Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Impfung soll Brustkrebszellen gezielt vernichten

05.04.2004


Deutsche Krebshilfe fördert klinische Studie



Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Jedes Jahr erkranken rund 46.000 Frauen in Deutschland neu daran. Nicht alle Betroffenen können mit Operation, Bestrahlung und Chemotherapie geheilt werden. Jetzt gibt eine klinische Studie neue Hoffnung: Durch eine Impfung soll die körpereigene Abwehr die Brustkrebszellen gezielt vernichten. Professor Dr. Diethelm Wallwiener, Studienleiter und Direktor der Universitäts-Frauenklinik Tübingen, untersucht zusammen mit Heidelberger Wissenschaftlern die Wirksamkeit dieses Therapie-Ansatzes bei Brustkrebs-Patientinnen. Die Deutsche Krebshilfe fördert die Studie mit über 400.000 Euro.



Das Abwehrsystem ist die „Polizei“ des Körpers. Seine Aufgabe: Eindringlinge wie krank machende Bakterien, Viren und Parasiten zu erkennen und zu vernichten. Auch Brustkrebszellen tragen auf ihrer Oberfläche Strukturen, so genannte Tumor-Antigene, welche die Abwehrzellen als „fremd“ erkennen. Die Reaktion des Immunsystems ist jedoch meist zu schwach, um den Kampf gegen die Krebszellen zu gewinnen. Die Immunantwort zu verstärken ist somit das Ziel der Impfung, die im Rahmen der klinischen Studie durchgeführt wird. „Die Impfung erfolgt ergänzend zur Standardtherapie im Anschluss an oder in Kombination mit allgemein anerkannten Therapieverfahren“, erklärt Dr. Brigitte Gückel, Studienkoordinatorin an der Universitäts-Frauenklinik Tübingen. Insgesamt sollen etwa 30 Brustkrebs-Patientinnen nach dem Protokoll der klinischen Studie behandelt werden. Sie werden engmaschig überwacht und die Ergebnisse der Behandlung systematisch erfasst und ausgewertet.

Als Impfstoff kommen verschiedene Brustkrebs-Antigene zum Einsatz, die bereits entschlüsselt wurden. Diese Tumor-Antigene werden im Labor hergestellt und mit speziellen Immunzellen aus dem Blut der Patientin gemischt. Dabei handelt es sich um so genannte dendritische Zellen, die eine zentrale Bedeutung für die Stimulation der Immunantwort haben: „Die dendritischen Zellen nehmen die Antigene „huckepack“ und wandern nach der Injektion des „Zell-Cocktails“ unter die Haut mit ihrer Antigenfracht zu den Lymphknoten“, erläutert Dr. Gückel das Prinzip der Immuntherapie. „Dort aktivieren sie gezielt spezifische Abwehrzellen, die alle Zellen im Körper vernichten, auf denen die Brustkrebs-Antigene sitzen. Dies betrifft insbesondere das Tumorgewebe und die Metastasen.“

Das Ziel der Studie sei es, die Wirksamkeit und Verträglichkeit der Impfung zu untersuchen sowie die optimale Dosierung für eine solche Immuntherapie zu finden. So soll diese Studie dazu beitragen, die Behandlungserfolge bei Brustkrebs weiter zu verbessern und Betroffenen die bestmögliche Therapie zu ermöglichen.

„Die klinische Studie befindet sich in der Phase I/II der klinischen Arzneimittelprüfung. Sie steht somit erst am Anfang eines langen Weges hin zum zugelassenen Medikament“, bremst die Koordinatorin der Studie zu frühe Hoffnungen. Um auf dem Gebiet der Immuntherapie möglichst bald Fortschritte zu erzielen, ist die Durchführung von klinischen Studien unerlässlich. Nur so können Krebspatienten von neuen und besseren Therapien profitieren.

| Deutsche Krebshilfe
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de/frames.html?http://www.krebshilfe.de/neu/presse/pm-detail.php?Nr=571

Weitere Berichte zu: Abwehrzelle Brustkrebs Brustkrebszelle Immuntherapie Impfung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Tollwutviren zeigen Verschaltungen im gläsernen Gehirn
19.01.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Sicher und gesund arbeiten mit Datenbrillen
13.01.2017 | Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise