Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gefahr für Speicheldrüsen durch gleichzeitige Radiochemotherapie

30.06.2008
Eine Gefahr für die Speicheldrüsen onkologischer Patienten durch eine gleichzeitige Radiochemotherapie erkannten Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Für ihre Erkenntnisse wurden sie mit dem Wrigley Prophylaxe Preis (2. Platz) ausgezeichnet

Bei Patienten, die mit einer simultanen Radiochemotherapie (Bestrahlung und Chemotherapie) behandelt wurden, ist die Schadenswahrscheinlichkeit der Speicheldrüsen im Mundbereich wesentlich erhöht.

Diese Wahrscheinlichkeit nimmt mit zunehmender Strahlendosis deutlich zu. Patienten mit kombinierter Radiochemotherapie unterliegen somit einem höheren Risiko, infolge der onkologischen Behandlung unter einer sehr unangenehmen Mundtrockenheit zu leiden. Dies ist das Ergebnis eines halleschen Forschungsprojektes, welches gerade auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltungskunde (DGZ) mit dem Wrigley Prophylaxe Preis (2. Platz) ausgezeichnet worden ist.

Die Arbeitsgruppe der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität war interdisziplinär besetzt. Jeremias Hey (Universitätspoliklinik für Zahnärztliche Prothetik), Dr. Reinhard Gerlach (Universitätsklinik und Poliklinik für Strahlentherapie), Dr. Christian Gernhardt (Universitätspoliklinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie) und PD Dr. Thomas Kuhnt (ebenfalls Universitätsklinik und Poliklinik für Strahlentherapie) führten klinische Untersuchungen zur Auswirkung einer simultanen Radiochemotherapie im Vergleich zur alleinigen Radiotherapie (Bestrahlung) auf den Funktionsverlust der großen Kopfspeicheldrüsen, den Glandulae parotideae, durch.

Eine moderne Radiochemotherapie im Kopf-Hals-Bereich steigert im Vergleich zu einer alleinigen Radiotherapie die Tumorzellvernichtung und damit die lokale Tumorfreiheit, erbringt jedoch leider auch erhöhte unerwünschte akute Nebenwirkungen im umliegenden Normalgewebe. Ob und in welcher Stärke diese gesteigerten Wirkungen auch die im Strahlenfeld liegenden Speicheldrüsen betreffen, wurde bisher nicht systematisch untersucht.

Gegenstand der ausgezeichneten Untersuchung war es, die zusätzliche Auswirkung der simultanen Radiochemotherapie mit dem Chemotherapeutikum Cisplatin im Vergleich zu einer alleinigen Radiotherapie auf den Funktionsverlust der großen Ohrspeicheldrüsen zu quantifizieren. Angesichts der Ergebnisse muss davon ausgegangen werden, dass bei Patienten, die mit einer simultanen Radiochemotherapie behandelt wurden, die Schadenswahrscheinlichkeit der Speicheldrüsen wesentlich erhöht wird und diese mit zunehmender Strahlendosis auch exponentiell ansteigt.

Damit bei den betroffenen Patienten auch die sich daran anschließenden Folgestörungen, wie Schluckbeschwerden und bestrahlungsbedingte Karies mit Zahnausfall reduziert werden können, sollten die Ergebnisse der Arbeit zukünftig bereits bei der Bestrahlungsplanung Beachtung finden. Auch die zahnärztliche Supportivtherapie sollte diesen Sachverhalt durch eine weitere Intensivierung der Prophylaxemaßnahmen berücksichtigen.

Jens Müller | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-halle.de

Weitere Berichte zu: Radiochemotherapie Radiotherapie Speicheldrüse

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko
23.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Ein Knebel für die Anstandsdame führt zu Chaos in Krebszellen
22.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise

TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro

24.03.2017 | Förderungen Preise