Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Architektur des Gehirns verändert sich bei Bewusstlosigkeit

12.09.2012
Wissenschaftler des Klinikums rechts der Isar der TU München konnten gemeinsam mit Kollegen erstmals zeigen, wie sich die funktionelle Architektur des Gehirns während einer Bewusstlosigkeit ändert. Die Forschungsergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift The Journal of Neuroscience veröffentlicht.

Wie entsteht Bewusstsein? Diese Frage ist nicht nur eine der ältesten philosophischen Fragen, sondern auch von großer medizinischer Relevanz. Pro Jahr werden in Deutschland ca. 10 Millionen Menschen operiert und dafür in Allgemeinanästhesie versetzt, also in eine künstliche Bewusstlosigkeit.

Dabei kommt es nach Schätzungen auch bei modernsten Anästhesie-Methoden in 0,1 bis 0,2 Prozent der Fälle zu einer intraoperativen Wachheit. Angesichts der Häufigkeit von Allgemeinanästhesie und in Anbetracht der traumatischen Folgeschäden besteht hier Handlungsbedarf.

Theoretische Modelle gehen davon aus, dass Bewusstsein auf der Integration von über die Gehirnoberfläche verteilter Information beruht. In einer gemeinsamen Studie haben sich Wissenschaftler der Fachrichtungen Anästhesie, Neurologie und Neuroradiologie des Klinikums rechts der Isar zusammen mit Kollegen vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie dieser Frage angenommen.

Mit Hilfe von modernen kernspintomographischen Analyseverfahren konnten sie erstmals zeigen, dass es unter einer durch das Anästhetikum Propofol ausgelösten Bewusstlosigkeit zu grundlegenden Änderungen der funktionellen Architektur des Gehirns kommt, die auf eine verminderte Integration von in verschiedenen Arealen des Gehirns repräsentierten Informationen hinweist.

Diese Ergebnisse sind Teil eines groß angelegten Forschungsprojekts, von dem sich die beteiligten Wissenschaftler grundlegende Erkenntnisse über die Gehirnmechanismen von Bewusstsein erwarten. Mit deren Hilfe soll künftig die Überwachung von Bewusstlosigkeit – beispielsweise während einer Operation – noch zuverlässiger erfolgen können.

Original-Publikation:
Spatiotemporal Reconfiguration of Large-Scale Brain Functional Networks during Propofol-Induced Loss of Consciousness. The Journal of Neuroscience, September 12, 2012, doi: 10.1523/JNEUROSCI.6046-11.2012

Tanja Schmidhofer | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.tu-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Eine Teleskopschiene für Nanomaschinen
20.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, Standort Stuttgart, Stuttgart

nachricht Künstlicher Leberfleck als Frühwarnsystem
19.04.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Software mit Grips

Ein computergestütztes Netzwerk zeigt, wie die Ionenkanäle in der Membran von Nervenzellen so verschiedenartige Fähigkeiten wie Kurzzeitgedächtnis und Hirnwellen steuern können

Nervenzellen, die auch dann aktiv sind, wenn der auslösende Reiz verstummt ist, sind die Grundlage für ein Kurzzeitgedächtnis. Durch rhythmisch aktive...

Im Focus: Der komplette Zellatlas und Stammbaum eines unsterblichen Plattwurms

Von einer einzigen Stammzelle zur Vielzahl hochdifferenzierter Körperzellen: Den vollständigen Stammbaum eines ausgewachsenen Organismus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Berlin und München in „Science“ publiziert. Entscheidend war der kombinierte Einsatz von RNA- und computerbasierten Technologien.

Wie werden aus einheitlichen Stammzellen komplexe Körperzellen mit sehr unterschiedlichen Funktionen? Die Differenzierung von Stammzellen in verschiedenste...

Im Focus: Spider silk key to new bone-fixing composite

University of Connecticut researchers have created a biodegradable composite made of silk fibers that can be used to repair broken load-bearing bones without the complications sometimes presented by other materials.

Repairing major load-bearing bones such as those in the leg can be a long and uncomfortable process.

Im Focus: Verbesserte Stabilität von Kunststoff-Leuchtdioden

Polymer-Leuchtdioden (PLEDs) sind attraktiv für den Einsatz in großflächigen Displays und Lichtpanelen, aber ihre begrenzte Stabilität verhindert die Kommerzialisierung. Wissenschaftler aus dem Max-Planck-Institut für Polymerforschung (MPIP) in Mainz haben jetzt die Ursachen der Instabilität aufgedeckt.

Bildschirme und Smartphones, die gerollt und hochgeklappt werden können, sind Anwendungen, die in Zukunft durch die Entwicklung von polymerbasierten...

Im Focus: Writing and deleting magnets with lasers

Study published in the journal ACS Applied Materials & Interfaces is the outcome of an international effort that included teams from Dresden and Berlin in Germany, and the US.

Scientists at the Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) together with colleagues from the Helmholtz-Zentrum Berlin (HZB) and the University of Virginia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Internationale Konferenz zur Digitalisierung

19.04.2018 | Veranstaltungen

124. Internistenkongress in Mannheim: Internisten rücken Altersmedizin in den Fokus

19.04.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Juni 2018

17.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Grösster Elektrolaster der Welt nimmt Arbeit auf

20.04.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Bilder magnetischer Strukturen auf der Nano-Skala

20.04.2018 | Physik Astronomie

Kieler Forschende entschlüsseln neuen Baustein in der Entwicklung des globalen Klimas

20.04.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics