Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warnzeichen für Alzheimer und Schizophrenie aus Bildern des Gehirns ablesen

08.01.2008
AG Neuro-Imaging am Universitätsklinikum Jena erforscht Früherkennung von Hirnkrankheiten

Verändert eine Krankheit den Körper, ist das bedrohlich. Dennoch lernen viele, damit zu leben. Verändert sich durch eine Erkrankung jedoch das Gehirn, geht mehr verloren als Beweglichkeit oder Leistungsfähigkeit:

Das Ich des Menschen verändert sich, der Realitätsbezug verlischt - langsam, wie bei Alzheimer. Oder sprunghaft, wie bei einer Schizophrenie, die häufig schon bei jungen Erwachsenen beginnt. Sind diese Erkrankungen einmal ausgebrochen, sind auch die Möglichkeiten der modernen Medizin häufig begrenzt. Denn beide Krankheiten sind auch heute noch nicht heilbar. Viele Hoffnungen richten sich daher auf das Erkennen allererster Warnsignale, um bereits im Frühstadium therapieren zu können.

Wissenschaftler am Universitätsklinikum Jena (UKJ) wollen jetzt untersuchen, wie die Früherkennung von Hirnerkrankungen wie Alzheimer und Schizophrenie künftig gelingen könnte. Das mit 430.000 Euro geförderte Forschungsprojekt setzt dazu auf die junge Methode des "Neuro-Imaging" - den Einsatz bildgebender Diagnoseverfahren in den Neurowissenschaften. Das Team um Prof. Dr. Christian Gaser an der Jenaer Klinik für Psychiatrie untersucht dabei in den kommenden fünf Jahren die Möglichkeiten einer computergestützten Frühdiagnose auf der Grundlage von MRT-Aufnahmen des Gehirns.

... mehr zu:
»Alzheimer »Demenz »Schizophrenie

"Bei einer Demenz sehen wir im Magnet-Resonanz-Tomographen ganz typische Veränderungen im Gehirn der Patienten", so Gaser. "Bestimmte Teile des Gehirns verlieren mit Fortschreiten der Erkrankung immer mehr an Substanz." Im fortgeschrittenen Stadium sind diese Veränderungen bereits mit bloßem Auge auf den Aufnahmen zu erkennen. Gaser und seine Kollegen wollen nun technische Lösungen dafür finden, die für den Arzt noch unsichtbaren Veränderungen des Gehirns in den Vorstufen einer Demenz zu erkennen. "Es gibt ein für Alzheimer typisches Muster der Hirnveränderungen, das schon vor dem Ausbruch der Krankheit zu finden ist", erklärt Prof. Christian Gaser. "Da wir wissen, wie dieses Muster nach Ausbruch der Erkrankung aussieht, wollen wir mit computergestützten Auswertungen von Hirnbildern bereits erste Anzeichen vor Erkrankungsbeginn auffinden. Damit könnten künftig Aussagen über das individuelle Erkrankungsrisiko möglich werden." Denn auch wenn es nur begrenzte Therapiemöglichkeiten gibt, kann der Verfall bei Demenz zumindest aufgehalten werden. Und je früher damit begonnen wird, umso mehr Lebensjahre lassen sich für die Betroffenen gewinnen.

Ähnliche frühdiagnostische Möglichkeiten durch bildgebende Verfahren erhofft sich die Arbeitsgruppe für die Schizophrenie. "Hier sehen wir krankheitstypische Veränderungen im Gehirn bereits in jungen Jahren", erklärt Gaser, der sich vor allem mit der methodischen Seite der Früherkennung beschäftigt.

Die dabei eingesetzten Verfahren des "Neuro-Imaging" setzen auf modernste Methoden zur Bildgebung, indem MRT und funktionelle MRT aussagekräftige Bilder des Gehirns und seiner Funktionen liefern, die Informationen über die Aktivitäten einzelner Regionen ebenso enthalten wie über die Gesamtbeschaffenheit des untersuchten Gehirns.

Am Universitätsklinikum Jena steht den Wissenschaftlern dafür eines der modernsten MRT-Geräte speziell für die neurowissenschaftliche Forschung zur Verfügung. Gaser: "Wir hoffen, jetzt mit Hilfe sogenannter multivarianter Analysemethoden die noch relativ neuen bildgebenden Diagnoseverfahren so einzusetzen, dass diese künftig zur Früherkennung genutzt werden können."

Ansprechpartner:
Prof. Dr. rer. nat. Christian Gaser
Arbeitsgruppe Neuro-Imaging, Klinik für Psychiatrie, Universitätsklinikum Jena
Tel.: 03641/935805
E-Mail: Christian.Gaser[at]uni-jena.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-jena.de

Weitere Berichte zu: Alzheimer Demenz Schizophrenie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Verbesserte Heilungschancen durch individualisierte Therapie bei Hodgkin Lymphom
23.10.2017 | Uniklinik Köln

nachricht Aktuelle Therapiepfade und Studienübersicht zur CLL
20.10.2017 | Kompetenznetz Maligne Lymphome e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: 65 neue genetische Risikomarker für Brustkrebs entdeckt

Manche Familien sind häufiger von Brustkrebs betroffen als andere. Dies kann bislang nur teilweise durch genetische Risikomarker erklärt werden. In einem weltweiten Verbund haben Forscher nun 65 weitere Erbgutvarianten identifiziert, die zum Brustkrebsrisiko beitragen. Die Studie, an der auch Wissenschaftler vom Deutschen Krebsforschungszentrum und dem Universitätsklinikum Heidelberg beteiligt waren, wurde in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht. Die Forscher erwarten, dass die Ergebnisse dazu beitragen, Screeningprogramme und die Früherkennung von Brustkrebs zu verbessern.

Seit Angelina Jolies medienwirksamer Entscheidung, sich vorbeugend die Brüste entfernen zu lassen, ist der genetische Hintergrund von Brustkrebs auch einer...

Im Focus: Salmonellen als Medikament gegen Tumore

HZI-Forscher entwickeln Bakterienstamm, der in der Krebstherapie eingesetzt werden kann

Salmonellen sind gefährliche Krankheitserreger, die über verdorbene Lebensmittel in den Körper gelangen und schwere Infektionen verursachen können. Jedoch ist...

Im Focus: Salmonella as a tumour medication

HZI researchers developed a bacterial strain that can be used in cancer therapy

Salmonellae are dangerous pathogens that enter the body via contaminated food and can cause severe infections. But these bacteria are also known to target...

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Konferenz IT-Security Community Xchange (IT-SECX) am 10. November 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Luftfracht

23.10.2017 | Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fettstoffwechsel beeinflusst Genaktivität

24.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Forscher der Universität Hamburg entdecken Mechanismus zur Verdopplung von Pflanzengenomen

24.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Bakterielle Toxine im Darm

24.10.2017 | Biowissenschaften Chemie