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Drahtseilakt in der Chirurgie

06.11.2000


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Drahtseile seit 20 Jahren in Gebrauch - Lehrbuch von Prof. Labitzke erschienen

Die Beherrschung komplizierter Knochenbrüche (wie etwa der Kniescheibe oder des Beckens) erfordern vom Chirurgen eine Menge an "Ingenieurskunst": Welche Belastungen treten an dem gebrochenen Knochen auf und mit welchem Implantat - mit welcher Platte oder welchem Nagel - kann man die Knochen so stabilisieren, dass sie auch wieder zusammenwachsen? Prof. Dr. Reiner Labitzke vom Evangelischen Krankenhaus Schwerte und Lehrstuhlinhaber für Chirurgie der Universität Witten/Herdecke schwört seit 20 Jahren auf Stahlkabel. Er war der weltweit erste, der Drahtseile in die Chirurgie eingeführt und die Operationsmethoden standardisiert hat. Auch die entsprechenden Werkzeuge hat er ausgetüftelt und in ihrer Wirkung berechnet.

"So ein Seil von einem Millimeter Durchmesser kann Zugkräfte von über 700 Newton, also etwa 70 Kg aufnehmen und ist dennoch klein und flexibel," erklärt der Mediziner seine Begeisterung. "Es hat mich verblüfft, wie schwer es war, den Chirurgen die Vorteile von Drahtseilen klar zu machen. Vor 20 Jahren bin ich ziemlich ungläubig angeguckt worden, als ich mit dieser Methode anfing, doch heute ist sie allgemein anerkannt." Drahtseile lassen sich besonders günstig bei Brüchen kleiner Knochen, die unter hohem Muskelzug stehen, verwenden. Das sind z.B. die Kniescheibe oder Knochenvorsprünge an der Hüfte, der Schulter und des Sprunggelenks. Aber auch das aus drei miteinander elastisch verbundenen Knochen bestehende Becken oder ein bei der Herzchirurgie längs durchtrenntes Brustbein lassen sich mit speziellen Hülsen-Seil-Konstruktionen wieder zusammenfügen. Platten und Schrauben sowie Nägel sind hier aus anatomischen Gründen nicht anwendbar.

Die seit 20 Jahren in mehr als 2000 Operationen gesammelte Erfahrung hat Prof. Labitzke jetzt in ein englischsprachiges Lehrbuch eingebracht: Das Manual of Cable Osteosyntheses ist im renommierten Springer-Verlag erschienen und schildert auf 187 Seiten mit zahlreichen Bildern die historische Entwicklung, technischen Voraussetzungen und biologischen Grundlagen dieser innovativen Seil-Operationen.

Weitere Informationen bei Prof. Dr. Reiner Labitzke, 02304/20 21 40

Kay Gropp | idw

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