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Der einsame Infarkt: Haben allein Lebende mit dünnem sozialem Netz ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko?

16.08.2002


Auch psychosoziale Faktoren sind, neben den klassischen Risikofaktoren wie z. B. Bluthochdruck, für die Entstehung koronarer Herzerkrankungen mitverantwortlich. Ergebnisse aus Langzeitbeobachtungen im Rahmen des MONICA Projektes* Augsburg legen die Vermutung nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen Familienstand und Herzinfarkt-Risiko gibt: »Allein Lebende haben ein erhöhtes Herzinfarkt-Risiko. Dabei scheint das Single-Dasein per se kein kausaler Faktor zu sein. Wichtiger ist vermutlich die Qualität des gesamten sozialen Beziehungsnetzes« so Dr. Hannelore Löwel vom MONICA Projekt Augsburg. Zur Bestätigung dieser Erkenntnis werden weitere Ergebnisse erwartet.

Erfahrungsgemäß zögern allein Lebende den Anruf beim Notarzt lange hinaus. Verhängnisvoll beim Auftreten eines Herzinfarkts, wo jede Minute zählt und so schnell wie möglich eine wirksame Therapie eingeleitet werden muss. Rettungsärzten kommt dabei ein von Boehringer Ingelheim entwickeltes Thrombolysemedikament entgegen, das innerhalb weniger Sekunden, auch außerhalb der Klinik, verabreicht werden kann.

Die Thrombolyse kann ein knappes Zeitfenster bei der Akutversorgung optimal nutzen

Beim Kampf um Leben und Tod kann der Einsatz eines modernen Lysemedikamentes einen wertvollen Zeitgewinn bedeuten. Boehringer Ingelheim hat dafür das biotechnisch hergestellte Thrombolytikum Tenecteplase (in Deutschland seit 2002 unter dem Warenzeichen Metalyse(R)) eingeführt. Das Medikament kann bereits in der Wohnung oder im Notfallwagen intravenös schnell verabreicht werden. Es löst das Blutgerinnsel auf, das die Herzkranzgefäße verstopft, so dass das Blut wieder ungehindert fließen kann. Das Herz wird ausreichend mit Sauerstoff versorgt und das Absterben weiterer Herzmuskelzellen damit verhindert. Experten sehen in der Anwendung von Tenecteplase den »Goldstandard« der Thrombolysetherapie.

Mortalitätsstudie im Rahmen des MONICA Projekts erhärtet den Zusammenhang zwischen Herzinfarkt-Risiko, Einsamkeit und allein Leben

Um den Einfluss des Familienstandes und der Qualität sozialer Beziehungen auf das Herzinfarkt-Risiko zu überprüfen, wurden 1.030 Männer und 957 Frauen zwischen 55 und 74 Jahren über einen Zeitraum von fünf Jahren untersucht. Dabei wurden Risikofaktoren wie z. B. Hypertonie und Rauchen berücksichtigt. 12 % der Männer und 41 % der Frauen lebten ohne Partner. Mehr als 80 % beantworteten in einem Fragebogen auch Angaben zu ihren sozialen Kontakten. Es zeigte sich, dass alleinstehende Männer fast doppelt so häufig an einem Herzinfarkt starben, wie Männer mit (Ehe-)Partner. 38 % der Männer, die den Fragebogen ausfüllten, ordneten sich in die Kategorie »sehr wenig soziale Kontakte« ein. In dieser Gruppe war die Mortalitätsrate um 11% erhöht. 54 % der Frauen gaben an, »sehr wenig soziale Kontakte« zu haben. Wie bei den Männern war auch in dieser Gruppe die Sterblichkeitsrate erhöht (6,3 %). Beide Faktoren zusammen scheinen deutlichen Einfluss auf das kardiovaskuläre Risiko zu haben, wie auch Dr. Hannelore Löwel vom MONICA-Projekt bestätigte. Deshalb wird dieser Aspekt, nicht zuletzt vor der soziodemografischen Entwicklung in Deutschland, weiter untersucht.

* Das MONICA Projekt (Monitoring Trends and Determinants in Cardiovascular Disease) der Weltgesundheitsorganisation WHO gehört zu den größten länderübergreifenden Studien auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Forschung. Deutschland ist seit 1984 mit dem Studiengebiet um Augsburg in dieses weltweite Projekt eingebunden. Die Datenerhebungsphase ist abgeschlossen und dient als Grundlage weiterer Analysen. Ziel ist die umfassende und langfristige Gewinnung sowohl klinischer als auch psychosozialer Daten, um Entstehung und Verlauf der koronaren Herzerkrankung definieren zu können.

Monika Nachtwey | ots
Weitere Informationen:
http://www.medworld.de/

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