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Optimierungsstudie für Therapie von Wilms-Tumor bei Kindern

14.07.2003


Deutsche Krebshilfe fördert Therapie-Optimierungsstudie



Die Heilungschancen beim Wilms-Tumor, dem häufigsten bösartigen Nierentumor im Kindesalter, sind gut: Bis zu 90 Prozent der kleinen Patienten werden wieder gesund. Doch einige müssen dafür gravierende Spätfolgen am Herzen in Kauf nehmen. Die Deutsche Krebshilfe fördert jetzt eine Therapie-Optimierungsstudie, um diese Nebenwirkungen zu verringern. "Wir untersuchen, ob auf Chemotherapeutika verzichtet werden kann, die das Herz angreifen - ohne die Chance auf Heilung zu verschlechtern", erklärt Professor Dr. Norbert Graf, Studienleiter an der Universitätsklinik Homburg/Saar. Die Studie wird von der Deutschen Krebshilfe mit 1,4 Millionen Euro für sieben Jahre gefördert.



In Deutschland erkranken jährlich etwa 100 Kinder am Wilms-Tumor. 70 Prozent der neu erkrankten Kinder sind unter fünf Jahre alt, wobei Mädchen etwas häufiger erkranken als Jungen. Das Hauptsymptom beim Nierentumor ist eine schmerzlose, plötzlich auftretende Schwellung im Bereich des Bauchraums. Der Tumor wird in den meisten Fällen mit einer kombinierten Therapie behandelt: Zunächst verabreichen die Ärzte Chemotherapeutika, damit sich die bösartige Geschwulst verkleinert. Anschließend entfernen sie den Tumor operativ. Das entnommene Tumorgewebe wird untersucht und die anschließende Chemotherapie an das individuelle Rückfallrisiko angepasst. Nur bei etwa jedem fünften Patienten schließt sich eine Strahlenbehandlung an die Operation an.

Durch die Kombinations-Therapie können heute etwa 90 Prozent der Kinder mit einem Wilms-Tumor langfristig geheilt werden. Doch einige der kleinen Patienten müssen den Heilerfolg teuer bezahlen: "Das verabreichte zytostatische Medikament Doxorubicin kann langfristig Schäden am Herzen verursachen", warnt Professor Graf von der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätskliniken des Saarlandes. Dieses Chemotherapeutikum wird Betroffenen, neben anderen Zellgiften, mit einem höheren Tumorstadium nach der Operation gegeben, um einen Rückfall zu verhindern. Das Gefährliche: "Durch das Zytostatikum kann viele Jahre nach der Therapie die Schlagkraft des Herzens abnehmen. Dies betrifft etwa drei Prozent der behandelten Kinder", weiß der Mediziner aus Erfahrung. "Im schlimmsten Fall muss das Herz zur Behandlung dieser Spätfolge bereits im jungen Erwachsenenalter transplantiert werden."

Das Hauptziel der Therapie-Optimierungsstudie sei es daher, zu untersuchen, ob bei Kindern mit niedrigem Rückfallrisiko auf dieses Medikament verzichtet werden kann, ohne die Chance auf Heilung zu verschlechtern. Heute werden etwa 40 Prozent der erkrankten Kinder mit Doxorubicin behandelt. Die Mediziner hoffen, dieses Therapeutikum in Zukunft nur noch bei 15 Prozent der kleinen Patienten einsetzen zu müssen. "Wir können nicht bei allen Kindern auf das Medikament verzichten", sagt der Studienleiter. "Bei Kindern mit Metastasen oder hohem Rückfallrisiko wäre ein Verzicht zu riskant."

Im Rahmen dieser multizentrischen Therapie-Optimierungsstudie, an der auch Kliniken in Österreich, der Schweiz, England und den Niederlanden teilnehmen, sollen durch Zusammenarbeit auf nationaler und internationaler Ebene von möglichst vielen Patienten mit gleicher Erkrankung zuverlässige Daten erhoben werden. Dies ist die Voraussetzung, um in Zukunft die beste Behandlung für die Patienten anwenden zu können.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

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