Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Perspektiven für Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern

16.04.2008
DGK veröffentlicht erstmals eine interdisziplinäre EMAH-Leitlinie für Deutschland, Österreich und die Schweiz

Erwachsene Herzkranke, die einen Kinderarzt aufsuchen müssen, sind derzeit keine Seltenheit. Bisher waren angeborene Herzfehler - die häufigsten angeborenen Erkrankungen überhaupt - meist beim Kinderkardiologen angesiedelt, schließlich erreichten Kinder mit angeborenen Herzfehlern nur in Ausnahmefällen das Erwachsenenalter.

Das ist heute anders: Dank der enormen medizinischen und technischen Fortschritte gibt es immer mehr Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern (EMAH). In Deutschland leben nach wissenschaftlichen Schätzungen derzeit 180.000 EMAH-Patienten, in zehn Jahren wird diese Zahl auf 225.000 ansteigen, andere Experten gehen gar von 227.000 Patienten aus.

Das Nationale Register Angeborene Herzfehler, das vor vier Jahren im Rahmen des Kompetenznetzes gegründet wurde, versucht diese Patienten möglichst komplett zu erfassen. Um dieser neuen Patientengruppe gerecht zu werden, wurde jetzt von der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie erstmals eine S 2-Leitlinie herausgegeben - gemeinsam erarbeitet von allen kardiologischen Fachgesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie den entsprechenden Kompetenznetzen und Patientenorganisationen.

... mehr zu:
»DGK »Herzfehler »Kinderkardiologe

"Die Leitlinie gibt einen Überblick über die medizinischen Besonderheiten der angeborenen Herzfehler im Erwachsenenalter", erläutert der Herausgeber Prof. em. Prof. h. c. Dr. Achim A. Schmaltz aus Essen. "Zunächst werden verschiedene medizinische Aspekte wie Hämodynamik, Arrhythmien oder Zyanose dargestellt, dann tabellarisch die wichtigsten einzelnen Herzfehler abgehandelt.

Der Leser findet eine exzellente Handlungsanleitung zur Langzeitbetreuung der einzelnen Herzfehler." Deutlich wird auch, dass viele Erwachsene mit operiertem oder teilweise operiertem angeborenen Herzfehler einer konsequenten Langzeitbetreuung bedürfen. Schmaltz: "Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, hämatologische Probleme treten gehäuft auf, manche einfache Herzfehler zeigen typische Spätkomplikationen wie eine Aortenisthmusstenose, während das Endokarditisrisiko lange Zeit wohl überschätzt wurde.

" An erster Stelle der angeborenen Herzfehler stehen Ventrikel- und Vorhofseptumsdefekte, deren Langzeitverlauf meist ausgesprochen gutartig ist, wohingegen die Aortenisthmusstenose mit dem Hochdruck- und Aneurysma-Risiko einer genaueren Nachkontrolle bedarf. Unter den vormals zyanotischen Herzfehlern bereitet die Fallot´sche Tetralogie am häufigsten im Langzeitverlauf Probleme.

In den kommenden Jahren wird es weitere Fortschritte in der Behandlung von EMAH-Patienten geben: "Sie werden besonders von den Fortschritten der interventionellen Kardiologie profitieren", erläutert Schmaltz. Diese vermeide das erhöhte Reoperationsrisiko und könne auf vielfältige Weise Residuen durch transkutanen Klappenersatz, Embolisation von Kollateralgefäßen, Dilatation und Stentimplantation von Stenosen beseitigen. "Hier sind dem Erfindergeist keine Grenzen gesetzt", glaubt Schmaltz.

Außerdem wird auch die vor kurzem beschlossene Zusatzausbildung EMAH für Ärzte in den kommenden Jahren Früchte tragen und die bisherige Lücke in der medizinischen Versorgung schließen: Bisher haben sich schon fünf internistische und 25 Kinderkardiologen um eine Zertifizierung beworben, die ersten Prüfungen finden in diesem Monat statt. Patienten mit komplizierten angeborenen Herzfehlern und Fontanzirkulation, Conduit oder Klappenersatz rät Schmaltz, mit einem zertifizierten EMAH-Mediziner und einem überregionalen EMAH-Zentrum wie es beispielsweise in Berlin, Essen, München und Münster existiert, zusammenzuarbeiten.

Den vollständigen Text der "Medizinischen Leitlinie zur Behandlung von Erwachsenen mit angeborenen Herzfehlern (EMAH)" finden Sie auf der Homepage der DGK www.dgk.org unter "Leitlinien".

Kontakt:
Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK)
Pressestelle
Prof. Dr. Eckart Fleck / Christiane Limberg
Achenbachstr. 43
40237 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 600 692 - 61
E-Mail: limberg@dgk.org
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit heute mehr als 6640 Mitgliedern. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen und die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder. 1927 in Bad Nauheim gegründet, ist die DGK die älteste kardiologische Gesellschaft in Europa.

Christiane Limberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.dgk.org

Weitere Berichte zu: DGK Herzfehler Kinderkardiologe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Bei Notfällen wie Herzinfarkt und Schlaganfall immer den Notruf 112 wählen: Jede Minute zählt!
22.06.2017 | Deutsche Herzstiftung e.V./Deutsche Stiftung für Herzforschung

nachricht Tropenviren bald auch in Europa? Bayreuther Forscher untersuchen Folgen des Klimawandels
21.06.2017 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften