Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geschärfter Blick durch die Kunststofflinse

14.08.2003


Wie können "akkommodative" Linsen ihre Brechkraft verändern ? / Universitätsaugenklinik Heidelberg untersucht Leistungsspektrum


Die Kunststofflinse wird mit ihren vier Bügeln im Kapselsack befestigt. Durch Vorwärtsbewegung verändert sie ihren Brennpunkt.
Foto.: Humanoptics


Privatdozent Dr. Gerd Auffarth, Oberarzt an der Medizinischen Universitätsaugenklinik Heidelberg.
Foto: Universitätsklinikum Heidelberg



Die getrübte Linse entfernen und durch eine Kunststofflinse ersetzen, die all ihre Funktionen übernimmt: Von diesem Traum sind die Augenärzte heute vermutlich nicht mehr weit entfernt. In einigen Jahren könnte eine Vielzahl der rund 600.000 Patienten profitieren, die jährlich in Deutschland am "Grauen Star" operiert werden. Denn mittlerweile werden künstliche Linsen implantiert, die den natürlichen sehr nahe kommen und vor allem ihre wichtigste Aufgabe übernehmen, nämlich die Brechkraft der Linse so zu verändern, dass durch entsprechende Beugung des einfallenden Lichtstrahls das Bild scharf auf der Netzhaut abgebildet wird.



An der Universitätsaugenklinik Heidelberg werden diese "akkommodativen Intraokularlinsen" wissenschaftlich getestet. "Bestimmte Linsentypen sind in der Lage, auf die Entfernung des jeweils fokussierten Gegenstandes zu reagieren und ihre Brechkraft anzupassen", erklärt Privatdozent Dr. Gerd Auffarth, Oberarzt an der Medizinischen Universitätsaugenklinik Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Hans Eberhard Völcker). Er weist jedoch darauf hin, dass vor einem breiten Einsatz beim Patienten - einige Linsentypen sind bereits dafür zugelassen - weitere wissenschaftliche Untersuchungen zur Effektivität und den Nachteilen der neuen Kunststofflinse erforderlich sind.

Verformbare Kunststofflinse wird in den Kapselsack eingesetzt

Nur die Akkommodation befähigt das menschliche Auge zum scharfen Sehen in Ferne und Nähe. Unscharfe Bilder auf der Netzhaut aktivieren über Nervenimpulse den Ziliarmuskel im Bereich der Iris, der die Anspannung der Ziliarfasern kontrolliert, an denen die Augenlinse aufgehängt ist. Anspannungen des Muskels bewirken eine Lockerung, stärkere Krümmung und damit höhere Brechkraft und Fokussierung. Herkömmliche künstliche Acryl-Linsen sind starr und bestenfalls so geschliffen, dass sie mehrere Brennpunkte haben. "Die neuen Linsen sind aus wasserhaltigem Acryl und deshalb verformbar", so Dr. Auffarth. Sie werden in den Kapselsack der entfernten Linse befestigt und sollen dort durch die erschlafften Ziliarfasern zur Krümmung gebracht werden.

Doch wie lässt sich messen, ob die Linsen tatsächlich die gewünschte Formveränderung durchmachen? Mit seinem Forschungsteam untersuchte Dr. Auffarth an isolierten menschlichen Augen, die im Rahmen einer Autopsie für Forschungszwecke zur Verfügung gestellt worden waren, wie die verformbare Kunstlinse 1CU der Firma Humanoptics auf eine Kontraktion des Ziliarmuskels reagiert. Spezielle Filmaufnahmen demonstrierten, dass die Linse durch eine Vorwärtsbewegung ihren Fokus nach vorne verlagert und weniger ihre Krümmung vergrößert. Diese Ergebnisse konnten bei Patienten bestätigt werden.

Doch zufrieden sind die Augenärzte mit dem neuen Produkt noch nicht, denn die Naheinstellungskraft der Kunstlinse reicht bislang nicht aus, um Kleingedrucktes zu lesen. Grundsätzlich ausgeschlossen sind auch stark fehlsichtige Patienten, bei denen die Brechkraft sehr stark korrigiert werden müsste. Nicht in Frage kommen zudem Patienten, deren Linsenaufhängung geschädigt ist. Ein weiteres Problem: "Wie bei anderen Linsen kann es bei ca. 10 bis 20 Prozent der Patienten zu einem sogenannten Nachstar kommen", berichtet Dr. Auffarth. Das heißt: Das Restgewebe der entfernten Linse trübt ein und schmälert das Sehvermögen; in der Regel kann es mit dem Laser entfernt werden.

Weitere Innovationen im Test: Flüssige und dehydrierte Linsen

Inzwischen wird daran gearbeitet, die bereits breite Palette der Linsentypen um innovative Produkte zu erweitern. Ein Ansatz sieht die Verwendung von flüssigen Materialien vor: Der leere Kapselsack wird mit Silikon aufgefüllt, das im Auge hart wird. Eine weitere Variante: Eine getrocknete Hydrogellinse wird eingesetzt und quillt im Auge zur gewünschten Größe, die ggf. sogar als Medikamententräger dienen kann.

Ansprechpartner:

Privatdozent Dr. Gerd Auffarth
Universitätsaugenklinik Heidelberg
E-Mail: gerd_auffarth@med.uni-heidelberg.de

Leitstelle Ambulantes Operieren
Tel.: 06221 - 562898

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Sind Epilepsie-Patienten wetterfühlig?
23.05.2017 | Universitätsklinikum Jena

nachricht Dual-Layer Spektral-CT: Bessere Therapieplanung beim Bauchspeicheldrüsenkrebs
18.05.2017 | Deutsche Röntgengesellschaft e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten