Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Brustkrebs-Diagnostik wird sicherer, mininimal-invasive Methoden belasten weniger

19.05.2004


Jährlich werden rund 46.000 Frauen mit der Schock-Diagnose "Brustkrebs" konfrontiert. Weil jeder getastete Knoten und jede Veränderung auf dem Röntgenbild abgeklärt werden muss, müssen sich die betroffenen Frauen weiteren Untersuchungen, beispielsweise einer Gewebeentnahme, unterziehen. Auf diesem Gebiet gibt es neue Entwicklungen, die auf dem 85. Deutschen Röntgenkongress in Wiesbaden diskutiert werden.



Vom Mammographie-Screening ab dem 50.Lebensjahr, das bis zum Jahr 2005 in Deutschland flächendeckend eingeführt werden soll, erhoffen sich Experten deutliche Fortschritte bei der Brustkrebs-Früherkennung. Sowohl beim Screening, also der Untersuchung gesunder Frauen, als auch bei der Abklärung verdächtiger Knoten in der Brust, ist die Mammographie die Standarduntersuchung. Der Grund: Sie ist bislang die einzige Methode, mit deren Hilfe der Arzt Mikroverkalkungen im Brustgewebe erkennen kann. Form und Anordnung dieser Kalkablagerungen, die nur Bruchteile eines Millimeters klein sind, können Hinweise auf bösartige Veränderungen liefern. Für Privat-Dozent Dr. med. Markus Müller-Schimpfle, Chefarzt des Radiologischen Zentralinstituts an den Städtischen Kliniken Frankfurt a. M./Höchst ist die Mammografie daher die "Basis der Brustkrebsdiagnostik".

... mehr zu:
»Biopsie »Mammographie


Digitale Mammographie auf dem Prüfstand. Mittlerweile gibt es neue technische Entwicklungen. Dazu zählt etwa die digitale Mammographie. Während bei der herkömmlichen Mammographie ein Film belichtet wird, wird bei einer Variante der neuen Methode, der digitalen Speicherfolienmammographie, die Bildinformation auf einer Speicherfolie aufgenommen, digital ausgelesen und danach auf einen Monitor oder Film übertragen. Bei einer weiteren Variante, der digitalen Vollfeldmammographie, wird das Strahlungsbild von Messkammern aufgezeichnet und die Helligkeitswerte werden in Zahlen umgesetzt und digital auf einen Monitor oder Film übertragen. Allerdings gibt es für die digitale Mammographie noch keine Standards. Laut Herstellerangaben setzen mittlerweile knapp 100 Kliniken und Praxen in Deutschland digitale Mammographie-Systeme ein. Die meisten arbeiten mit Speicherfolien, die wesentlich kostengünstiger sind als die digitalen Vollfeldmammographie.

Ultraschall für junge Frauen. Zur Bestätigung einer Diagnose bei einem klinischen Verdacht und zur Verlaufskontrolle sowie zur Früherkennung bei der "dichten" Brust junger Frauen unter 30 Jahren eignet sich, so Müller-Schimpfle, hingegen die Ultraschall-Untersuchung am besten.

Thermoverfahren sind "out". Im experimentellen Stadium der Forschung befinden sich die Lichtemissions-Verfahren. Dazu zählt der Laser, mit dem sich die Konturen eines Tumors besser darstellen lassen. "Noch ist es nur ein Traum, dass dieses kostengünstige Verfahren ohne Strahlenrisiko die Mammographie in Zukunft einmal ablösen könnte. Denn auch Lichtverfahren sind zur Erkennung von Mikrokalk ungeeignet", kommentiert der Radiologe. Als völlig "out" bezeichnet er alle Thermoverfahren, da ihre Genauigkeit zu wünschen übrig lasse.

