Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Anti-HIV-Gels bringen mehr Vorteile für Männer

09.07.2008
Mikrobizide könnten Resistenzen erzeugen

Anti-Aids-Gels waren eine große Hoffnung in der Aids-Vorbeugung. Die erste Generation dieser Gels stellte sich allerdings leider als Flop heraus (pressetext berichtete: http://pte.at/pte.mc?pte=070202001).

Wissenschaftler arbeiten in der Zwischenzeit allerdings an der Weiterentwicklung dieser Mikrobizid-Gels. Nun haben Forscher der University of California in Los Angeles mittels einer mathematischen Modellrechnung untersucht, welche Risiken mit dem Einsatz solcher Mikrobizide verbunden sein könnten. Frauen sind, so berichtet das Wissenschaftsmagazin Nature in seiner Online-Ausgabe, eher gefährdet, Resistenzen gegen verschiedene Medikamente zu entwickeln.

Ursprünglich waren die Gels dafür gedacht, Frauen, deren Männer sich weigerten Kondome zu benutzen, vor Aids zu schützen. "Prinzipiell ist der Forschungsansatz für solche Gels sehr interessant und attraktiv", meint Ulrich Marcus, stellvertretender Leiter des Fachgebiets Sexuell übertragbare Infektionen am Robert-Koch-Institut in Berlin, im pressetext-Interview. "Die ersten Ergebnisse waren allerdings enttäuschend. Es kam zu zahlreichen Fehlschlägen."

... mehr zu:
»Anti-HIV-Gel »Mikrobizid

Man habe jedoch die Hoffnung nicht aufgegeben und nun Anti-HIV-wirksame Substanzen in die Gels gepackt, die allerdings nun auch Probleme verursachen können. Ähnliche Substanzen wie die, die in den Gels verwendet werden, kommen nämlich auch in der oralen Behandlung von HIV zur Anwendung. Nun fürchten die Forscher, dass es zu Kreuzresistenzen kommen könnte. Im Gegenargument meinen die Befürworter, dass in den Gels ohnehin nur eine solche retroviral-wirkende Substanz zur Anwendung kommt.

Das Forscherteam um die Biomathematikerin Sally Blower hatte ein mathematisches Modell entwickelt, in dem sie die Auswirkungen der Anwendung eines mikrobiziden Gels bei Frauen untersuchte. Dabei hatten die Wissenschaftler verschiedenen Parameter - darunter auch jenen der Absorption der Substanz im Blut - variiert. Unter der Annahme, dass das Gel gegen eine Aids-Übertragung wirkt, gab es kein Problem. Unter der Annahme hingegen, dass das Gel keine Wirkung zeigt, steige das Risiko einer Resistenz. Dann wären Männer, die dieses Gel applizieren, besser bedient. Resistente Stämme sind generell schwächer und weniger leicht übertragbar. "Weil Frauen die Mikrobizide nutzen, sind sie es eher, die Resistenzen entwickeln können", meint Studien Co-Autor David Wilson von der australischen University of New South Wales.

Untersuchungen von Probanden in vorhergehenden klinischen Tests, haben allerdings auch deutlich gemacht, dass die Substanzen der Gels nicht in die Blutbahn gelangen. Das mache Resistenzen auch weniger wahrscheinlich. Wilson merkt jedoch an, dass die klinischen Tests zu klein angesetzt waren. Damit lasse sich jedenfalls kein definitives Urteil ableiten. Daher wolle man weitere klinische Tests durchführen. "Das Problem der Resistenzen ist tatsächlich nicht zu unterschätzen", meint auch Marcus abschließend gegenüber pressetext. Eine Möglichkeit diesen Herr zu werden, könnte die Verwendung solcher Substanzen sein, die lokal angewendet nur in geringem Umfang oder gar nicht resorbiert werden.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.rki.de

Weitere Berichte zu: Anti-HIV-Gel Mikrobizid

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften