesrepublik um 50 Prozent unter dem EU-Durchschnitt, obwohl in Deutschland nicht weniger Menschen unter Migräne leiden als in Frankreich oder Groß Britannien. Rund zehn bis 15 Prozent der Bevölkerung, also acht bis zehn Millionen Menschen, sind betroffen. Nur die Hälfte befindet sich jedoch in ärztlicher Behandlung.

Doch selbst wenn Migräne-Patienten zum Arzt gehen, können sie keineswegs sicher sein, dass sie nach dem neuesten Stand der Wissenschaft behandelt werden: Drei Viertel der ärztlichen Verordnungen stimmen nicht mit den Empfehlungen der Experten überein - so das Ergebnis einer Untersuchung der DMKG im Jahr 1999.

Dass sich daran nur wenig geändert hat, belegen Daten aus dem vergangenen Jahr: Die Hälfte der Migräne-Kranken, die sich in ärztlicher Behandlung befinden, erhalten freiverkäufliche Analgetika, die allerdings nur bei leichten Migräne-Attacken wirksam sind. Nur 14 Prozent der Patienten bekommen Triptane verordnet. Demgegenüber nehmen 36 Prozent der Betroffenen nach wie vor so genannte Ergotamine ein, ältere Migräne-Mittel, die aufgrund ihres Wirkungs- und Nebenwirkungsprofils von der DMKG nur noch in bestimmten Fällen empfohlen werden.

Da ohnehin nur die Hälfte der Migräne-Patienten zum Arzt geht, bedeutet dies bezogen auf die Gesamtzahl aller Patienten, dass schätzungsweise 75 Prozent aller Migräniker freiverkäufliche Analgetika nehmen, 18 Prozent werden mit Ergotaminen und nur sieben Prozent mit Triptanen behandelt. Die DMKG-Experten gehen jedoch davon aus, dass mindestens zehn Prozent aller Migräner, also rund eine Million Patienten, aufgrund der Schwere ihrer Erkrankung zwingend mit Triptanen behandelt werden müssten. "Würden unsere Therapie-Empfehlungen von den Ärzten umgesetzt", klagt Dr. Volker Pfaffenrath, Vizepräsident der DMKG, "könnten sehr viel mehr Patienten von einer effektiven Behandlung profitieren."

Im Gegensatz zu den Experten sehen viele Ärzte - das zeigen Umfragen - in den Triptanen jedoch eher Mittel der "letzten" ("wenn gar nichts mehr hilft") als Mittel der "ersten" Wahl bei mittelschweren bis starken Migräneattacken. Auch Unsicherheit bei der Diagnosestellung spielt eine Rolle - und vor allem die Furcht, das Arzneimittel-Budget zu überschreiten.

Die Folgen dieser ungenügenden Therapie sind nicht nur schmerzhaft für die Betroffenen, sondern belasten auch die Volkswirtschaft: Die Kosten durch Fehltage am Arbeitsplatz und eingeschränkte Produktivität betragen zusammen über acht Milliarden Mark. "Ein erheblicher Teil dieser indirekten Kosten wird durch unzureichende und falsche Therapien verursacht", so die DMKG-Experten.

Auf der Homepage der DMKG wird darum eine Rubrik eingerichtet, in der die betroffenen Patienten über ihre persönlichen Erfahrungen berichten können und Empfehlungen von Experten für solche Fälle finden.


Pressestelle:
Barbara Ritzert, ProScientia GmbH
Andechser Weg 17; 82343 Pöcking
Tel.: (08157) 93 97-0, Fax: (08157) 93 97-97
E-Mail: ritzert@proscientia.de

Dipl. Biol. Barbara Ritzert | idw
Weitere Informationen:
http://www.dmkg.de/

Weitere Berichte zu: DMKG Migräne Triptan

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz im Kampf gegen Prostatakrebs entdeckt
24.05.2018 | Universität Bern

nachricht Die neue Achillesferse von Blutkrebs
22.05.2018 | Ludwig Boltzmann Gesellschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Was einen guten Katalysator ausmacht

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Superkondensatoren aus Holzbestandteilen

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Schaltschrank-Plattform für die Energiewelt

24.05.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics