Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schrecken Bioterrorismus: Schnelle Nachweisverfahren für Viren mindern das Epidemie-Risiko

18.03.2003


Die Angst vor Viren ist begründet - Schrecken des Bioterrorismus - Risiko Fernreisen - Schnelle Nachweisverfahren mindern das Epidemie-Risiko deutlich



Sie sind für das bloße Auge unsichtbar und dringen unbemerkt in den Körper ein: krankheitserregende Viren. Mit dem drohenden Angriff der USA auf den Irak wächst auch in Deutschland die Angst vor Vergeltungsschlägen durch Bioterroristen, die absichtlich Krankheiten verbreiten, um die Bevölkerung und damit auch die Regierung verfeindeter Länder an einer Stelle zu treffen, die nicht mit Panzern und Abfangjägern geschützt werden kann. Gefährliche Erre-ger gelangen aber auch auf "zivilem" Weg nach Europa. Der Massentourismus in exotische Länder ist zum Risikofaktor Nummer eins geworden. Tropenmediziner im Bernhard-Nocht-Institut arbeiten an der Entwicklung eines speziellen Diagnostik-Sets, mit dem Viren schnell und sicher nachgewiesen werden können - und das nicht nur in Spezialkliniken und -instituten, sondern direkt dort, wo eine Infektion auftritt. Das Projekt wird vom Bundesgesundheitsministerium im Rahmen des Programms zur Terrorbekämpfung unterstützt.



Die meisten der in unseren Breiten früher tödlichen Krankheiten sind ausgerottet oder mit ein paar Pillen und drei Tagen Bettruhe ohne schwerwiegende Folgen zu behandeln. Dafür scheinen immer neue oder besiegt geglaubte Krankheiten bedrohlich in unser keimfreies Leben einzudringen. Realer als die Bedrohung durch einen bioterroristischen Angriff ist derzeit allerdings ein häufig unterschätztes Phänomen: Durch Massentourismus in Länder, die noch vor 50 Jahren als exotische Bilderbuchorte unerreichbar waren, werden Krankheiten eingeschleppt, die schwer zu behandeln sind, weil sie die westliche Welt bisher nicht betrafen und damit auch wenig erforscht sind. Andererseits haben sich auch Krankheiten, wie etwa die Kinderlähmung, die erst durch Reisende in andere Länder eingeschleppt wurden, dort erhalten und können für Europäer jetzt wieder eine Bedrohung sein, wenn der Impfschutz nachlässt. "Der letzte Poliofall in Deutschland wurde 1992 nachgewiesen. Es handelte sich um einen aus dem Ausland eingeschleppten Erkrankungsfall. Wenn man in ein asiatisches oder afrikanisches Land reist, in dem es noch häufig Polioerkrankungen gibt, sollte man auf jeden Fall seine Impfung auffrischen," rät Professor Herbert Schmitz, Virologe am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNI) in Hamburg. Ein aktuelles Thema sind für ihn auch die tropischen Viren: "2001 hatten wir in Europa sogar mehr als einen Fall mit Verdacht auf Lassafieber." Die Krankheit, an der im Januar 2000 eine deutsche Studentin verstorben war, ist hochinfektiös, kommt aber nur in ländlichen Gegenden Westafrikas vor. Sie ist - ähnlich wie Ebola - mit schweren inneren Blutungen verbunden und lässt sich nur in der Frühphase therapieren. Eine Impfung existiert nicht. Hiesige Mediziner sind nun meist nicht dazu ausgebildet, solche Krankheiten rechtzeitig zu erkennen oder zu behandeln, deshalb bedarf es Referenzzentren, die auf diese Krankheiten spezialisiert sind.

2002 wurde das zur Leibniz-Gemeinschaft gehörende BNI in Hamburg vom Bundesgesundheitsministerium zum Nationalen Referenzzentrum für tropische Infektionserreger erklärt. Das Traditionsinstitut, das seit mittlerweile 100 Jahren die Erforschung und Behandlung tropischer Krankheiten zur Aufgabe hat, ist Ansprechpartner für Ärzte und Betroffene, berät aber auch die Bundesregierung in der Einschätzung der Bedeutung solcher Krankheiten. Um auf Bedrohungsszenarien, wie sie speziell im Zusammenhang mit dem Stichwort "Bioterrorismus" immer wieder gezeichnet werden, angemessen reagieren zu können, muss vor allem Information in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen. Regierungen sind darauf angewiesen, dass solche Informationen zentral gesammelt und weiter bearbeitet werden.

Ein Angriff beispielsweise mit Pocken ist mit vielen Unwägbarkeiten verbunden. Die Krankheit zeigt sehr spezifische Symptome und würde deshalb wahrscheinlich schnell erkannt und bekämpft werden können. Bei rechtzeitiger Isolierung und Behandlung der Betroffenen, wie es auf der Isolierstation des BNI geschehen könnte, sowie schneller Impfung aller Kontaktpersonen wäre die Krankheit wahrscheinlich rasch unter Kontrolle zu bringen. Eine Erkrankung würde außerdem nicht mit einem großen, medienwirksamen Knall, sondern schleichend einsetzen, da von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit im Fall von Pocken ein Zeitraum von 7 bis 19 Tagen liegt. Damit wäre auch ein Eingrenzen der Infektion auf Gebiete, die Terroristen mit einem Anschlag besonders treffen möchten, praktisch unmöglich. Für eine Infektion mit dem Milzbranderreger Anthrax gilt Ähnliches. Die schnelle Identifizierung der Krankheit ist in jedem Fall eine entscheidende Voraussetzung dafür, eine ernsthafte Bedrohung zu verhindern.

Die Wissenschaftler des BNI können deutschlandweit die größte Zahl von Erregern nachweisen, insbesondere seltene wie Pocken-, Ebola- oder Lassaviren. Das Institut hat sich aber auch auf die Entwicklung neuer, schnellerer Nach-weisverfahren, insbesondere für eventuell bioterroristisch nutzbare Infektionserreger, spezialisiert. Dieses Projekt wird vom Bundesgesundheitsministerium im Rahmen eines Programms zur Terrorbekämpfung gefördert. So hat das BNI beispielsweise nach den Milzbrandattentaten in den USA im Herbst 2001 schnell ein molekulares Nachweisverfahren entwickelt.

Aber auch für durch Touristen oder Migranten nach Deutschland kommende Krankheiten, wie etwa das Dengue-, das West-Nil-Fieber oder besonders häufig Malaria, müssen Nachweisverfahren und Behandlungsmethoden bereitgestellt werden. Mit seinem Hochsicherheitslaboratorien und der Isolierbettenstation bietet das BNI ideale Vorraussetzungen für genaueste Untersuchungen. Eine schnelle und sichere Diagnose sollte aber im Ernstfall nicht nur an spezialisier-ten Instituten gelingen sondern auch dort möglich sein, wo eine Erkrankung auftritt, sei es in Deutschland oder im Ausland. Deshalb entwickelt das BNI in Kooperation mit der artus GmbH Diagnostik-Sets, so genannte PCR-Kits. Die PCR oder Polymerasekettenreaktion ist eine molekulare Technik, mit deren Hilfe schon geringste Mengen von Erbsubstanz entdeckt werden können. Zurzeit arbeiten die BNI-Wissenschaftler an einem Set für den Nachweis von Ebola-Viren.

Kontakt im BNI:
Dr. Barbara Ebert
Tel.: 040 - 42818-525
Fax: 040 - 42818-400
E-Mail: barbaraebert@bni-hamburg.de

Fragen zur Leibniz-Gemeinschaft:
Dr. Frank Stäudner
Tel.: 030 - 206049-42
Fax: 030 - 206049-55
Mobil: 0174 - 318 90 36
E-Mail: staudner@wgl.de

Dr. Frank Stäudner | idw
Weitere Informationen:
http://www.bni.uni-hamburg.de

Weitere Berichte zu: BNI Bioterrorismus Epidemie-Risiko Infektion Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Vitamin-Mangel, der Kampf gegen die Antriebslosigkeit und Nahrung für die Nerven
08.12.2016 | PhytoDoc Ltd.

nachricht Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs
06.12.2016 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops