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Aussichtsreiche neue Therapieform bei Hautkrebs

08.02.2012
Es ist die Art von Entwicklung, die sich wohl jeder Wissenschaftler wünscht:
Nach vier Jahren experimenteller Arbeit veröffentlichten Forscher der Uniklinik Köln und der Universität zu Köln im Februar 2011 ihre ersten Ergebnisse zu einer neuen effektiveren Therapieform bei Hautkrebs. Ein Krebs, an dem jährlich etwa 14.000 Menschen in Deutschland neu erkranken. Etwa ein halbes Jahr später begannen sie erstmals, einen Patienten mit der neuen Immuntherapie zu behandeln – mit äußerst vielversprechendem Ergebnis, wie sich jetzt herausstellt.

In den Experimenten der Wissenschaftler um Prof. Dr. Hinrich Abken zeigte sich, dass das Wachstum eines Melanoms von einigen wenigen Tumorzellen abhängt, den sogenannten Masterzellen. Diese steuern den Tumor und machen lediglich zwei Prozent seiner Zellen aus. „Bisher war die Medizin davon ausgegangen, dass für eine erfolgreiche Behandlung 99,99 Prozent der Krebszellen chirurgisch oder medikamentös entfernt werden müssen“, erklärt der Mediziner. Nach Abkens neuem Ansatz müssen lediglich bestimmte Tumorzellen vernichtet werden, um Tumore dauerhaft auszulöschen. „Mit Hilfe der neuen Strategie können wir bestimmte Proteine auf der Oberfläche der Masterzellen erkennen und diese dann gezielt vernichten“, so der Forscher, der im Zentrum für Molekulare Medizin Köln (ZMMK) und der Klinik I für Innere Medizin tätig ist. Beide Einrichtungen sind Mitglied des Centrums für Integrierte Onkologie Köln Bonn (CIO).

Ein erster Patient mit einem stark gestreuten Melanom hat jetzt von diesem neuen Ansatz profitiert. „Chirurgische Eingriffe an den multiplen Haut- und Lymphknotenmetastasen sowie chemotherapeutische Behandlungen haben dem Mann zuvor nicht geholfen“, so Prof. Dr. Dr. Cornelia Mauch, Leiterin des Hauttumorzentrums der Uniklinik Köln. Dann behandelten die Ärzte des Zentrums den 74-Jährigen etwa sechs Monate ambulant in einer lokalen Therapie mit einem Anti-CD20-Antikörper, der gezielt die Masterzellen des Melanoms zerstörte. Der Antikörper ist bereits länger bekannt, wurde bisher jedoch bei anderen Erkrankungen mit anderen Zielen eingesetzt. „Was zuvor unsere Modelle vorausgesagt hatten, konnten wir jetzt bei dem Patienten beobachten“, berichtet Prof. Abken. „Der gesamte Tumor ist verschwunden, obwohl 98 Prozent der Tumorzellen nicht durch den Antikörper zerstört wurden.“ Die spannende Frage sei gewesen, so der Forscher, ob das neue Konzept richtig ist. „Es ist nicht nur irgendeine neue Therapie bei Hautkrebs, sondern die erste Bestätigung für ein vollkommen neues Verständnis in der Krebstherapie. Wir werden künftig für die Therapieplanung berücksichtigen müssen, welche Tumorzellen wir zerstören müssen.“

Die gezielte Zerstörung spezieller Tumorzellen, entweder durch Antikörper oder durch Immunzellen, ist außerordentlich komplex. Daher ist weitere intensive Forschung notwendig, um die Therapie in breitem Rahmen anwenden zu können. Die Wissenschaftler der Uniklinik Köln sind sich sicher, dass ihre Erkenntnisse zu einem Paradigmenwechsel in der Krebstherapie führen und die Basis zukünftiger therapeutischer Strategien bilden.

Für Rückfragen:

Univ.-Prof. Dr. Hinrich Abken
Klinik I für Innere Medizin und
Zentrum für Molekulare Medizin Köln
Uniklinik Köln Telefon: 0221 478-89614
E-Mail: hinrich.abken@uk-koeln.de

Univ.-Prof. Dr. Dr. Cornelia Mauch
Klinik und Poliklinik für Dermatologie
Uniklinik Köln Telefon: 0221 478-86194
E-Mail: cornelia.mauch@uk-koeln.de

Anja Schattschneider
Stabsabteilung Unternehmenskommunikation
Uniklinik Köln Telefon: 0221 478-5548
E-Mail: presse@uk-koeln.de

Christoph Wanko | idw
Weitere Informationen:
http://www.uk-koeln.de

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