Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue neurodegenerative Erkrankung entdeckt

28.01.2004


FXTAS ähnelt Alzheimer, Parkinson und Demenz



Von einer neuentdeckten neurodegenerativen Erkrankung könnten weltweit Zehntausende Menschen betroffen sein. FXTAS (fragile X-associated tremor/ataxia syndrome) ist Alzheimer, Parkinson und der senilen Demenz sehr ähnlich. Ausgelöst wird sie durch einen genetischen Defekt, der mit dem fragilen X-Syndrom in Zusammenhang steht. Bisher wurde das Vorhandensein dieses Defekts für nicht gefährlich gehalten. Wissenschaftler der University of California gehen davon aus, dass von der neuen Krankheit einer von 3.000 Menschen betroffen sein könnte. Die meisten Erkrankten dürften über 50 Jahre alt sein. Die Ergebnisse der Studie wurden im Journal of the American Medical Association veröffentlicht.



Der Biochemiker Paul Hagerman erklärte, dass FXTAS eine der häufigsten Ursachen für Zittern und Gleichgewichtsschwierigkeiten bei Erwachsenen sein dürfte, die zugleich kaum diagnostiziert wurde. "Jetzt kann es durch einen standardisierten DNA-Test nachgewiesen werden. Bei vielen der jetzt untersuchten Patienten wurden ursprünglich Parkinson, Alzheimer oder Alterserscheinungen angenommen. In manchen Fällen wurden die Patienten sogar operiert." Zu den ersten Symptomen der Erkrankung gehören laut NewScientist Schwierigkeiten beim Schreiben, bei der Benutzung des Bestecks, beim Einschenken von Wasser und beim Gehen. Dazu kommen der Verluste beim Kurzzeitgedächtnis und Ängstlichkeit.

Das fragile X-Syndrom ist die am meisten verbreitete Ursache für eine vererbte geistige Behinderung. Betroffen sind einer von 3.600 Jungen und eines von 5.000 Mädchen. Es wird durch eine Mutation des FMR1 Gens verursacht, das ein Protein kodiert, welches für die Gesunderhaltung der Nervenzellen im Gehirn mitverantwortlich ist. Wiederholt sich ein bestimmtes Segment der DNA im FMR1 Gen zu oft, funktioniert das entstehende Protein nicht richtig. Nichtbetroffene haben rund 30 CGG Wiederholungen in ihrem FMR1 Gen, Betroffene zwischen 55 und 200. Männliche Träger vererben diese "Prämutation" an ihre Töchter, deren Kinder ein hohes fragile X-Syndrom Risiko haben.

Bisher wurde davon ausgegangen, dass die Träger dieser Prämutation von schädlichen Auswirkungen nicht betroffen waren. Erzählungen über die Demenzneigung von Großvätern, deren Enkel an fragilem X-Syndrom erkrankt sind, alarmierten die Wissenschaftler. Für die aktuelle Studie wurden die Daten von fast 200 Männern aus fragile X-Syndrom Familien mit jenen von 60 Kontrollpersonen verglichen. Es zeigte sich, dass die Prämutation in Korrelation mit einem deutlich höheren Risiko neurodegenerativer Symptome stand. Symptome, von denen fast 40 Prozent aller Männer über 60 Jahren betroffen waren. Derzeit ist nicht erforscht, wie die Prämutation des FMR1 Gens die Krankheit verursacht. Erste Untersuchungen von Gewebeproben von FXTAS Patienten zeigten Ansammlungen von anormalem zellulären Material in Zellkernen der Hirnrinde und des Gehirnstammes.

Michaela Monschein | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ucdmc.ucdavis.edu/mindinstitute
http://jama.ama-assn.org
http://www.fragilex.org

Weitere Berichte zu: Alzheimer FMR1 FXTAS Gen Parkinson Prämutation X-Syndrom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

nachricht Die bestmögliche Behandlung bei Hirntumor-Erkrankungen
28.03.2017 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Entzündung weckt Schläfer

29.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mittelstand 4.0-Kompetenz­zentrum Stuttgart gestartet

29.03.2017 | Wirtschaft Finanzen

Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen

29.03.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz