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Ambulantes Monitoring: Patient wird Beobachter seiner eigenen Gesundheit

20.06.2012
Ambulantes Monitoring wird zunehmend Einzug in den Alltag von Patienten und Ärzten halten – Sonderveröffentlichung von „Psychosomatic Medicine“

Patienten werden in Zukunft immer mehr in die Überwachung und das Monitoring ihrer Gesundheit oder ihrer Krankheit einbezogen. Ein Beispiel hierfür ist die Blutdruckkontrolle, die mittels Blutdruckmanschette zuhause rund um die Uhr erfolgen kann: „Das ist der Klassiker“, sagt Univ.-Prof. Dr. Thomas Kubiak.

„Wir werden künftig immer mehr neue Formen zur Beobachtung und Überwachung des Gesundheitszustands in unser alltägliches Leben integrieren. Das wird die Situation von Patienten und Ärzten beeinflussen.“ Kubiak ist Professor für Gesundheitspsychologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU). Er hat sich ausgiebig mit neuen Techniken des „ambulanten Monitoring“ beschäftigt und zusammen mit Arthur A. Stone von der Stony Brook University eine Sonderausgabe der Fachzeitschrift „Psychosomatic Medicine“ hierzu herausgegeben.

Die beiden Gesundheitspsychologen gehen davon aus, dass unser Befinden und Verhalten im Alltag wesentlich aufschlussreicher für die Diagnose und Therapie sein können als zum Beispiel punktuelle Laboruntersuchungen oder Fragebögen, in denen Patienten in der Rückschau Auskunft über ihr Befinden in den letzten Wochen oder Monaten geben können. Bei chronischen Kopfschmerzen empfiehlt es sich beispielsweise, regelmäßig ein Tagebuch zu führen und dabei zeitnah aufzuschreiben, wann die Schmerzen auftraten und was sie ausgelöst haben könnte. Bei Diabetes gibt es viele Möglichkeiten, den Blutzucker selbst zu messen oder kontinuierlich durch Geräte überwachen zu lassen, um anschließende Insulingaben korrekt zu dosieren. Gleichzeitig helfen hier Notizen über die Nahrungsaufnahme, die Tätigkeiten und die Symptomwahrnehmung, die Krankheit besser in den Griff zu bekommen. Um das Bewegungsverhalten im Alltag festzustellen, gibt es sogar bereits Systeme, die erkennen, ob jemand Fahrrad fährt oder Treppen steigt.

„Die Daten, die wir im Alltag der Patienten erheben, sind die wirklich wichtigen Daten“, sagt Thomas Kubiak. Die „ökologische Validität“ dieser Aussagen ist höher. Erhoben werden Real-Life-Daten über Stimmungen, Stress und Symptome, Blutdruck, Hormonlevel und viele andere biologische oder umweltrelevante Faktoren. Auch wenn viele der neuen Möglichkeiten bisher noch nicht beim Hausarzt oder Internisten angekommen sind, so hat die Entwicklung nach Einschätzung von Kubiak im letzten Jahrzehnt an „Drive“ gewonnen. Und durch neue Kommunikationsmittel wird sie sich noch beschleunigen. Mit modernen Smartphones stehen Dokumentationsgeräte zur Verfügung, die beispielsweise den Besitzer zu bestimmten Uhrzeiten mehrmals am Tag anklingeln, ihm einen Fragebogen vorlegen und diese Aufzeichnungen dann mit GPS-Daten verbinden, wenn eine Bewegungsstudie erstellt werden soll. Das „elektronische Tagebuch“ wird so zu einem wichtigen Begleiter des Patienten.

Dies kann präventiv oder auch therapeutisch direkt dem Patienten zugutekommen. Aber auch die Pharmahersteller profitieren von den neuen Instrumenten bei ihren Zulassungsstudien für Pharmazeutika.

In einer Sonderausgabe der Zeitschrift „Psychosomatic Medicine“ hat Kubiak zusammen mit Arthur Stone Beiträge über die jüngsten Fortschritte in der Computertechnologie, bei den medizinischen Geräten und der Datenanalyse zusammengetragen und die neuen Technologien und neue Anwendungen für ambulantes Monitoring aufgezeigt. Beiträge über neue statistische Methoden ergänzen den Band.
Veröffentlichung:
Psychosomatic Medicine
Journal of Biobehavioral Medicine
May 2012, Vol. 74, Num. 4

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Thomas Kubiak, Dipl.-Psych.
Abteilung Gesundheitspsychologie
Psychologisches Institut
Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU)
D 55099 Mainz
Tel. +49 6131 39-39158
Fax +49 6131 39-39186
E-Mail: kubiak@uni-mainz.de

Petra Giegerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.gesundheit.psychologie.uni-mainz.de

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