Elastographie könnte Zusatzinformation liefern. Ebenfalls noch im experimentellen Stadium befindet sich die Magnetresonanz-Elastographie (MRE). Wenn dieses aufwendige und teure Verfahren einmal ausgereift ist, kann es wichtige Zusatzinformationen über die physi-kalische Elastizität innerer Strukturen (z.B. Verhärtungen) des Brustdrüsengewebes und des Tumors geben. Das MRE-Verfahren könnte dann auch bei der Abklärung helfen, ob ein Knoten gut- oder bösartig ist. Nach Aussagen des Experten "ist diese Methode zur Früherkennung allerdings nicht geeignet. Denn wenn der Verdacht auf einen Tumor besteht, muss der Aussagewert der Methode sehr hoch sein, um nicht zu viele falsch-negative Befunde zu riskieren", erläutert Müller-Schimpfle.

MRT für Risikopatientinnen. Die Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT), auch Kernspintomographie genannt, wird nur in speziellen Situationen eingesetzt. Nach brusterhaltenden Operationen oder dem Wiederaufbau der Brust mit einer Prothese, haben Ärzte bei nachfolgenden Kontrolluntersuchungen nicht selten Probleme bei der Beurteilung von Mammographie oder Ultraschall-Aufnahme: Verdichtungen und Vernarbungen können entweder ein erneutes Tumorwachstum (Rezidiv) verdecken oder suggerieren Veränderungen, obwohl alles in Ordnung ist. Mit Hilfe der Magnetresonanz-Tomographie können die Ärzte in solchen Fällen zwischen einer narbigen Veränderung und einem Tumor sehr gut unterscheiden. Wichtig ist die MRT-Untersuchung auch dann, wenn bei einer Frau Metastasen eines Brusttumors oder Krebszellen in der Achselhöhle diagnostiziert werden, mit der klassischen Mammographie und Sonographie aber kein Tumor in der Brust erkennbar ist. In diesen Fällen wird die Untersuchung auch von den Krankenkassen bezahlt.

Für sehr wichtig erachtet es Müller-Schimpfe außerdem, "dass diese Nachweismethode auch für Frauen vor einer Operation bei nachgewiesenem Brustkrebs erstattet wird. Mehr und mehr Daten festigen unsere Überzeugung, dass wir durch die präoperative MRT der Brust das Lokalrezidivrisiko senken können." Auch für Hochrisiko-Patientinnen mit familiärem Brustkrebs wäre der Einsatz dieser Methode sinnvoll, zumal sie nur eine geringe Zahl der Brustkrebs-Fälle ausmachen."

Gewebe-Entnahme minimal-invasiv. Wenn die Bildgebung abgeschlossen ist, folgt häufig eine Gewebeentnahmen (Biopsie) zur endgültigen Abklärung des Befundes. "Dafür ist heute in aller Regel keine Operation mehr nötig, sondern zweifellos haben die minimal-invasiven Methoden, Vakuum- und Stanzbiopsien,an Bedeutung gewonnen und erleichtern die Diagnostik" sagt Müller-Schimpfle.

Wann eine Biopsie erfolgen muss, bestimmt die Detailcharakteristik der Herde, für die eine Klassifikation mit Kategorien von eins bis fünf geschaffen wurde. Ab der Kategorie vier und fünf muss die Diagnose durch eine Biopsie gesichert werden. Bei Hochrisiko-Patientinnen wird eine Biopsie bereits ab einem Herdbefund der Kategorie drei empfohlen.

Nachdem sich der Einsatz der Magnetresonanztomographie zunehmend in der Brustkrebsdiagnostik etabliert, wie z.B. bei Patientinnen nach brusterhaltender Therapie, gibt es inzwischen auch Fortschritte bei den MRT-gestützten Biopsieverfahren. In einzelnen Zentren werden diese Methoden bereits eingesetzt. Da sie große Erfahrung voraus setzen und auch nur bei ausgewählten Patientinnen sinnvoll sind, werden diese Methoden allerdings auch zukünftig nur an wenigen Zentren angeboten werden.

Pressestelle
Barbara Ritzert, ProScience Communications GmbH, Andechser Weg 17, 82343 Pöcking
Tel. 08157/9397-0, Fax: 08157/9397-97, ritzert@proscience-com.de
Pressestelle während der Tagung:
Regine Schulte Strathaus, Büro 3, II. OG., Rhein-Main-Hallen
Tel: 0611/144-203, Fax: 0611-144-403

Barbara Ritzert | idw

Weitere Berichte zu: Biopsie Mammographie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

nachricht Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt
18.10.2017 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise