Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Proteinfasern werden zu elektrischen Drähten

26.11.2008
Forscher verwirklichen selbstorganisierende Nanofasern

Schwedische Forscher haben erfolgreich elektrische Drähte aus kunststoffumhüllten Proteinfasern hergestellt.

"Wir haben erstmals Proteine hergestellt, die Strom sehr gut leiten, aber auch als Halbleiter beispielsweise in Transistoren dienen können", erklärt Mahiar Hamedi, der den Herstellungsprozess mit seinen Kollegen an der Division for Biomolecular and Organic Electronics der Universität Linköping entwickelt hat. Die nur zehn Nanometer dicken Fasern sind selbstorganisierend, kompatibel zu biologischen Systemen und auch einfach in der Herstellung. "Biomoleküle wie Proteine als Bausteine stellen eine faszinierende Möglichkeit für organische Nanoelektronik dar", betont Hamedi gegenüber pressetext. Die denkbaren Einsatzgebiete seien äußerst vielseitig.

Die Nanofasern können in normalen Reagenzgläsern hergestellt werden. Die Basis bilden Amyloidfasern. Das sind natürlich vorkommende, lange, stabile Proteinfasern, die unter anderem für Nervenerkrankungen bei Tieren und Menschen verantwortlich gemacht werden. So galt Amyloid lange als Alzheimer-Auslöser, obwohl das von aktuellen Forschungsergebnissen in Frage gestellt wird (presstext berichtete: http://pte.at/pte.mc?pte=081117027). Überzogen werden sie mit einem leitenden Polymer genannt PEDOT-S. Dazu werden beide Substanzen in Wasser gelöst, worauf sich der Kunststoff am Protein anlagert. So entsteht eine wenige Atome dicke, leitende Hülle. "Das schöne an diesem Selbstherstellungsprozess ist, mit welcher Leichtigkeit sich PEDOT-S direkt im Wasser an die Amyloidfäserchen bindet - ohne Erhitzen und innerhalb weniger Minuten", beschreibt Hamedi.

Hamedi und Kollegen haben mit ihren Nanofasern als Kanalmaterial voll funktionsfähige elektrochemische Transistoren gefertigt, die bei Spannungen von bis zu 0,5 Volt arbeiten. Was das weitere Potenzial der Entwicklung betrifft, betonen die Forscher, dass die Fasermoleküle dazu gebracht werden können, sich in einer gewünschten Form anzuordnen. So könnten günstig und effizient winzige, dreidimensionale Schaltkreise hergestellt werden. Transistoren, Leuchtdioden und Solarzellen wären denkbar, doch besonderes Potenzial versprechen sie dort, wo das klassische Silizium an seine Grenzen stößt. "Organische Nanoelektronik auf Biomolekülbasis könnten deutlich geeigneter für biokompatible Elektronik sein", meint Hamedi gegenüber pressetext.

Das Überziehen der Amyloidfasern mit Kunststoff ist eine Miniaturisierung einer Methode, welche die Schweden schon im Vorjahr vorgestellt hatten. Damals haben sie mit 1.000 Mal dickeren Textilfasern gearbeitet und Filamente mit zehn bis 100 Mikrometern Durchmesser wurden mit leidenden Polymeren überzogen. Die leitenden Fasern waren zum Verweben in Stoffe gedacht, die so zu elektronischen Geräten oder Sensoren werden können.

Thomas Pichler | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.liu.se/en

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Forscherin entwickelt elektronische Textilstruktur für Medizinprodukte
17.02.2017 | Hochschule Niederrhein - University of Applied Sciences

nachricht Untergrund beeinflusst Halbleiter-Monolagen
16.02.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Im Focus: Weltweit genaueste und stabilste transportable optische Uhr

Optische Strontiumuhr der PTB in einem PKW-Anhänger – für geodätische Untersuchungen, weltweite Uhrenvergleiche und schließlich auch eine neue SI-Sekunde

Optische Uhren sind noch genauer als die Cäsium-Atomuhren, die gegenwärtig die Zeit „machen“. Außerdem benötigen sie nur ein Hundertstel der Messdauer, um eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

ANIM in Wien mit 1.330 Teilnehmern gestartet

17.02.2017 | Veranstaltungen

Ökologischer Landbau: Experten diskutieren Beitrag zum Grundwasserschutz

17.02.2017 | Veranstaltungen

Von DigiCash bis Bitcoin

16.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Stammzellen verlassen Blutgefäße in strömungsarmen Zonen des Knochenmarks

17.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

LODENFREY setzt auf das Workforce Mangement von GFOS

17.02.2017 | Unternehmensmeldung

50 Jahre JULABO : Erfahrung – Können & Weiterentwicklung!

17.02.2017 | Unternehmensmeldung