Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Krebs-Medizin wird individualisiert

23.09.2002


Erster Mildred Scheel Krebs-Kongress der Deutschen Krebshilfe

Das menschliche Genom ist entziffert, das Buch des Lebens liegt aufgeschlagen vor uns. Dies ist insbesondere für die Krebsforschung von enormer Bedeutung. Die Deutsche Krebshilfe veranstaltete zu diesem Thema vom 19. bis 21. September 2002 die erste Mildred Scheel Cancer Conference auf dem Petersberg bei Bonn. 140 führende Experten und Nachwuchswissenschaftler aus dem In- und Ausland stellten auf diesem hochkarätigen Symposium ihre neuesten wissenschaftlichen Ergebnisse vor und diskutierten zukunftsweisende Perspektiven für Früherkennungsmethoden, Diagnoseverbesserungen und neue Therapien. Auch ethische Aspekte der molekulargenetischen Forschung waren ein wichtiges Thema.

"Die Entzifferung der menschlichen Erbsubstanz durch das Humangenom-Projekt ist eine wichtige Voraussetzung, um die genetischen Ursachen der Tumorentstehung genauer zu verstehen", sagte Professor Dr. Claus Bartram, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Krebshilfe. "Die neuen Erkenntnisse eröffnen ganz neue Ansätze, um die Diagnose- und Therapie-Möglichkeiten zu verbessern." Renommierte Wissenschaftler aus Europa, Israel und den USA kamen vom 19. bis 21. September 2002 auf dem Petersberg im ehemaligen Gästehaus der Bundesregierung zusammen, um den aktuellen Stand der Krebsforschung vorzustellen und zu diskutieren.

"Wir können jetzt zwar im Buch des Lebens lesen. Die nächsten großen Aufgaben bestehen jedoch darin, den Inhalt zu verstehen und die vielfältigen Funktionen der Gene zu erforschen", sagte Professor Bartram. Eine Vielzahl von krebsauslösenden Genen sind bereits bekannt. "Weil wir die Sequenz des menschlichen Erbguts kennen, können wir nun gezielter und schneller nach Genen suchen, die an der Krebsentstehung beteiligt sind", erläuterte der Humangenetiker. Insbesondere für die Verbesserung der Diagnose seien die neu gewonnenen Kenntnisse wichtig: "Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs. Das genetische Muster jedes Tumors muss bestimmt und individuell betrachtet werden."

Professor Dr. Laura van’t Veer vom Niederländischen Krebs-Institut Amsterdam berichtete von neuen Erkenntnisse in der Diagnose bei Brustkrebs. Ihr Forscherteam arbeitet daran, die Diagnose- und Therapie zu verbessern, um eine Überbehandlung der Patientinnen zu verhindern: "Schon beim kleinsten Tumor kann über das Genprofil frühzeitig erkannt werden, wie hoch das Risiko zur Metastasenbildung ist. Wir hoffen dadurch in Zukunft eine optimale Therapie bei jeder Patientin individuell anpassen zu können."

Allerdings eröffnet das neue Wissen auch neue Probleme hinsichtlich des Umgangs mit den genetischen Daten: "Das Ergebnis eines Gentests kann, je nach Krankheit, lebensrettend sein oder aber eine schwere psychische Belastung bedeuten", erläuterte Professor Bartram. Jeder habe daher nicht nur das Recht auf Wissen über seine genetische Disposition, sondern auch das Recht auf Nichtwissen, das gleichermaßen respektiert werden müsse. Jeder molekulargenetischen Untersuchung müsse deshalb eine umfangreiche Beratung vorangestellt werden.

Ein weiteres Thema der Tagung war die Bedeutung der individuellen genetischen Veranlagung für die Früherkennung. Professor Dr. Albert de la Chapelle, Direktor des "Human Cancer Genetics Programms" der Universität Ohio, USA, verdeutlichte dies am erblich bedingten Darmkrebs HNPCC (hereditäres kolorektales Karzinom ohne Polyopsis), bei dem krankheitsverursachende Genveränderungen relativ leicht bestimmt werden können: "Mittels einer molekulargenetischen Untersuchung können die Betroffenen frühzeitig erkannt und so bei einer konsequenten ärztlichen Überwachung rechtzeitig behandelt werden. Dadurch verbessern sich die Heilungschancen deutlich." Professor de la Chapelle hält daher ein molekulares Screening-Programm für alle Risikopatienten und deren Verwandten für sinnvoll und wünschenswert. Die Deutsche Krebshilfe fördert bereits seit 1999 das Verbundprojekt "Familiärer Darmkrebs", an dem sechs universitäre Zentren beteiligt sind.

Die immer detaillierteren Kenntnisse über das menschliche Genom erleichtern die Entwicklung von neuen Medikamenten, die gezielt und spezifisch wirken. "Von der Erkennung eines Gendefekts bis zur Anwendung in der Klinik dauert es jedoch viele Jahre", bremste Professor Bartram zu hohe Erwartungen an die molekulargenetische Forschung. Die Entwicklung und klinische Überprüfung neuer Medikamente erfordert schon aus Gründen der Qualitätssicherung mehrere Jahre.

Darüber hinaus wurde auf dem Kongress deutlich, dass die Zusammenarbeit der Grundlagenforscher mit den klinischen Partnern weiter intensiviert und ausgebaut werden muss. Eine neue Ära der Interdisziplinarität sei angebrochen. Resümierend stellte Professor Bartram heraus: "Das Ziel der Krebs-Forschung und -Medizin ist nicht, den Krebs zu eliminieren - diese Krankheit wird es immer geben. Unser Ziel muss es sein, dem einzelnen Patienten ganz individuell zu helfen und seine Heilungschancen zu verbessern." Besonders wichtig ist und bleibt aber die Prävention und Früherkennung von Tumorerkrankungen.

Dr. med. Eva M. Kalbheim | idw
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de/

Weitere Berichte zu: Brustkrebs Gen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Neue Therapieansätze bei RET-Fusion - Zwei neue Inhibitoren gegen Treibermutation
26.06.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie