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Pocken- und Tuberkulose-Impfung können Hautkrebsrisiko senken

09.10.2002


Studie in Europa und Israel belegt: Melanomrisiko verringert sich nach Impfung im Kindesalter



Das maligne Melanom, auch schwarzer Hautkrebs genannt, ist in den letzten Jahrzehnten bei der hellhäutigen Bevölkerung immer häufiger geworden. In Deutschland erkranken jährlich ca. 8000 Menschen neu an dieser Krankheit. Bisher hat die epidemiologische Forschung als einzigen von Menschen beeinflussbaren Risikofaktor übermäßige Sonnenlichtstrahlung herausgestellt. Einen völlig anderen, von der Forschung bisher unbeachteten Aspekt des Melanomrisikos, hat ein Team der EORTC (European Organisation for the Research and Treatment of Cancer) Melanomgruppe um Professor Dr. Klaus Kölmel, Abteilung Dermatologie und Venerologie - Bereich Humanmedizin der Universität Göttingen, zusammen mit der Abteilung für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie der Universität Erlangen beleuchtet: Den Einfluss der im Kindesalter verabreichten Impfungen gegen die Tuberkulose und die Pocken (A. Pfahlberg, K.F. Kölmel, et al. Inverse association between melanoma and previous vaccinations against tuberculosis and smallpox: Results of the FEBIM study. J Invest Dermatol 2002; 119: 570-574). Die Untersuchung ist die erste, die diesen Einfluss für eine Krebsart der Erwachsenen beschreibt. Ihre Ergebnisse sind von grundsätzlicher Bedeutung für die Krebsprävention. Das Forschungsvorhaben wurde gefördert durch das Cancer Research Institute, New York und die Deutsche Krebshilfe, Bonn.



Als Ergebnis einer Fall-Kontroll-Studie an 603 Melanomkranken und 627 gesunden Kontrollpersonen, die an elf Kliniken in sechs Ländern Europas und Israel durchgeführt wurde, stellten sie folgendes fest: Bei Personen beiderlei Geschlechts, die jünger als 50 Jahre sind, ist das Melanomrisiko auf etwa ein Viertel vermindert, wenn sie als Kinder eine dieser Impfungen erhalten hatten; wurden beide Impfungen durchgeführt, ergab sich kein zusätzlicher Schutz. Für höhere Altersgruppen ist dieser Schutz geringer, jedoch wird dann ein additiver Effekt beider Impfungen beobachtet. Das Gesamtkollektiv, das heißt ohne Berücksichtigung der Altersklassen, zeigt eine Risikoreduktion auf etwa die Hälfte. Sowohl hierbei als auch bei allen genannten Teiluntersuchungen ist der Effekt der Tuberkuloseimpfung immer etwas stärker als der der Pockenimpfung.

Der Schutzwirkung liegt wahrscheinlich ein unspezifischer immunologischer Mechanismus zu Grunde. Es ist zu vermuten, dass diese sich auch auf andere Krebsarten erstreckt. Bisher befassten sich Untersuchungen zur Konditionierung des Immunsystems durch Impfungen und Infektionen in der frühen Kindheit ausschließlich mit dem Atopierisiko (Atopie = Neigung zu Neurodermitis, Heuschnupfen, allergischem Asthma).

Die komplette Studie sowie weitere Informationen erhalten Sie bei:

Universität Göttingen - Bereich Humanmedizin
Prof. Dr. Klaus Kölmel
Abt. Dermatologie und Venerologie
Von-Siebold-Str. 5
37075 Göttingen
Tel.: 0551/39 - 6081
E-Mail: kkoelmel@med.uni-goettingen.de

Rita Wilp | idw

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