Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Metallische Gläser werden neuer Schwerpunkt in Saarbrücker Werkstoffwissenschaft

12.01.2006


Bedeutend fester als Stahl und doch verarbeitbar wie Kunststoffe: Dies sind die besonderen Eigenschaften der neuartigen metallischen Massivgläser. Professor Dr. Ralf Busch ist einer der Forscher-Pioniere auf dem Gebiet dieser glasartigen Metalle. Eine Spende der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung ermöglichte es nun, Prof. Busch, der zuletzt an der Oregon State University in den USA forschte und lehrte, als Nachfolger von Professor Dr. Jürgen Breme für den Lehrstuhl Metallische Werkstoffe zu gewinnen.


Schiffe, Hochhäuser, Brücken erheblich größer und höher als heute - das ist die Zukunftsvision, die sich mit den neuartigen Werkstoffen, den metallischen Massivgläsern, verbindet. Schon heute ist es möglich, kleinere Gegenstände wie Golfschläger oder Handyhüllen mit Hilfe dieser neuen Legierungen herzustellen: Sie sind bedeutend fester als konventionelle Stähle, können aber in Form gegossen werden ähnlich wie Kunststoffe. Alles, was derzeit noch aus Kunststoffen hergestellt wird, wird einmal aus metallischem Glas geformt werden können - mit dem Vorteil, dass diese Produkte nahezu unzerstörbar sind.


Professor Ralf Busch, der jetzt an der Saar-Uni forscht und lehrt, ist Spezialist auf dem Gebiet neuartiger metallischer Strukturwerkstoffe und hat sich als einer der Pioniere in Sachen metallischer Massivgläser früh internationale Anerkennung erworben.

Metallische Gläser sind prinzipiell schon seit etwa 40 Jahren bekannt, jedoch konnte man bislang nur dünne Folien aus ihnen herstellen. Busch forschte als Humboldt-Stipendiat am renommierten US-amerikanischen California Institute of Technology in Pasadena, als dort 1993 ein Durchbruch gelang, den Experten als Revolution für die Metallurgie des 21. Jahrhunderts bewerten: Erstmals konnten die Forscher den Werkstoff so weiterentwickeln, dass er massiv verarbeitet, also in alle Formen gegossen werden konnte. Busch konnte seither seine Forschungsergebnisse auf dem Gebiet neuartiger metallischer Massivgläser in zahlreichen internationalen Artikeln veröffentlichen.


In Saarbrücken will Busch jetzt daran arbeiten, diese strukturellen Werkstoffe weiterzuentwickeln und im Hinblick auf ihre Eigenschaften weiter zu charakterisieren. So sollen etwa die Kosten der Herstellung der metallischen Gläser gesenkt, die herstellbare Menge vergrößert und damit gleichzeitig die neuen Werkstoffe für die Industrie interessant gemacht werden.

Professor Busch für die Saar-Uni zu gewinnen, hat entscheidend die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung unterstützt. Eine Spende in sechsstelliger Höhe ermöglicht dem Forscher hier optimale Bedingungen. Der Saarbrücker Werkstoffwissenschaftler Professor Frank Mücklich, der 1997 den Alfried Krupp-Förderpreis für junge Hochschullehrer erhielt, hatte sich besonders für diese Förderung des Lehrstuhls Metallische Werkstoffe und die damit verbundene Etablierung des neuen Schwerpunktes metallischer Strukturwerkstoffe in der Saarbrücker Werkstoffwissenschaft eingesetzt.

Wissenschaftlicher Werdegang von Professor Dr. Ralf Busch

Professor Dr. Ralf Busch, 1963 in Bad Gandersheim geboren, studierte und promovierte an der Universität Göttingen, wo er anschließend als wissenschaftlicher Assistent arbeitete. 1993 ging er als Feodor Lynen Stipendiat der Alexander von Humboldt Stiftung an das California Institute of Technology in Pasadena / USA. Dort begann er seine Arbeiten auf dem Gebiet der metallischen Massivgläser zunächst bis 1996 als Research Fellow und bis 1999 als Senior Research Fellow. Im Jahr 1999 übernahm er eine Assistenzprofessur für Materials Science im Department of Mechanical Engineering an der Oregon State University in den USA und wurde dort 2004 Associate Professor.

Sie haben Fragen? Dann setzen Sie sich bitte in Verbindung mit
Professor Dr. Ralf Busch, Tel: 0681/302-3208; Email: r.busch@mx.uni-saarland.de

Claudia Ehrlich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-saarland.de

Weitere Berichte zu: Kunststoff Massivgläser Metallisch Werkstoffwissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum
07.12.2016 | Technische Universität Graz

nachricht Bioabbaubare Polymer-Beschichtung für Implantate
06.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Universum enthält weniger Materie als gedacht

07.12.2016 | Physik Astronomie

Partnerschaft auf Abstand: tiefgekühlte Helium-Moleküle

07.12.2016 | Physik Astronomie

Bakterien aus dem Blut «ziehen»

07.12.2016 | Biowissenschaften Chemie