Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Riechen ist Kopfsache: Uni Kassel forscht an objektiver Geruchswahrnehmung

21.03.2012
Ein Forschungsprojekt am Institut für Werkstofftechnik der Universität Kassel erforscht die menschliche Geruchserkennung mit Hilfe der Messung von Hirnströmen. Selbst eine unterbewusste Geruchsverarbeitung kann so sichtbar gemacht werden.

An der Bewertung von Gerüchen scheiden sich die Geister. Was der eine als Gestank wahrnimmt, bleibt für viele geruchlos - was manchen Menschen stinkt, können andere gut riechen. Auch Labore, die olfaktorische Analysen – also Geruchsmessungen mit menschlichen Prüfern - durchführen, sind auf die subjektive Wahrnehmung ihrer Probanden angewiesen.

Einer objektiven Geruchsprüfung ist nun der Kasseler Diplombiologe Simon Kleinhans auf der Spur. Im Rahmen seiner Forschung am Institut für Werkstofftechnik beschäftigt er sich mit den neuronalen Verarbeitungsprozessen von Gerüchen. Denn was wir mit unserer Nase riechen, muss in den komplexen Schaltkreisen des menschlichen Gehirns erst ausgewertet werden. Geruchserkennung findet also letztendlich im Kopf statt. Und das ist auch das Problem der klassischen Geruchsprüfung im Labor. Testpersonen werden meist gezielt einem Duftstoff ausgesetzt und sollen diesen bewerten. Die Beurteilung der Gerüche ist jedoch stark von Trainingseffekten und den individuellen Fähig- und Befindlichkeiten der Testpersonen abhängig.

Mit Hilfe neurophysiologischer Messtechniken will Simon Kleinhans nun ein Verfahren zur objektiven Geruchsmessung entwickeln. Dazu zeichnet er während des Riechvorgangs Aktivitätsveränderungen im Gehirn mittels digitaler Elektroenzephalographie (EEG) auf. Mit diesem aus den Neurowissenschaften stammenden Verfahren zur Abbildung von elektrischen Vorgängen im Gehirn versucht Kleinhans die Bewertung von Gerüchen zu objektivieren: „Wir sind durch dieses Verfahren nicht mehr nur auf die subjektive Einschätzung eines Prüfers angewiesen, sondern können direkt vom betreffenden Gewebe ableiten. So schauen wir quasi dabei zu, was im Kopf eines Probanden während des Riechvorgangs vor sich geht“, erklärt der Biologe.

Erste Untersuchungen konnten zeigen, dass auf diese Weise nicht nur bewusst, sondern auch unterbewusst wahrgenommene, unterschwellige Geruchsreize analysiert werden können. Kleinhans Methode kann also schon Gerüche erkennen, die der Prüfer noch gar nicht bewusst wahrnimmt, jedoch schon Aktivitäten im Gehirn hervorruft. Für den Wissenschaftler eine wichtige Ergänzung zur konventionellen Geruchsprüfung: „Die klassische Olfaktometrie kann durch unser Verfahren „verfeinert“ bzw. ergänzt werden, indem man nun auch die Wirkung von unterschwellig konzentrierten, unterbewusst wahrgenommenen Duftstoffen untersuchen kann.“

Das durch den Förderverein „Innovationszentrum Kunststoff- und Recyclingtechnik e.V.“ finanzierte Projekt ist zunächst auf Fragestellungen der Kunststoffindustrie zugeschnitten und kann später etwa zur Verbesserung von Bio-Kunststoffen eingesetzt werden, die häufig einen unangenehmen Geruch haben. Aber auch die Lebensmittelindustrie, Parfumhersteller und nicht zuletzt das so genannte Neuromarketing könnten von der Arbeit des Kasseler Forschers profitieren. Denn immer mehr Unternehmen haben die emotionale Wirkung von Duftstoffen in den letzten Jahren als Mittel der Markenpflege für sich entdeckt.

Die Olfaktometrie hat am Institut für Werkstofftechnik eine lange Tradition. Verfahren zur Bestimmung der Geruchsstoffkonzentration, Geruchsintensität und Geruchswirkung werden seit vielen Jahren standardisiert durchgeführt. Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen auf diesem Gebiet der Werkstoffforschung sind Gegenstand der internationalen Tagung "Geruch und Emissionen bei Kunststoffen", die am 26. und 27. März 2012 an der Universität Kassel stattfindet.

Info

Dipl.-Biol. Simon Kleinhans
Universität Kassel
Institut für Werkstofftechnik
Tel: 0561/804-3671
E-Mail: kleinhans@uni-kassel.de
Dipl.-Ing. Susanne Wolff
Universität Kassel
Institut für Werkstofftechnik
Tel: 0561/804-3672
E-Mail: susanne.wolff@uni-kassel.de

Christine Mandel | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de/fb15/ifw/kst/workshop_geruch.htm
http://www.uni-kassel.de/maschinenbau/institute/institut-fuer-werkstofftechnik/ifw-startseite.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen
19.10.2017 | Forschungszentrum Jülich, Jülich Centre for Neutron Science

nachricht Was winzige Strukturen über Materialeigenschaften verraten
19.10.2017 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ehrung des Autors Herbert W. Franke mit dem Kurd-Laßwitz-Sonderpreis 2017

23.10.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz