Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gene und Krankheit - Chancen und Grenzen der prädiktiven genetischen Diagnostik

27.03.2003


Die schnellen Fortschritte der Genomforschung in den letzten Jahren, darunter vor allem die Entschlüsselung des menschlichen Genoms, versprechen erhebliche Fortschritte in der medizinischen Anwendung. Dazu gehört auch der Bereich der prädiktiven genetischen Diagnostik, das heißt der Möglichkeit, eine Krankheitsdisposition noch vor Ausbruch klinischer Symptome zu erkennen oder Aussagen zur Wahrscheinlichkeit des Auftretens der Krankheit zu machen.



Das bessere Verständnis für den Zusammenhang zwischen genetischen Dispositionen und Krankheiten hat zu einem sprunghaften Anstieg genetischer Testverfahren geführt. Das geplante Gentestgesetz soll dem erheblichen Regelungsbedarf auf diesem Gebiet Rechnung tragen.

... mehr zu:
»Diagnostik »Genforschung


Vor diesem Hintergrund hat die Senatskommission für Grundsatzfragen der Genforschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eine neue Stellungnahme zur prädiktiven genetischen Diagnostik erarbeitet. Sie löst die Stellungnahme "Humangenomforschung und prädiktive genetische Diagnostik: Möglichkeiten - Grenzen - Konsequenzen" aus dem Jahr 1999 ab und führt über diese hinaus.

Die wesentlichen Empfehlungen der neuen Stellungnahme sind in sechs Punkten zusammengefasst, die dem Text vorangestellt sind. Neben der Forderung, die Forschung in diesem Bereich nachhaltig zu fördern, beziehen sich die Empfehlungen auf den Arztvorbehalt und die Qualitätssicherung, die genetischen Proben und Datenbanken sowie das Arbeits- und Versicherungsrecht.

Die DFG schlägt vor, die Durchführung prädiktiver genetischer Tests von Gesetzes wegen Ärzten vorzubehalten. Prädiktive genetische Diagnostik müsse stets mit qualifizierter genetischer Beratung sowohl vor dem Test als auch nach dem Vorliegen des Testergebnisses verbunden sein. Durch die Überantwortung an den ärztlichen Berufsstand werde die Autonomie der Betroffenen geschützt und zugleich sichergestellt, dass eine adäquate Indikationsstellung erfolgt, angemessene Qualitätsstandards eingehalten werden und die Gebote der Schweigepflicht und des Datenschutzes gewahrt bleiben. Eine genetische Diagnostik nach primär kommerziellen Gesichtspunkten muss nach Auffassung der DFG verboten werden.

Bei genetischen Proben- und Datenbanken muss nach Ansicht der DFG die Gewinnung, Speicherung und Bearbeitung von Proben und Daten mit einem zuverlässigen Schutz der jeweiligen Spender vor missbräuchlicher Verwendung einhergehen. Außerdem muss der Spender selbstbestimmt in die Verwendung seiner Proben und Daten einwilligen. Unter diesen Voraussetzungen ist nach Auffassung der DFG auch eine Proben- oder Datenspende mit weitgefasster Nutzungserlaubnis, ohne Bindung an bereits konkretisierte Forschungsvorhaben, ethisch und rechtlich vertretbar. Es gelte, den Persönlichkeitsschutz der Spender und den Vertrauensschutz für Forscher angemessen auszubalancieren.

Im Bereich des Arbeits- und Versicherungsrechtes plädiert die DFG dafür, prädiktive genetische Tests im Zusammenhang mit einem Arbeitsverhältnis nur dann durchzuführen, wenn der Test dem Schutz des Arbeitnehmers dient und es um den voraussehbaren Ausbruch einer genetischen Krankheit geht, die mit dem Arbeitsverhältnis in unmittelbarem Zusammenhang steht. Des Weiteren sollten sie dann durchgeführt werden können, wenn die Folgen einer derartigen wahrscheinlich auftretenden genetisch bedingten Erkrankung andere Personen erheblich gefährden würden.

Nach Auffassung der DFG sollten prädiktive genetische Tests nicht zur allgemeinen Voraussetzung für den Abschluss eines Versicherungsvertrages gemacht werden.

Die prädiktive genetische Diagnostik berührt zentrale Prinzipien unserer rechtlichen Grundordnung und unseres Selbstverständnisses. Der Umgang mit Ergebnissen aus genetischen Tests muss gewährleisten, dass das Recht auf individuelle Selbstbestimmung gewahrt bleibt, sofern es nicht die Rechte und Interessen anderer Personen verletzt. Das Recht auf Wissen sowie das auf Nichtwissen sind dabei von zentraler Bedeutung. Der Gesetzgeber hat die Aufgabe, durch entsprechende Regelungen dafür zur sorgen, dass die Entscheidungen informiert getroffen werden.

Genetische Tests dürfen unter keinen Umständen dazu beitragen, bestimmte Personengruppen aufgrund ihrer Dispositionen auszusondern oder zu diskriminieren.


Prädiktive genetische Diagnostik:
Wissenschaftliche Grundlagen, praktische Umsetzung und soziale Implementierung
Stellungnahme der Senatskommission für Grundsatzfragen der Genforschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft
März 2003, 63 Seiten.
Der Text kann im Internet abgerufen werden unter: www.dfg.de


Nähere Informationen
Professor Dr. Bärbel Friedrich, Vorsitzende der Senatskommission für Grundsatzfragen der Genforschung, Humboldt-Universität zu Berlin, Tel.: 030/2093-8100,
E-Mail: baerbel.friedrich@rz.hu-berlin.de;
Dr. Annette Schmidtmann, Programmdirektorin der DFG, Tel.: 0228/885-2243,
E-Mail: annette.schmidtmann@dfg.de

Dr. Eva-Maria Streier | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de/aktuelles_presse/reden_stellungnahmen/2003/redstell/praed_genetische_diagnostik.html

Weitere Berichte zu: Diagnostik Genforschung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften