Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Forschungsansatz zur Alzheimer-Demenz

28.04.2004


Eine Homburger Studie belegt eindeutig, dass Plaque-Ablagerungen im Gehirn alleine nicht neurotoxisch sind - für den schleichenden Nervenzellverlust sind intrazelluläre Mechanismen verantwortlich



Die Alzheimer Erkrankung ist die häufigste Form für Gedächtnisverlust. Zellen bestimmter Gehirnregionen funktionieren zunächst nicht mehr und sterben schließlich ab. Jedes Jahr wird bei 100.000 Menschen in Deutschland die Diagnose Alzheimer festgestellt. Klinisch ist die Erkrankung durch kognitive Störungen, eine veränderte Gefühlswelt, Änderungen in der Persönlichkeitsstruktur und durch zeitweilige reaktive Symptome - beispielsweise Depressionen, Paranoia, Angst - charakterisiert. Die Ursachen der Krankheit sind bislang noch nicht gut verstanden. Es gibt jedoch verschiedene Theorien, deren Erforschung weltweit betrieben wird. Nach der sogenannten Amyloid-Hypothese ist die treibende Kraft der Alzheimer-Pathologie ein Protein, das im Gehirn zu Ablagerungen führt, das sogenannte Aß-Amyloid. Nachdem an den Universitätskliniken in Homburg/ Saar bereits eine neue Kupfer-Therapie-Studie für die Alzheimer Demenz ins Leben gerufen wurde, warten die Wissenschaftler nun mit einem neuen sensationellen Forschungsansatz auf.



In einer neuen Studie, die im American Journal for Pathology [1] veröffentlicht wurde, konnten die Arbeitsgruppen um PD Dr. Thomas Bayer (Universität des Saarlandes), Dr. Laurent Pradier (Aventis, Pharma, Paris) und PD Dr. Christoph Schmitz (Universität Maastricht, Niederlande) erstmalig belegen, daß intrazelluläre Pathomechanismen und nicht die extrazellulären Aß-Amyloid-Plaques für den schleichenden Zellverlust bei der Alzheimer-Erkrankung verantwortlich sind. Die Forscher haben transgene Mäuse, die das humane mutante Amyloidvorläuferprotein (APP) und das humane mutante Presenilin-1 Protein (PS-1) in Nervenzellen im Hirn aufweisen, detailliert untersucht. Dabei zeigte sich, daß 25 Prozent der Nervenzellen im Hippocampus, einer der betroffenen Schlüsselregion bei Alzheimer Patienten, in älteren Mäusen untergehen. Der Verlust der Nervenzellen war in der Nähe der Aß-Plaques, aber auch in Plaque-freien Gebieten zu beobachten. Dieser Befund belegt eindeutig, dass die Aß-Plaques alleine nicht neurotoxisch sind, sondern dass intrazelluläre Mechanismen für den schleichenden Nervenzellverlust verantwortlich sind. Damit steht der Forschung erstmalig ein geeignetes Tiermodell zur Verfügung, um die molekularen und zellulären Mechanismen der Neurodegeneration zu untersuchen. "Wir erhoffen uns nun einen entscheidenden Durchbruch in der Alzheimer-Forschung", erklärt PD Dr. Thomas Bayer, der an der Universität des Saarlandes in der Klinik für Psychiatrie (Direktor: Professor Dr. Peter Falkai), Abteilung Neurobiologie, arbeitet. "Obwohl in den letzten Jahren eine Vielzahl von transgenen Mausmodellen weltweit entwickelt worden sind, war die Verbindung zwischen den Aß-Amyloid-Plaques und dem Untergang der Nervenzellen bislang heftig umstritten", erläutert Bayer.


Literaturhinweis:
[1] Schmitz, C., et al., Hippocampal neuron loss exceeds amyloid plaque load in a transgenic mouse model of Alzheimer’s disease. Am J Pathol, 2004. 164(4): p. 1495-502.


Kontakt für Journalisten:

Sie haben Fragen? Wenden Sie sich bitte direkt an Privatdozent Dr. Thomas Bayer, Universität des Saarlandes, Klinik für Psychiatrie, Abteilung Neurobiologie, Tel. (06841) 16-24290, Fax: (06841) 16-24378, E-Mail: thomas.bayer@uniklinik-saarland.de

Hochschul-Presseteam | idw

Weitere Berichte zu: Alzheimer Alzheimer-Demenz Nervenzelle Neurobiologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mikrobiologen entwickeln Methode zur beschleunigten Bestimmung von Antibiotikaresistenzen
13.02.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Überschreiben oder Speichern? Die Gewissensfrage zur Vergesslichkeit
13.02.2018 | PhytoDoc Ltd.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Im Focus: In best circles: First integrated circuit from self-assembled polymer

For the first time, a team of researchers at the Max-Planck Institute (MPI) for Polymer Research in Mainz, Germany, has succeeded in making an integrated circuit (IC) from just a monolayer of a semiconducting polymer via a bottom-up, self-assembly approach.

In the self-assembly process, the semiconducting polymer arranges itself into an ordered monolayer in a transistor. The transistors are binary switches used...

Im Focus: Erste integrierte Schaltkreise (IC) aus Plastik

Erstmals ist es einem Forscherteam am Max-Planck-Institut (MPI) für Polymerforschung in Mainz gelungen, einen integrierten Schaltkreis (IC) aus einer monomolekularen Schicht eines Halbleiterpolymers herzustellen. Dies erfolgte in einem sogenannten Bottom-Up-Ansatz durch einen selbstanordnenden Aufbau.

In diesem selbstanordnenden Aufbauprozess ordnen sich die Halbleiterpolymere als geordnete monomolekulare Schicht in einem Transistor an. Transistoren sind...

Im Focus: Quantenbits per Licht übertragen

Physiker aus Princeton, Konstanz und Maryland koppeln Quantenbits und Licht

Der Quantencomputer rückt näher: Neue Forschungsergebnisse zeigen das Potenzial von Licht als Medium, um Informationen zwischen sogenannten Quantenbits...

Im Focus: Demonstration of a single molecule piezoelectric effect

Breakthrough provides a new concept of the design of molecular motors, sensors and electricity generators at nanoscale

Researchers from the Institute of Organic Chemistry and Biochemistry of the CAS (IOCB Prague), Institute of Physics of the CAS (IP CAS) and Palacký University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aachener Optiktage: Expertenwissen in zwei Konferenzen für die Glas- und Kunststoffoptikfertigung

19.02.2018 | Veranstaltungen

Konferenz "Die Mobilität von morgen gestalten"

19.02.2018 | Veranstaltungen

Von Bitcoins bis zur Genomchirurgie

19.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Die Zukunft wird gedruckt

19.02.2018 | Architektur Bauwesen

Fraunhofer HHI präsentiert neueste VR- und 5G-Technologien auf dem Mobile World Congress

19.02.2018 | Messenachrichten

Stabile Gashydrate lösen Hangrutschung aus

19.02.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics