Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit neuem Verfahren Nebenwirkungen der Chemotherapie minimieren

16.06.2003


Neues Verfahren kurz vor klinischer Prüfung



Die Heilungschancen vieler Krebsarten konnten in den vergangenen Jahren durch die Chemotherapie deutlich verbessert werden. Allerdings verhindern starke Nebenwirkungen oftmals die Gabe von therapeutisch notwendigen Mengen dieser Zytostatika. Besonders das blutbildende System wird durch eine hochdosierte Chemotherapie in Mitleidenschaft gezogen. Professor Dr. Christopher Baum, Medizinische Hochschule Hannover, hat jetzt zusammen mit Wissenschaftlern vom Universitätskrankenhaus Hamburg-Eppendorf ein Verfahren zum Schutz der Blutzellen optimiert. Die Deutsche Krebshilfe unterstützte das Forschungsprojekt mit über 500.000 Euro.



Die Chemotherapie ist eine der wichtigsten Säulen der Krebsbekämpfung. Die Medikamente sollen das Wachstum der Tumorzellen stoppen, die Geschwulst verkleinern oder sogar ganz zerstören. In manchen Fällen müssen die Chemotherapeutika sehr hoch dosiert werden. Die Gefahr dabei: Auch gesunde Körperzellen, wie die Blutstammzellen, werden angegriffen. Aus diesen blutbildenden Zellen des Knochmarks gehen alle Blutzellen des Körpers hervor. Werden sie zerstört, können lebensbedrohliche Organschäden oder sogar Blutkrebs die Folge sein. Wir haben ein Verfahren entwickelt, mit der sich das blutbildende System gegen die starken Nebenwirkungen der Chemotherapie schützen kann, erklärt der Projektleiter Professor Baum.

In jeder Zelle des menschlichen Körpers sind die Gene in Form der Desoxyribonukleinsäure (DNS), der Erbsubstanz, enthalten. Die genetische Information kodiert für die so genannten Proteine, die alle lebenswichtigen Funktionen im Körper steuern. Durch labortechnische Methoden ist es heute möglich, neue Gene in das körpereigene Erbgut einzubringen. In unserem Projekt wird in die Blutstammzellen ein Gen eingeschleust, das die blutbildenden Zellen widerstandsfähiger macht: Sie werden resistent gegen die Chemotherapeutika und können durch die Zellgifte nicht mehr zerstört werden, erläutert der Wissenschaftler.

Gene können jedoch nicht in nackter Form in die Zellen eingebracht werden. Sie benötigen dazu eine Art Vehikel. Um das therapeutisch wirksame Resistenz-Gen in die Blutstammzellen einzufügen, nutzt das Forscherteam daher so genannte „Gen-Fähren“, auch Vektoren genannt. Diese sind in der Lage die fremde Erbinformation aufzunehmen und in die Zielzellen, hier die Blutstammzellen, einzuschleusen. Für den Gentransfer müssen die Zellen dem Körper entnommen werden und mit dem Vektor in Kontakt kommen“, erklärt Professor Baum das Verfahren. In dem Gen-Vektor wird dazu dessen eigene Erbsubstanz entfernt und durch das Resistenz-Gen ersetzt. Wenn wir nun im Labor die Stammzellen mit dem Gen-Vehikel kombinieren, fügt sich das Resistenz-Gen des Vektors in das Erbgut der Stammzellen ein. Der Clou dabei: Nach dem Rücktransfer in den Körper produziert das Gen ein Protein, das in den Blutstammzellen wie eine Entgiftungspumpe funktioniert. Es filtert die Chemotherapeutika aus den Zellen heraus.

Der Ansatz war bisher nicht effizient genug, um in die klinische Prüfung zu gehen. Jetzt ist es uns gelungen, den Vektor technisch zu optimieren und so die Übertragung des Resistenz-Gens effektiver zu machen, hebt Professor Baum hervor. „Darüber hinaus haben wir die biologische Sicherheit des Vektors in Laboruntersuchungen überprüft und wichtige Erkenntnisse zur Dosisfindung gewonnen. Doch der Mediziner gibt zu bedenken: Auch die gentherapeutische Behandlung der Blutstammzellen birgt, wie jeder Eingriff in den menschlichen Körper, die Gefahr von Nebenwirkungen. Das vorrangige Ziel sei es daher, die Nebenwirkungen, die durch die genetische Veränderung der Blutstammzellen entstehen, zu minimieren.

| Deutsche Krebshilfe e.V.
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Berichte zu: Blutstammzelle Chemotherapie Gen Resistenz-Gen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Stammzell-Transplantation: Aktivierung von Signalwegen schützt vor gefährlicher Immunreaktion
20.04.2017 | Technische Universität München

nachricht Was Bauchspeicheldrüsenkrebs so aggressiv macht
18.04.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunzellen helfen bei elektrischer Reizleitung im Herzen

Erstmals elektrische Kopplung von Muskelzellen und Makrophagen im Herzen nachgewiesen / Erkenntnisse könnten neue Therapieansätze bei Herzinfarkt und Herzrhythmus-Störungen ermöglichen / Publikation am 20. April 2017 in Cell

Makrophagen, auch Fresszellen genannt, sind Teil des Immunsystems und spielen eine wesentliche Rolle in der Abwehr von Krankheitserregern und bei der...

Im Focus: Tief im Inneren von M87

Die Galaxie M87 enthält ein supermassereiches Schwarzes Loch von sechs Milliarden Sonnenmassen im Zentrum. Ihr leuchtkräftiger Jet dominiert das beobachtete Spektrum über einen Frequenzbereich von 10 Größenordnungen. Aufgrund ihrer Nähe, des ausgeprägten Jets und des sehr massereichen Schwarzen Lochs stellt M87 ein ideales Laboratorium dar, um die Entstehung, Beschleunigung und Bündelung der Materie in relativistischen Jets zu erforschen. Ein Forscherteam unter der Leitung von Silke Britzen vom MPIfR Bonn liefert Hinweise für die Verbindung von Akkretionsscheibe und Jet von M87 durch turbulente Prozesse und damit neue Erkenntnisse für das Problem des Ursprungs von astrophysikalischen Jets.

Supermassereiche Schwarze Löcher in den Zentren von Galaxien sind eines der rätselhaftesten Phänomene in der modernen Astrophysik. Ihr gewaltiger...

Im Focus: Deep inside Galaxy M87

The nearby, giant radio galaxy M87 hosts a supermassive black hole (BH) and is well-known for its bright jet dominating the spectrum over ten orders of magnitude in frequency. Due to its proximity, jet prominence, and the large black hole mass, M87 is the best laboratory for investigating the formation, acceleration, and collimation of relativistic jets. A research team led by Silke Britzen from the Max Planck Institute for Radio Astronomy in Bonn, Germany, has found strong indication for turbulent processes connecting the accretion disk and the jet of that galaxy providing insights into the longstanding problem of the origin of astrophysical jets.

Supermassive black holes form some of the most enigmatic phenomena in astrophysics. Their enormous energy output is supposed to be generated by the...

Im Focus: Neu entdeckter Exoplanet könnte bester Kandidat für die Suche nach Leben sein

Supererde in bewohnbarer Zone um aktivitätsschwachen roten Zwergstern gefunden

Ein Exoplanet, der 40 Lichtjahre von der Erde entfernt einen roten Zwergstern umkreist, könnte in naher Zukunft der beste Ort sein, um außerhalb des...

Im Focus: Resistiver Schaltmechanismus aufgeklärt

Sie erlauben energiesparendes Schalten innerhalb von Nanosekunden, und die gespeicherten Informationen bleiben auf Dauer erhalten: ReRAM-Speicher gelten als Hoffnungsträger für die Datenspeicher der Zukunft.

Wie ReRAM-Zellen genau funktionieren, ist jedoch bisher nicht vollständig verstanden. Insbesondere die Details der ablaufenden chemischen Reaktionen geben den...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungen

Baukultur: Mehr Qualität durch Gestaltungsbeiräte

21.04.2017 | Veranstaltungen

Licht - ein Werkzeug für die Laborbranche

20.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Intelligenter Werkstattwagen unterstützt Mensch in der Produktion

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Forschungszentrum Jülich auf der Hannover Messe 2017

21.04.2017 | HANNOVER MESSE

Smart-Data-Forschung auf dem Weg in die wirtschaftliche Praxis

21.04.2017 | Veranstaltungsnachrichten