Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schwere Venenleiden werden seltener

18.06.2003


Krampfadern, Hautveränderungen, Geschwüre: Jeder 6. Mann und jede 5. Frau zwischen 18 und 79 Jahren leiden unter chronischen Erkrankungen ihrer Beinvenen, lediglich jeder Zehnte weist keinerlei Venenveränderungen auf.



Das ist das Ergebnis einer Studie, die Mediziner der Universität Bonn durchgeführt haben. Die Forscher untersuchten Häufigkeit und Ausprägung von Venenkrankheiten in der städtischen und ländlichen Bevölkerung. Dafür befragten sie mehr als 3000 Personen, darunter rund 2000 Bonner und 1000 Probanden aus dem Umland der Bundesstadt. Im Vergleich zu einer Studie von 1981 zeigte sich, dass Venenkrankheiten in der Bevölkerung immer noch weit verbreitet sind, dass aber die schweren Ausprägungen in den vergangenen 20 Jahren zurückgegangen sind.

... mehr zu:
»Venenkrankheit


Die bekanntesten und häufigsten Venenkrankheiten sind mit einer Verbreitung von knapp 60 Prozent so genannte "Besenreiser", gefolgt von Krampfadern, unter denen jeder siebte Proband litt. Dass dies lediglich die Symptome der eigentlichen Erkrankung sind, wissen die wenigsten. "Ursache ist meist eine Klappeninsuffizienz, bei der die Venenklappen nicht mehr vollständig schließen, so dass sich das sauerstoffarme Blut durch Rückfluss in den Beinen staut", erklärt der Bonner Dermatologe Professor Dr. Eberhard Rabe. Noch immer werden Krampfadern meist lediglich als ästhetisches Problem gesehen - ein gefährlicher Irrglaube: Unbehandelt können sie sich zu einem Unterschenkelgeschwür auswachsen; durch die Unterversorgung mit Sauerstoff kommt es schlimmstenfalls zu "offenen Beinen".

Die Häufigkeit von Besenreisern und Krampfadern ist in den letzten 20 Jahren annähernd gleich geblieben. Hautveränderungen bis hin zu einem Unterschenkelgeschwür sind dagegen deutlich zurückgegangen: nur noch 3,6% aller Untersuchten waren von derartigen schweren Ausprägungen betroffen - vor 20 Jahren waren es noch 13%. "Eine Erklärung hierfür liegt möglicherweise in der größeren Aufmerksamkeit, die man inzwischen Venenkrankheiten schenkt", erklärt Professor Rabe. "Immerhin 7% der Befragten sind bereits an den Venen operiert worden; jeder siebte hat schon einmal Kompressionsstrümpfe getragen." Im Vergleich zwischen ländlicher und städtischer Bevölkerung gibt es überraschenderweise nur geringe Unterschiede.

Männer leiden etwa genauso häufig unter Hautschäden und Geschwüren wie Frauen; Beinschwellungen sind dagegen eher ein Frauenproblem: 42% der untersuchten Frauen, aber nur 16% der Männer gaben an, bereits unter Beinschwellungen gelitten zu haben. Von Krampfadern waren Männer zum Zeitpunkt der Untersuchung mit 12,4% fast ebenso häufig wie Frauen (15,8%) betroffen. Erstaunlicherweise gaben aber 36% der Frauen und nur 19% der Männer an, zuvor bereits einmal unter Krampfadern gelitten zu haben. Männer scheinen Krampfadern eher als Frauenproblem zu sehen und entsprechende Anzeichen, die sie bei sich selbst entdecken, zu verharmlosen oder zu ignorieren.

Die Bonner Venenstudie war von der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie in Auftrag gegeben worden; sie wurde vom Bundesgesundheitsministerium gefördert. Die letzte Studie zur Verbreitung von Venenkrankheiten in Deutschland stammt aus Tübingen und liegt schon 20 Jahre zurück. Die Bonner Untersuchung sollte eine aktuelle Datenbasis liefern und zudem Vergleiche zwischen Land- und Stadtbevölkerung ermöglichen. Die Durchführung erfolgte in der Dermatologischen Universitäts-Klinik Bonn unter Leitung von Professor Rabe und Dr. Felizitas Pannier-Fischer. Dabei arbeiteten die Bonner Mediziner mit dem Institut für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie der Universität Essen zusammen. Die Probanden wurden per Los von den zuständigen Einwohnermeldeämtern bestimmt. Die Teilnehmer wurden gebeten, einen Fragebogen auszufüllen und an einer ärztlichen Untersuchung teilzunehmen.

Ansprechpartner:

Professor Dr. Eberhard Rabe
Dermatologische Klinik der Universität Bonn
Telefon: 0228 - 287-6630
E-Mail: eberhard.rabe@meb.uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Venenkrankheit

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neuer Ansatz gegen Gastritis
10.08.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

nachricht Wenn Schimmelpilze das Auge zerstören
10.08.2017 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie