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Folgen des Schlaganfalls könnten durch vorbeugende antibiotische Behandlung verringert werden

11.02.2004


Lungenentzündungen sind die häufigste Ursache von Todesfällen nach Schlaganfall. Sie entwickeln sich bei bis zu 65 Prozent der Patienten bereits in den ersten Tagen nach dem Ereignis. Selbst wenn der Patient überlebt, verschlechtert sich der Verlauf seiner Genesung durch die Infektion, denn die notwendige Rehabilitationsbehandlung kann nur verzögert einsetzen und die durch den Schlaganfall verursachten neurologischen Ausfälle bilden sich in geringerem Umfang zurück.



Im Jahre 2003 zeigte eine Arbeitsgruppe der "Experimentellen Neurologie" der Charité im Tiermodell, daß die Neigung zu Lungenentzündung und Sepsis ( Blutvergiftung) nach einem Schlaganfall auf eine Immunschwäche zurückzuführen ist. Sie wird ausgelöst durch eine heftige Aktivierung des sympathischen Nervensystems mit der Folge der Verringerung bestimmter Immunzellen, insbesondere der Lymphozyten. Diese Erkenntnis wurde im Fachblatt "Journal of Experimental Medicine" (Konstantin Prass et. al) am 25. August 2003 online publiziert.



Jetzt konnte die selbe Arbeitsgruppe ebenfalls im Tiermodell nachweisen, daß Fieber und Lungenentzündung durch die vorbeugende Gabe von Antibiotika (Moxiflocacin, Hersteller: Bayer Vital) verhindert werden können. Damit lassen sich die Sterblichkeit senken, das Ausmaß des Infarktbezirks im Gehirn verringern und die verbleibenden Funktionseinbußen mindern. Diese Effekte der präventiven Antibiotikabehandlung treten nicht nur ein, wenn die Therapie unmittelbar nach dem Schlaganfall begonnen wird, sondern auch, wenn der Schlaganfall schon 12 Stunden zurückliegt. Die Forscher konnten Ihre Untersuchungsergebnisse soeben im renommierten Fachblatt "Stroke" veröffentlichen (Christian Meisel et al. 35 [2004] 2-4).

Jetzt wird in Zusammenarbeit der "Klinik für Neurologie" der Charité mit der "Neurologischen Klinik" des "Unfallkrankenhauses Berlin" an Patienten aus dem Berliner Raum überprüft, ob die Erkenntnisse aus dem Tierversuch auch Bedeutung für den Menschen haben. Gelänge die Vermeidung von Lungenentzündungen in ähnlicher Weise (wovon die Forscher ausgehen), so hätte man eine neue Behandlungsart für alle Patienten zur Verfügung. Also nicht nur für diejenigen, die frühzeitig, d.h. in den ersten Stunden nach dem Schlaganfall, in die Klinik kommen und denen man eine Lysebehandlung (Auflösung des gefäßverschließenden Pfropfes) anbieten kann, sondern auch für all jene, die für eine Lysebehandlung nicht mehr in Frage kommen, weil sie viel später eintreffen.

Dr. med. Silvia Schattenfroh | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite.de/mediamed

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