Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Durchbruch in der Materialforschung: Hamburger Wissenschaftler entwickeln neue Materialklasse basierend auf Nanopartikeln

02.02.2016

Klassische Materialien aus Keramiken, Metallen oder Kunststoffen haben ihre typischen mechanischen Eigenschaften. Sie sind hart, weich, fest, verformbar oder auch starr. Hamburger Forscher haben nun ein Material entwickelt, mit dem Potential alle Eigenschaften zu vereinen und neue Anwendungsmöglichkeiten in der Medizintechnik und Produktherstellung eröffnet.

Ein Forschungsteam bestehend aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Technischen Universität Hamburg (TUHH), Universität Hamburg, Helmholtz-Zentrum Geesthacht und dem Forschungszentrum DESY konnten ein neuartiges Nanokompositmaterial herstellen. Publiziert wurde die Forschungsarbeit in „Nature Materials“, der weltweit wichtigsten materialwissenschaftlichen Fachzeitschrift.


Hochauflösende transmissionselektronenmikroskopische Aufnahme der Eisenoxid-Nanoteilchen umgeben von Ölsäuremolekülen. (Foto: TUHH)

Dem Wunsch-Material für Medizintechnik und Produkthersteller sind die Hamburger Wissenschaftler ein Stück näher gekommen. Die neu entwickelte Methodik führt zu einem Material mit einer hohen Elastizität und Festigkeit wie auch gleichzeitig hoher Härte.

Die Forscher nutzen eine bei Nanoteilchen angewandte Standardmethode, bei der sich keramische Eisenoxid-Nanopartikel in gleichmäßigen Abständen regelmäßig anordnen. Damit dies passiert, wird organische Ölsäure benötigt, die jedes Eisenoxid-Nanoteilchen dicht umhüllt und diese mit einander verbindet „Die Selbstorganisation dieser Nanopartikel führt zu ausgedehnten dichtgepackten Überstrukturen, die an atomare Kristallgitter erinnern“, so Dr. Axel Dreyer, Mitautor der Studie und wissenschaftlicher Mitarbeiter im TUHH-Institut für Keramische Hochleistungswerkstoffe.

Der Clou ist, dass eine nachfolgende moderate Wärmebehandlung des Materials zu einem viel stärkeren Zusammenhalt des Materials und zu den bisher unerreichten, neuen mechanischen Eigenschaften des Nanokomposits führt.

er Aufbau des neuen Materials ähnelt auf kleinster Ebene natürlichem Hartgewebe wie Perlmutt oder Zahnschmelz. Seine Bausteine sind einheitlich große Eisenoxid-Nanopartikel, die mit einer Hülle aus organischer Ölsäure umgeben sind. In bisherigen Arbeiten war die Verbindung zwischen den Ölsäuremolekülen sehr schwach und basierte auf sogenannten van-der Waals-Bindungen.

Den Autoren ist es nun durch Trocknung, Heißpressen und einer kontrollierten Wärmebehandlung gelungen, die Ölsäuremoleküle viel stärker zu verbinden und damit das mechanische Verhalten dieser Nanokomposite entscheidend zu verbessern.

Da auch andere Nanoteilchen sehr häufig in Kombination mit organischer Ölsäure verarbeitet werden, hat diese Methode das Potential bei einer Vielzahl anderer Nanokompositmaterialien auch zu einer Verbesserung der mechanischen Eigenschaften zu führen. Darüber hinaus können, wie in der Natur, die vielfältigen Veränderungsmöglichkeiten der organischen Moleküle das mechanische Materialverhalten beeinflussen.

Die neue Materialklasse wurde im Sonderforschungsbereich 986 „Maßgeschneiderte Multiskalige Materialsysteme - M³“ der TUHH entdeckt in dem die vier Forschungseinrichtungen zusammenarbeiten. „Ohne die hervorragende Teamarbeit hätten wir diese Methode nicht entwickelt“, sagt Professor Gerold Schneider, Sprecher des SFB und Leiter des Instituts für Keramische Hochleistungswerkstoffe der TUHH. Eingesetzt werden kann das Material beispielsweise für Zahnfüllungen oder auch in der Herstellung von Uhrengehäusen. Hier muss das Material hart und zugleich bruchfest sein.

Publikation in Nature Materials
"Organically linked iron oxide nanoparticle supercrystals with exceptional isotropic mechanical properties“: Axel Dreyer, Artur Feld, Andreas Kornowski, Ezgi D. Yilmaz, Heshmat Noei, Andreas Meyer, Tobias Krekeler, Chengge Jiao,
Andreas Stierle, Volker Abetz, Horst Weller and Gerold A. Schneider; in Nature Material

DOI: 10.1038/nmat4553

Der Artikel erscheint am 1. Februar 2016 unter www.nature.com/nmat/index.html

Weitere Informationen:
Prof. Gerold Schneider
Technische Universität Hamburg-Harburg (TUHH)
Keramische Hochleistungswerkstoffe
Denickestrasse 15
D-21073 Hamburg
Tel +49 40 42878 3037
Fax +49 40 42878 2647
E-Mail: g.schneider@tuhh.de

www.tuhh.de/gk/welcome.html  

Jasmine Ait-Djoudi | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.tuhh.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Quantenanomalien: Das Universum in einem Kristall
21.07.2017 | Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe

nachricht Projekt »ADIR«: Laser bergen wertvolle Werkstoffe
21.07.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Physiker designen ultrascharfe Pulse

Quantenphysiker um Oriol Romero-Isart haben einen einfachen Aufbau entworfen, mit dem theoretisch beliebig stark fokussierte elektromagnetische Felder erzeugt werden können. Anwendung finden könnte das neue Verfahren zum Beispiel in der Mikroskopie oder für besonders empfindliche Sensoren.

Mikrowellen, Wärmestrahlung, Licht und Röntgenstrahlung sind Beispiele für elektromagnetische Wellen. Für viele Anwendungen ist es notwendig, diese Strahlung...

Im Focus: Physicists Design Ultrafocused Pulses

Physicists working with researcher Oriol Romero-Isart devised a new simple scheme to theoretically generate arbitrarily short and focused electromagnetic fields. This new tool could be used for precise sensing and in microscopy.

Microwaves, heat radiation, light and X-radiation are examples for electromagnetic waves. Many applications require to focus the electromagnetic fields to...

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Basis für neue medikamentöse Therapie bei Demenz

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Aus Potenzial Erfolge machen: 30 Rittaler schließen Nachqualifizierung erfolgreich ab

27.07.2017 | Unternehmensmeldung

Biochemiker entschlüsseln Zusammenspiel von Enzym-Domänen während der Katalyse

27.07.2017 | Biowissenschaften Chemie