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Bildgebende Verfahren belegen: Borderline-Patienten reagieren schnell auf emotionalen Stress

20.11.2003


Veränderungen in bestimmten Hirnregionen sichtbar machen



Mit Hilfe moderner Brain-Imaging-Verfahren können biologische Veränderungen in bestimmten Hirnregionen bei Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen sichtbar gemacht werden. Die so gewonnenen Erkenntnisse wirken sich schon heute auf die Therapie aus, erklärten Experten beim Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin.

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Borderline-Patienten leiden unter extremen inneren Spannungen und sind emotional leicht beeinfluss- und erregbar. Dies führt bei den meisten zu selbst gefährdendem oder verletzendem Verhalten: Sie zerschneiden sich die Arme mit Rasierklingen, drücken Zigaretten auf ihrem Körper aus, verweigern die Nahrungsaufnahme, schlucken in großen Mengen Alkohol und Tabletten, fahren mit hoher Geschwindigkeit Auto oder Motorrad. Bisher beschränkte sich die Erforschung des Syndroms im wesentlichen auf eine detaillierte Beschreibung und Analyse der vielfältigen Krankheitsphänomene. "Jetzt können Störungen in der Verarbeitung emotionaler Reize mit der funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) auch optisch dargestellt werden", erläuterte Prof. Sabine Herpertz, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Rostock. "Wir haben festgestellt, dass die Areale im Hirn, die eng mit emotionaler Verarbeitung assoziiert sind - wie etwa der so genannte Mandelkern, die Amygdala, oder das limbische System - bei Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörungen hypersensibel reagieren." So ist bei den Betroffenen eine Kontrolle des eigenen Verhaltens kaum möglich: Sie können ablenkende emotionale Reize von außen in aller Regel nicht unterdrücken, sondern reagieren darauf unmittelbar.

Experimentelle Tests mit Patienten und Gesunden

Bisher wurde dieses Phänomen, das im Alltag zu schweren Belastungen für die Betroffenen führt, mit experimentellen Tests näher untersucht. Die sahen in etwa so aus: Den Probanden - Borderline-Patienten und psychisch Gesunden - wurden Wortpaare gezeigt, von denen eines rot gefärbt, das andere weiß war. Sie durften nur auf das weiße Wort reagieren, Reaktionen auf rote Worte mußten bewußt unterdrückt werden. Sahen die Probanden beispielsweise das Wort "EINSAM" erst in rot und im nächsten Durchgang in weiß, dauerte es bei den Gesunden sehr lange, bis sie von Hemmung auf Aktivierung umgeschaltet hatten. Ganz anders die Borderline-Patienten: Bei ihnen läuteten sofort alle Alarmglocken, als sie das weiße "EINSAM" zu Gesicht bekamen. Wiederholte man dagegen das Experiment mit neutralen Worten wie "WINDIG" oder "ECKIG", war die Reaktionszeit bei Gesunden und Patienten gleich.

Borderline-Patienten reagieren besonders schnell und intensiv

Die neuronalen Reaktionen auf diese Tests können jetzt mit der fMRT auch sichtbar gemacht werden. Die Patienten liegen während dessen im Tomographen, vor Augen eine Videobrille, in der Hand ein Art Stoppuhr zum Messen der Reaktionszeit. "Bei den Patienten waren die Hirnregionen, die für die Verarbeitung emotionaler Worte von Bedeutung sind, bereits zu einem Zeitpunkt aktiviert, an dem sie eigentlich noch nicht hätten aktiviert sein dürfen. Dies ist ein deutlicher Beleg dafür, dass Borderline-Patienten besonders schnell und intensiv auf emotionale Reize und Stress reagieren", fasst Prof. Herpertz die Untersuchungsergebnisse zusammen.

Neues Wissen in Therapie umgesetzt

Das neu gewonnene Wissen hat bereits Eingang in die Behandlung gefunden: "Im Rahmen der Psychotherapie versuchen wir nun verstärkt darauf hinzuarbeiten, dass die Patienten lernen, emotionale Stressoren besser zu verarbeiten. Sie trainieren gezielt an einer Stärkung ihrer kognitiven Kontrolle." Die Auswirkungen der Therapie werden ebenfalls mittels funktioneller Magnetresonanztomographie überprüft: "Derzeit untersuchen wir, ob sich Auswirkungen dieser focussierten psychotherapeutischen Behandlung unmittelbar in der Bildgebung wiederfinden, es also aufgrund der therapeutischen Intervention zu neuronalen Veränderungen kommt. Hier liegen allerdings noch keine konkreten Ergebnisse vor." Doch etwa bei Angsterkrankungen, so die Rostocker Wissenschaftlerin, konnte der positive Einfluss einer Psychotherapie auf die Aktivität verschiedener Hirnareale mit der fMRT eindeutig nachgewiesen werden.

Prof. Dr. Peter Falkai | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgppn-kongress2003.de

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