Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geflochtene Implantate: RUB-Forscher entwickeln neue Fertigungsmethode für Gefäßimplantate

03.11.2011
Stents werden verträglicher, haltbarer und günstiger

Verträglichere und haltbarere Gefäßimplantate für weniger Geld kämen vielen Patienten zu Gute. Um dieses Ziel zu realisieren, entwickeln Forscher vom RUB-Institut für Werkstoffe in Kooperation mit der RWTH Aachen Stents aus modernen Formgedächtnislegierungen. Diese Materialien nehmen nach einer Verformung ihre ursprüngliche Gestalt wieder ein und sind ideal geeignet, die elastische Natur der Blutgefäße nachzuempfinden.

Das Team um Dr. Matthias Frotscher (Forschungsgruppe Medizinische Werkstoffe/Biomaterialien) nutzt eine spezielle Flechttechnik, um Implantate aus Nickel-Titan-Drähten kostengünstig herzustellen. RUBIN berichtet in der aktuellen Sonderausgabe Werkstoff Engineering über die geflochtenen Stents.

Flechttechnik spart Geld

Bislang fertigen Hersteller die Gefäßimplantate (Stents) aus relativ teuren Röhrchen, die nachträglich in einem Laserschneideprozess ihre filigrane Struktur erhalten. Das am Institut für Textiltechnik in Aachen entwickelte Flechtverfahren funktioniert mit wesentlich günstigeren Nickel-Titan-Drähten und lässt die feine Struktur direkt im ersten Arbeitsschritt entstehen. Frotschers Team untersuchte die mechanischen Eigenschaften, die Struktur und die Oberfläche der so hergestellten Implantate. Sie sind flexibel und können in Längen bis zu 30 cm und in beinahe beliebigen Formen produziert werden. Besonders kleine Durchmesser erlauben eine Anwendung auch in sehr dünnen Blutgefäßen. Vor allem im neurovaskulären Bereich setzen Mediziner die Implantate bereits erfolgreich ein.

Implantaten ein Gedächtnis geben

Erst nach dem Flechten erhalten die Implantate durch Erhitzen und anschließendes Abschrecken das Gedächtnis für ihre Form. „Im Vergleich zu anderen Stentwerkstoffen lassen sich Gefäßimplantate aus der Formgedächtnislegierung elastisch und reversibel bis zu sechs Prozent dehnen“, erläutert Frotscher. „Das ist eine Größenordnung mehr als bei den konventionellen metallischen Stentwerkstoffen.“ Um allergische Reaktionen durch eine Freisetzung von Nickel-Ionen aus den Implantaten zu verhindern, wenden die Wissenschaftler das elektrochemische Verfahren des Elektroporierens an. So beseitigen sie Defekte und Rauigkeiten auf der Oberfläche. Bislang ist dieses Verfahren im industriellen Maßstab jedoch nicht einsetzbar. Daher erprobt das Team um Frotscher nun eine spezielle Elektropolierappartur, die die geflochtenen Stents strecken und stauchen kann, um auch an die Verbindungsstellen der Drähte heranzukommen.

Weitere Themen in RUBIN Werkstoff-Engineering

Im RUBIN Werkstoff-Engineering finden Sie außerdem folgen Themen: Blitzschnell verschleißbeständige Bauteile; Widerstandsfähig gegen Rost und Reibung: Pumpenzentrum kümmert sich um das allgegenwärtige Stiefkind der Forschung; Dem Zufall auf die Sprünge helfen: Entwicklung neuer Werkstoffe durch Hochdurchsatzexperimente mit Materialbibliotheken; Die Sonne Wasser spalten lassen; Wenn Superlegierungen versetzt werden; Zerreißprobe: Wie Hitze die Mikrostruktur von Stahl durcheinanderbringt; Bei extremer Kälte dem Magnetfeld widerstehen; Leichter abheben; Heißer ist besser: Kraftwerke umweltschonender machen; Wie eine lebende Haut: Neue Korrosionsschutzschichten sollen Defekte selbstständig heilen; … und wenn sich der Wasserstoff nicht nur im Tank befindet?: Ingenieure untersuchen Gefahren durch Wasserstoff in hochfesten Stählen; Vom Atom zum Werkstoff: Interdisziplinäre Materialsimulation zu leichten Elementen in Eisen und Stahl. RUBIN ist in der Stabsstelle Strategische PR und Markenbildung zum Preis von 5 Euro erhältlich und online unter http://www.rub.de/rubin

Weitere Informationen

Dr. Matthias Frotscher, Institut für Werkstoffe der Ruhr-Universität, 44780 Bochum, Tel. 0234/32-25910, E-Mail: Matthias.Frotscher@rub.de

Redaktion: Dr. Julia Weiler

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.rub.de/rubin

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Quantenanomalien: Das Universum in einem Kristall
21.07.2017 | Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe

nachricht Projekt »ADIR«: Laser bergen wertvolle Werkstoffe
21.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

IT-Experten entdecken Chancen für den Channel-Markt

25.07.2017 | Unternehmensmeldung

Erst hot dann Schrott! – Elektronik-Überhitzung effektiv vorbeugen

25.07.2017 | Seminare Workshops

Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark

25.07.2017 | Biowissenschaften Chemie