Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Ansatz für chronische Schmerz-Patienten

19.05.2008
Tierversuch mit Benzodiazepinen vielversprechend

Schweizer Wissenschaftler haben Angriffspunkte für eine gezielte Schmerztherapie bei chronischen Schmerzen identifiziert.

Die Forscher konnten im Mäuseversuch mit Benzodiazepinen im Rückenmark die Weiterleitung von Schmerzsignalen an das Gehirn hemmen. Damit ist es auch gelungen, die bei chronischen Schmerzen gestörte Filterfunktion des Rückenmarks wieder zu aktivieren, die normalerweise dafür sorgt, dass nicht jedes Schmerzsignal an das Gehirn gemeldet wird.

Die neuen Erkenntnisse wurden vom Pharmakologen Hanns Ulrich Zeilhofer von der Universität Zürich und der Eidgenössischen Technischen Hochschule auf einem internationalen Kongress zur Entwicklung und Funktion des Tastsinns und des Schmerzempfindens des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch präsentiert. "Jetzt ist die Pharmaindustrie gefordert, diese Ergebnisse für die Entwicklung von Schmerzmitteln zu nutzen, die für die Therapie beim Menschen geeignet sind", meint der Forscher.

Vor allem bei chronischen Entzündungskrankheiten wie etwa der rheumatoiden Arthritis oder bei Nervenverletzungen bei Unfällen, leiden Patienten oft an starken und lang anhaltenden Schmerzen, die sich auch als plötzlich einsetzende Schmerzattacken äußern. Bereits leichte Berührungen empfinden sie als schmerzhaft. "Diese Schmerzen sind häufig die Folge einer gestörten Filterfunktion der Schmerz hemmenden Nervenzellen im Rückenmark", meint Zeilhofer. Bei gesunden Menschen sorgen spezielle Nervenzellen im Rückenmark dafür, dass ein Schmerzreiz nicht ins Gehirn weitergeleitet wird. Der Botenstoff GABA hemmt die Weiterleitung von solchen Schmerzsignalen.

Die verabreichten Benzodiazepine, die den Mäusen injiziert wurden, können die hemmende Wirkung von GABA sogar noch verstärken, berichtet der Forscher. "Für eine dauerhafte Schmerztherapie sind solche Rückenmarksinjektionen nur in wenigen Fällen geeignet. Werden Benzodiazepine jedoch als Tablette verabreicht, rufen sie viele unerwünschte Wirkungen im Gehirn hervor." Sie machen müde und beeinträchtigen die Merkfähigkeit. Zudem verlieren diese Substanzen mit der Zeit ihre Wirkung und können süchtig machen. Klassische Benzodiazepine sind auch aus diesen Gründen für die Schmerztherapie ungeeignet.

Seit langem ist bekannt, dass mindestens vier Untergruppen von GABA-Rezeptoren auf Benzodiazepine ansprechen. Zeilhofer und sein Team haben in Versuchen mit gentechnisch veränderten Mäusen herausgefunden, dass die beiden Subtypen alpha 2 und 3 des GABA-Rezeptors im Rückenmark die Schmerzlinderung vermitteln. Im Tierversuch wurden bereits Wirkstoffe getestet, die spezifisch diese beiden GABA-Untergruppen aktivieren und die Weiterleitung von Schmerzreizen an das Gehirn unterbinden, ohne die typischen unerwünschten Wirkungen von klassischen Benzodiazepinen auszulösen.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.ethz.ch
http://www.mdc-berlin.de

Weitere Berichte zu: Benzodiazepin Rückenmark Schmerzsignal

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Stoßlüften ist besser als gekippte Fenster
29.03.2017 | Technische Universität München

nachricht Dimethylfumarat – eine neue Behandlungsoption für Lymphome
28.03.2017 | Wilhelm Sander-Stiftung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Organisch-anorganische Heterostrukturen mit programmierbaren elektronischen Eigenschaften

29.03.2017 | Energie und Elektrotechnik

Klein bestimmt über groß?

29.03.2017 | Physik Astronomie

OLED-Produktionsanlage aus einer Hand

29.03.2017 | Messenachrichten