Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Ballon, Stent und Filter gegen verengte Halsschlagadern

23.03.2004


Mit einem solchen Filtersystem werden Bruchstücke der Gefäßwand aufgefangen, die sich beim Kathetereingriff an der Halsschlagader eventuell ablösen können.


Eine starke Verengung der Halsschlagader (a, Pfeil) lässt sich durch einen Kathetereingriff beseitigen. Danach werden Kopf und Gehirn wieder ungehindert mit Blut versorgt (b). Aufnahmen: Schanzenbächer


In Deutschland werden pro Jahr über 20.000 gefäßchirurgische Eingriffe bei Patienten durchgeführt, deren Halsschlagader verengt ist. "Leider ist viel zu wenig bekannt, dass sich diese Operationen vermeiden lassen, weil inzwischen wesentlich schonendere Kathetertechniken zur Verfügung stehen", sagt Professor Peter Schanzenbächer. Der Kardiologe vom Klinikum der Universität Würzburg sieht hier dringenden Aufklärungsbedarf.

... mehr zu:
»Halsschlagader »Stent

Die Halsschlagader leitet das Blut vom Herzen zum Kopf. Wenn sie zu sehr verkalkt ist, besteht die Gefahr, dass das Gehirn nicht mehr richtig mit Sauerstoff versorgt wird: Es drohen dann Schlaganfälle. Als Gegenmaßnahme wird darum über die Leistenarterie ein Ballonkatheter in die hirnversorgende Hauptarterie eingeführt. Die Engstellen können dann aufgedehnt werden, zusätzlich lässt sich eine Gefäßstütze einbauen, ein so genannter Stent. Der soll dafür sorgen, dass die Schlagader auf Dauer durchlässig bleibt.

Diese Behandlung erfolgt vorbeugend, wenn die Schlagader zu über 80 Prozent eingeengt ist, aber auch bei Patienten, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben. Außerdem kommt sie bei Menschen zum Einsatz, die wegen der verengten Schlagader zeitweise an neurologischen Störungen leiden, zum Beispiel an kurzfristigen Lähmungserscheinungen oder an Sprach- und Sehstörungen.


Früher trat bei solchen Kathetereingriffen an der Halsschlagader folgendes Problem auf: Durch die Manipulationen mit dem Katheter können sich Bestandteile der Gefäßwand ablösen und mit dem Blutstrom in Richtung Gehirn treiben. Die Folge sind neurologische Symptome, schlimmstenfalls eine in der Regel wieder vorübergehende Halbseitenlähmung.

Doch mit diesen Komplikationen ist heute nicht mehr zu rechnen, wie Schanzenbächer sagt. Seit 2001 stehen nämlich spezielle Filtersysteme zur Verfügung, die noch vor der Manipulation mit dem Katheter an der Engstelle vorbeigeführt und unterhalb der Schädelbasis zur Entfaltung gebracht werden. Ihre Aufgabe ist es, die Bestandteile der Gefäßwand, die sich bei der Behandlung möglicherweise ablösen, aufzufangen. Auf diese Weise können neurologische Symptome verhindert werden.

Wenn das Gefäß schließlich gut genug aufgeweitet ist, wird der Filter entfernt. Die Punktionsstelle an der Leiste wird mit einem speziellen System verschlossen, so dass die Patienten unter Umständen unmittelbar nach dem Eingriff wieder aufstehen können. Sie müssen dann noch drei Monate lang eine blutverflüssigende Kombinationstherapie einnehmen, um die Bildung eines Blutgerinnsels am Stent zu verhindern.

"Wenn erfahrene Ärzte diesen Eingriff durchführen, dann liegen die Komplikationen heute in der Größenordnung wie bei gefäßchirurgischen Eingriffen an der Halsschlagader oder sogar deutlich darunter", sagt Professor Schanzenbächer. Weiterer Vorteil: Die bei den chirurgischen Operationen möglichen Wundheilungsstörungen, Infektionen, Nervenverletzungen, Nachblutungen und Narbenbildungen treten nach Kathetereingriffen praktisch nicht auf. Vor allem sei keine Narkose erforderlich: Das stelle für die Patienten, die alle im höheren Lebensalter und in der Regel durch andere Leiden geschwächt seien, eine wesentliche Erleichterung dar.

"Unglücklicherweise werden die meisten Patienten durch den diagnostizierenden Arzt weiterhin traditionell dem Gefäßchirurgen vorgestellt. Das ist die Folge einer unzureichenden Erfahrung und einer grundlegenden Skepsis der neuen Methode gegenüber. Aber die kathetergestützte Stentimplantation in die Halsschlagader wird in naher Zukunft die Operation komplett ablösen", ist sich Schanzenbächer sicher.

Weitere Informationen: Prof. Dr. Peter Schanzenbächer, T (0931) 201-36327, Fax (0931) 201-36291, E-Mail:
p.schanzenbaecher@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Berichte zu: Halsschlagader Stent

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht In Deutschland wächst die Zahl der Patienten mit Diabetes mellitus
23.02.2017 | Versorgungsatlas

nachricht Ursache für eine erbliche Muskelerkrankung entdeckt
22.02.2017 | Klinikum der Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie