Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verfeinerte Strahlentherapie bei Prostatakrebs - mehr Sicherheit und Lebensqualität für Patienten

30.10.2002


Das Universitätsklinikum Tübingen bietet weltweit als einzige Einrichtung die Monte Carlo Dosisberechnung bei der Prostatabestrahlung an. Dabei wird das umgebende Gewebe in die Berechnung der Strahlendosis einbezogen. Darüber hinaus ist Tübingen neben Detroit derzeit die einzige Einrichtung, die die natür-liche Bewegung der Prostata in die Bestrahlungsplanung einbezieht. Beide Techniken werden in Kombination mit der "Intensitätsmodulierten Strahlentherapie", (die für Patienten außer in Tübingen noch in Berlin und Heidelberg angeboten wird) angeboten.



Prostatakrebs ist das häufigste Krebsleiden des Mannes. Jedes Jahr erkranken rund 40 000 Männer neu in Deutschland, rund 10 000 sterben daran. Das Behandlungsspektrum reicht über Operation, Chemotherapie und Bestrahlung bis hin zu neuen, schonenden Verfahren. Die Strahlentherapie spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie "deponiert" eine möglichst hohe Strahlendosis im Tumorgewebe mit dem Ziel, den Tumor bei weitestgehender Funktionserhaltung des benachbarten, gesunden Gewebes abzutöten. Zwar sind Krebszellen besonders empfindlich gegen die verwendete Röntgenstrahlung, aber alle Gewebe, die der Photonenstrahl auf seinem Weg durch den Körper durchdringt, werden ebenfalls belastet. Deshalb dürfen bestimmte Grenzwerte nicht überschritten werden und bestimmte Körperteile sind besonders verwundbar. Bei der Bestrahlung der Prostata ist dies zum Beispiel der Enddarm: Entzündungen und häufiger Stuhldrang können als Folge der Bestrahlungen auftreten.

... mehr zu:
»Gewebe »Prostata »Strahlentherapie


Verfeinerte strahlentherapeutische Verfahren, die überwiegend kontinenz- und zum Teil auch potenzerhaltend sind, können diesen Nebenwirkungen im Darmbereich ver-ringern. Das bedeutet mehr Sicherheit und Lebensqualität für die Patienten. Eine derartig schonende Bestrahlung von Prostatakrebs ist in Deutschland derzeit nur an wenigen Zentren wie z.B. am Uniklinikum Tübingen, der Berliner Charité und dem DKFZ in Heidelberg möglich Die Wissenschaftler und Ärzte des Tübinger Klinikums zählen damit sowohl bei den Forschungsergebnissen als auch bei der Patientenbehandlung zur Spitze der internationalen Forschung.

Wie funktioniert das, wenn man nicht breitflächig das die Prostata umgebende Gewebe mitbestrahlen und empfindliche Bereiche schädigen will?

Hier kommen neben den Strahlentherapeuten auch die Spezialisten der Medizinischen Physik zum Einsatz, die anhand von Computertomographiedaten das Bestrah-lungsfeld den Umrissen des Tumors genau anpassen und parallel dazu die Strahlungsintensität innerhalb des Feldes variieren. Der Fachbegriff dazu lautet "Intensitätsmodulierte Strahlentherapie". Die gesunden Bereiche werden quasi "ausgeblendet" (d.h. gar nicht oder weniger bestrahlt), indem der Tumor aus verschiedenen Richtungen mit unterschiedlicher Dosisverteilung bestrahlt wird.

Das dazu erforderliche Gerät heißt Multileaf Collimator. Im Kopf des Bestrahlungsgerätes befinden sich ca. 80 schmale Lamellen, die - jede mit einem eigenen

Motor - elektronisch gesteuert in das Bestrahlungsfeld eingefahren werden können. Damit können nicht nur die Bestrahlungsfelder geformt sondern auch die Dosis innerhalb des Bestrahlungsfeldes variiert werden. Auf diese Weise werden Bestrahlungsfeld und Bestrahlungsdosis genau an den einzelnen Patienten angepasst.

Kein ortsfestes Organ..........

Aber das ist noch nicht alles: Da sich die Prostata durch ihre Lage neben Dickdarm und Blase je nach Füllmenge an einem anderen Platz befinden kann, ist es sehr schwierig, trotz genauster Lagerung des Patienten das Organ immer an derselben Stelle "anzutreffen". Das kleine Organ kann sich bis um 1 cm verschieben. Aus diesen Gründen werden in Tübingen mehrere patientenbezogene Computertomographien angefertigt und aus diesem individuellen Datenmaterial wird berechnet, wo die Prostata bei jedem einzelnen Patienten liegt, d.h. die zusätzliche Bewegung des Organs wird in den Bestrahlungsplan einkalkuliert. Weltweit wird nur in Tübingen und in Detroit diese natürliche Bewegung der Prostatadrüse in die Bestrahlungsplanung systematisch einbezogen!

Nur in Tübingen....

Eine Spezialität der Tübinger Forscher an der Radioonkologischen Klinik des Tübinger Universitätsklinikums ist die Anpassung der Dosisberechnung an das umgebende Gewebe. Normalerweise geht man bei der Berechnung der Dosis rein physikalisch von einer wasserähnlichen Umgebung aus. Dies ist bei der Prostata auch gegeben. Ganz anders sieht es aber im Kopf-/Hals-Bereich oder in der Lunge aus, wo stark differenzierte Gewebebereiche wie Knochen, Lungengewebe (Luft), Fett und Muskeln vorkommen. Hier kommt in Tübingen eine weltweit einzigartige spezielle Dosisberechnung (Monte Carlo) zum Einsatz, die die verschiedenen Strukturen berücksich-tigt. Dabei gilt Monte Carlo bei einer Fehlerquote unter 1% als die präziseste Dosisberechnungsmethode.


Ansprechpartner für nähere Informationen

Universitätsklinikum Tübingen
Radioonkologische Klinik (Ärztlicher Direktor Prof. Michael Bamberg)

Prof. Wilfried Budach (Strahlentherapie, Patientenbehandlung)
Tel. 0 70 71 / 29-8 61 42, Fax 0 70 71 / 29-58 94
Prof. Fridtjof Nüsslin (Medizinische Physik)
Tel. 0 70 71 / 29-8 21 76, Fax 0 70 71 / 29-59 20
Dr. Markus Alber (Intensitätsmodulierte Strahlentherapie, Organbewegung, Monte Carlo), Tel. 0 70 71 / 29-8 60 55, Fax 0 70 71 / 29-59 20

Dr. Ellen Katz | idw

Weitere Berichte zu: Gewebe Prostata Strahlentherapie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Methode der Eisenverabreichung
26.04.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Bestrahlung bei Hirntumoren? Eine neue, verlässlichere Einteilung erleichtert die Entscheidung
26.04.2017 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie